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Frühere SPD-Chef
Gabriel: Thema Gerechtigkeit im Wahlkampf war Fehler

Porträt: Gabriel - unberechenbar und brillanter Stratege
Porträt: Gabriel - unberechenbar und brillanter Stratege FOTO: afp, JOHN MACDOUGALL
Berlin. Der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat seiner Partei vorgeworfen, im Wahlkampf die falschen Themen gesetzt zu haben. Mit der Fixierung auf das Thema Gerechtigkeit habe die SPD ihr inneres Problem mit den Sozialreformen aus der Ära von Kanzler Gerhard Schröder bewältigen wollen.

Das sagte der scheidende Außenminister der Wochenzeitung "Die Zeit". "Das aber war nicht das Problem der Mehrheit der Wähler, sondern ein Problem der Innensicht der SPD."

Schon bei der Erarbeitung der Wahlkampfstrategie habe er die Festlegung auf das Thema Gerechtigkeit für einen Fehler gehalten, sei mit dieser Auffassung aber "weitgehend alleine" gewesen, sagte Gabriel. Die Wähler schauten nicht zurück, sondern in die Zukunft. "Ihre Fragen nach Sicherheit, der Bewältigung der Digitalisierung und auch die Zerrissenheit vieler Menschen in der Flüchtlingsfrage sind von uns nicht mit einem optimistischen Zukunftsentwurf beantwortet worden." Der Slogan "Zeit für Gerechtigkeit" sei problematisch für eine Partei, die von den letzten zwanzig Jahren sechzehn in der Regierung verbracht habe.

Der nur noch geschäftsführend amtierende Vizekanzler wies auch den Vorwurf zurück, er habe Martin Schulz zu spät die Kanzlerkandidatur überlassen. "Die Behauptung, die späte Benennung des Kandidaten sei ein Fehler gewesen, ist aus meiner Sicht nur eine Ausrede, um sich mit den wirklichen Gründen für die Wahlniederlage nicht beschäftigen zu müssen." Gabriel sagte sogar, dass im Rückblick vielleicht eine Kandidatenkür nach den verlorenen Landtagswahlen im Saarland in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen besser gewesen wäre. "So hatte Martin Schulz das Problem, dass er unverschuldet diese drei Wahlen mit im Gepäck hatte."

(felt/dpa)
 
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