30 Jahre nach dem Schleyer-Mord: Ex-RAF-Terrorist Wagner löst Welle der Empörung aus
zuletzt aktualisiert: 17.10.2007 - 13:24Frankfurt/Main (RPO). Der begnadigte Ex-RAF-Terrorist Rolf Clemens Wagner hat mit seinen Äußerungen über die Ermordung von Hanns-Martin Schleyer eine Welle der Empörung ausgelöst. "Das ist eine Verhöhnung der Opfer“, sagte FDP-Chef Gudio Westerwelle. Vor 30 Jahren hatte die RAF den damaligen Arbeitgeberpräsident Schleyer ermordet. Wagner bezeichnete die Tag im Nachhinein als „richtig“.
„Wir sind hellauf entsetzt, dass die Gnade des Staates mit der Rechtfertigung der eigenen Barbarei beantwortet wird", sagte Westerwelle unserer Redaktion. "Es zeigt sich abermals, dass es keine Gnade ohne Reue geben darf, und es ist gut, dass Bundespräsident Köhler in diesem Sinne handelt", betonte der FDP-Chef mit Blick auf das von Köhler abgelehnte Gnadengesuch des inhaftierten RAF-Terroristen Christian Klar.
Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle sprach in der "Bild"-Zeitung von einem "Faustschlag ins Gesicht der Opferfamilien". Der hessische Ministerpräsident Roland Koch nannte es im selben Blatt ungeheuerlich, dass Wagner seinen "schrecklichen Irrweg" immer noch nicht eingesehen habe.
Zugleich wurde die Diskussion über die Begnadigung von ehemaligen Terroristen der Roten-Armee-Fraktion (RAF) neu angeheizt. Der hessische CDU-Fraktionsvorsitzende Christean Wagner forderte Gnade nur bei wirklicher Reue.
Wagner hatte in einem Interview der Berliner Tageszeitung "junge Welt" erklärt: "Manche Ergebnisse unserer Überlegungen bleiben auch aus heutiger Sicht richtig. Wie die Entscheidung, Hanns-Martin Schleyer zu entführen. Der wurde mit seiner SS-Geschichte als Wehrwirtschaftsführer in besetzten Gebieten und seiner aktuellen Funktion als Aussperrer und Präsident des Unternehmerverbands ja nicht zufällig ausgesucht."
Es sei lediglich ein Fehler gewesen, dass aus dem "Politikum" Schleyer "einfach zu wenig gemacht" worden sei, wurde Wagner weiter zitiert: "Gerade an ihm hätten wir unsere Analyse und Politik vermitteln können. Also die historische Kontinuität, für die er stand, beispielsweise." Man könne Schleyer "ja im Nachhinein einiges andichten, doch eines sicherlich nicht: dass er in der Bevölkerung als Sympathieträger galt. Damit hätten wir politisch arbeiten müssen."
Landshut-Entführung "schlimmste Entscheidung"
Im Nachhinein grundsätzlich ablehnend beurteilte Wagner in dem Interview dagegen die Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" durch ein palästinensisches Kommando. Das sei zunächst überhaupt nicht geplant gewesen. "Später trugen die Palästinenser den Vorschlag an uns heran, durch die Entführung eines Flugzeugs den Druck zu erhöhen. Und wir stimmten zu. Aus heutiger Sicht war das die schlimmste Entscheidung, an der ich beteiligt war."
Im sogenannten Deutschen Herbst hatte das RAF-Kommando "Siegfried Hausner" am 5. September 1977 Schleyer entführt und seine vier Begleiter getötet. Mit der Entführung sollte die Freilassung von insgesamt elf inhaftierten Terroristen erpresst werden. Am 13. Oktober entführten arabische Terroristen die "Landshut".
Nach der Befreiung des Flugzeugs in Mogadischu wurde Schleyer am 18. Oktober von seinen Entführern getötet. Wer die vermutlich zwei Schützen waren, wurde nie genau geklärt. Die zu lebenslanger Haft verurteilten Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe begingen zur selben Zeit im Gefängnis Stuttgart-Stammheim Selbstmord.
Wagner war unter anderem wegen der Beteiligung an der Entführung und Ermordung Schleyers zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Im November 2003 wurde er nach insgesamt 24 Jahren in Haft vom damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau begnadigt. Er war der letzte Ex-RAF-Terrorist, dessen Gnadengesuch angenommen wurde.
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