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"Systematische Risikominimierung"
Ex-Vertrauter rechnet nach Jamaika-Aus mit Lindner ab

Ex-Vertrauter rechnet mit Lindner und Jamaika ab
Gerhard Papke und Christian Lindner im Jahr 2012 gemeinsam im Düsseldorfer Landtag. FOTO: dpa, Roland Weihrauch
Düsseldorf. Das Scheitern der Jamaika-Gespräche ist aus Sicht des Ex-Chefs der FDP-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen, Gerhard Papke, maßgeblich Christian Lindner anzulasten. Dieser scheue einfach das Risiko, sagte Papke.

Aus seiner langjährigen Zusammenarbeit und früheren Freundschaft mit Lindner wisse er, dass der sich in unübersichtlichen Situationen, die er persönlich nicht kontrollieren könne, lieber zurückziehe und abwarte. "Er weiß natürlich, dass das in Regierungsverantwortung nicht funktioniert - schon gar nicht in einer überaus herausfordernden Koalition mit Union und Grünen", sagte Papke in Düsseldorf der Nachrichtenagentur dpa. "Deshalb wollte Lindner eine Regierungsbeteiligung der FDP eigentlich gerne vermeiden."

Dennoch habe die FDP in Berlin ernsthaft verhandelt. "Aber Lindner nahm den Ausgang, als die Lage zu ungewiss wurde", meinte Papke.
Dieses Verhalten sei nur unerklärlich, "wenn man nicht erkennt, wie Christian Lindner tickt".

"Meister kunstvoll-abstrakter Werbebotschaften"

Der langjährige politische Weggefährte Lindners im Düsseldorfer Landtag bezeichnete den 38-Jährigen als "Meister kunstvoll-abstrakter Werbebotschaften", die der "brillante Verkäufer" oft nicht einlösen könne. Lindner hatte Papke 2012 im Amt des Fraktionschefs beerbt. Papke war anschließend bis zur Landtagswahl im Mai 2017 Vizepräsident im NRW-Parlament.

An diesem Samstag wird Lindner bei einem Parteitag der NRW-FDP in Neuss nach fünf Jahren den Vorsitz im größten FDP-Landesverband niederlegen. In der Aussprache der rund 400 Delegierten wird auch eine Debatte über das Jamaika-Aus erwartet.

Perfektionierer des politischen Mainstreams

Papke hatte bereits in seinem nach der Landtagswahl veröffentlichten Buch "Noch eine Chance für die FDP?" mit Lindners Kurs abgerechnet und ihm "systematische Risikominimierung" vorgeworfen. "Lindners Tonalität folgt überaus geschmeidig dem Zeitgeist", heißt es dort.

"Christian Lindner wird gewissermaßen zum modernen Perfektionierer des politischen Mainstreams." Beide Männer, die viele Jahre gemeinsam der FDP-Landtagsfraktion angehörten, hatten sich zuletzt unter anderem über die Zuwanderungspolitik überworfen.

(csi/lnw)
 
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