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Ohne Reue in die Freiheit: Ex-Terrorist Christian Klar wird aus Haft entlassen

zuletzt aktualisiert: 24.11.2008 - 13:25

Stuttgart (RPO). Nun ist es offiziell: Christian Klar, der führende Kopf der "Zweiten Generation" der linksterroristischen RAF, kommt auf Bewährung frei. Nach 26 Jahren im Gefängnis wird am 3. Januar 2009 seine "Mindestverbüßungszeit" abgelaufen sein. Der 56-Jährige wird damit fast die Hälfte seines bisherigen Lebens im Gefängnis verbracht haben. Öffentlich bereut hat er seine Taten bislang nicht.

Klar war an drei brutalen Attentaten beteiligt, die die Republik im "Deutschen Herbst" 1977 erschütterten. Er wurde jeweils als "Mittäter" beim Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seinen zwei Begleitern, am Bankier Jürgen Ponto und am Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer sowie dessen vier Begleitern verurteilt.

Klar bekam deshalb am 2. April 1985 vom OLG Stuttgart wegen neunfachen Mordes und elf Mordversuchen zunächst fünf Mal lebenslänglich plus 15 Jahre. 1992 erhielt Klar noch ein weiteres "lebenslänglich" - und zwar wegen eines Bankraubes in Zürich im Jahr 1979, bei dem eine Frau erschossen wurde. Im Februar 1998 setzte das OLG Klars Mindestverbüßungsdauer auf 26 Jahre fest - wegen der besonderen Schwere der Schuld.

Ein Gnadengesuch hatte Klar bereits 2003 beim damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau gestellt, der aber nicht darüber entschied. Sein Nachfolger Horst Köhler beschloss im Mai 2007, "von einem Gnadenerweis für Herrn Christian Klar abzusehen". Eine nähere Begründung lieferte Köhler, der Klar persönlich traf, nicht.

In Freiburg geboren und aus einer gutbürgerlichen Familie stammend, hatte Klar sich 1976 in seiner Studentenzeit der RAF angeschlossen. Schon ein Jahr später wurde er zum Mörder. Festgenommen wurde er am 16. November 1982, als er sich einem Waffendepot der RAF näherte. Seit diesem Tag sitzt er ununterbrochen in Haft, seit dem 10. November 1989 in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bruchsal.

Im Gegensatz zu anderen verurteilten RAF-Mitgliedern hat er sich bisher nicht eindeutig von seiner Vergangenheit distanziert. Noch im Dezember 2007 betonte Klar in einem Interview der Wochenzeitung "Freitag", dass er sich als "politischen Gefangenen" sehe und nicht als Kriminellen. Schon 2001 erklärte er, der Begriff Reue mache für ihn politisch keinen Sinn, solange der Kapitalismus so viele Opfer produziere. Und im Januar 2007 formulierte Klar in einem Grußwort an die Rosa-Luxemburg-Konferenz erneut eine scharfe Kapitalismuskritik. Er rief dazu auf, "die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden".

Baden-Württembergs Justizminister Ulrich Goll (FDP) stoppte daraufhin die geplanten Vollzugslockerungen. Dagegen ging Klar jedoch juristisch vor und bekam schließlich seit Frühjahr 2008 insgesamt 14 Mal Ausgang, "teilweise in Begleitung einer Bezugsperson, aber auch allein", wie der Leiter der JVA Bruchsal, Thomas Müller, einer Zeitung sagte. Aus seiner Sicht entwickelte sich Klar positiv, wurde "ruhiger und ausgeglichener". So war es keine Überraschung, dass jetzt auch das OLG Stuttgart keine Hinweise für eine "fortdauernde Gefährlichkeit" des früheren Terroristen mehr sah.

Klar arbeitete jahrelang in der Gefängniswäscherei und in der Korbflechterei für bis zu zwei Euro Stundenlohn. Zudem spielte er regelmäßig Tischtennis und belegte einen Computerkurs. "Er muss lernen, sich in dieser modernen Welt zurechtzufinden", sagte der Gefängnisleiter. Nach seiner Haftentlassung will Klar - wie er selbst Ende 2007 ankündigte - eine "Lohnarbeit" verrichten und "ein legales Leben führen". Die Bewährungszeit dauert fünf Jahre.


 
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