kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Rekordschulden: Experten: Steuersenkungen sind abwegig

VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 05.05.2009 - 21:32

Berlin (RP). Die Union drängt auf Steuersenkungen, die SPD verspricht keine Zusatzbelastungen. Wie glaubhaft sind die Aussagen der Politiker? Experten sind sicher: An Steuererhöhungen führt kein Weg vorbei, denn die Schuldenlast von Bund und Ländern ist auch angesichts der Finanzkrise erdrückend.

Eine Steuererklärung auf dem Bierdeckel. Davon träumte einst Friedrich Merz mit der Union.  Foto: DDP
Eine Steuererklärung auf dem Bierdeckel. Davon träumte einst Friedrich Merz mit der Union. Foto: DDP

Die Lage der großen Koalition erinnert an einen Filmklassiker mit Humphrey Bogart von 1954. In "Die Caine war ihr Schicksal" gerät Bogart als Kapitan eines Minensuchschiffs unter heftigen Beschuss der Feinde. Doch statt die Gegenwehr zu organisieren, lässt er eine verlorengeglaubte Büchse Erdbeeren suchen.

Auch Deutschlands Politiker blenden in diesen Tagen die Gedanken an die Krise aus und kümmern sich lieber um Leichtverdauliches. Trotz Rekordschulden und einbrechenden Steuereinnahmen versprechen Unionspolitiker dem Wahlvolk Steuersenkungen in Milliardenhöhe, die FDP will den Bürgern gar 28 Milliarden Euro netto mehr in der Tasche lassen und die SPD will immerhin Geringverdiener entlasten.

Experten sind äußerst verwundert und halten Debatten über Steuersenkungen für abwegig. Im Gegenteil: "Eine neue Bundesregierung wird an Steuererhöhungen nicht vorbeikommen", sagt Clemens Fuest, Oxford-Ökonom und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats beim Bundesfinanzministerium. Es sei eine "Illusion", dass es in den nächsten Jahren Spielräume für eine Steuerreform gebe, so Fuest. "Der Einbruch bei den Steuereinnahmen ist gewaltig."

Die führenden Forschungsinstitute rechnen alleine für 2010 mit einem Minus in den Kassen von Bund, Länder, Gemeinden und Sozialsystemen von 132 Milliarden Euro. Selbst die pessimistischsten Erwartungen wurden nach unten korrigiert, gaben die Forscher bei der Präsentation der Zahlen zu. Das Bundesfinanzministerium rechnet unterdessen intern mit Steuerausfällen von rund 300 Milliarden Euro bis 2013. Die Zahlen, die der Steuerschätzerkreis nächste Woche bekanntgeben will, werden wohl nicht besser aussehen.

Deutschland steckt in der Schuldenfalle. 40 Milliarden Euro zahlt der Bund schon heute für die Bewältigung der Vergangenheit. Zinsen für aufgetürmte Schulden. Insgesamt stecken Bund, Länder und Gemeinden mit 1,6 Billionen Euro in der Kreide. Damit entfällt auf jeden Deutschen ­ vom Säugling zum Greis ­ eine Staatsschuld von rund 19.000 Euro. Die Finanzkrise ­ sie findet auch beim Staat statt. "Es gibt nur zwei Auswege: Steuern hoch oder Abgaben runter", sagt Wolfgang Wiegard, Steuerexperte im Sachverständigenrat der Bundesregierung. Letzteres sei selten der bevorzugte Weg der Politik. Ein Gedankenspiel macht deutlich, warum Kürzungsideen in Wahlprogrammen kaum auftauchen.

Um die Staatsschuld nennenswert einzudämmen, müsste der Staat etwa die Renten um 60 Prozent kürzen oder sämtliche Ausgaben für Arbeitsmarkt, Verkehr und Verteidigung streichen. Einfacher ist die Erhöhung der Mehrwertsteuer. "Ein gern genutztes Instrument, um Krisen zu finanzieren. Im europäischen Vergleich gibt es noch Spielraum nach oben", sagt Wiegard. Mit einem Steuersatz von 19 Prozent liegt Deutschland im Mittelfeld. Schon Altkanzler Helmut Kohl erhöhte die Verbrauchssteuer entgegen früherer Ankündigungen, um einen Teil der horrenden Einheitskosten zu finanzieren. 2005 einigte sich die große Koalition als erste Maßnahme auf eine dreiprozentige Erhöhung. Vor der Wahl wollte die Union ein Plus von zwei Prozentpunkten, die SPD gar keine Erhöhung.

Finanzminister Peer Steinbrück warnte seine Parteifreunde vor der Wiederholung einer solchen Aktion. "Das wäre ein Blattschuss." In vertrauter Runde schließen Koalitionspolitiker Steuererhöhungen aber längst nicht mehr aus. "Wer weiß, wie sich die Kassenlage entwickelt."

Quelle: RP

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Mubarak spottet über neue Politikergeneration

Ägyptens Ex-Präsident

Mubarak spottet über Politiker

Mit Hohn und Spott verfolgt Ex-Präsident Husni Mubarak die neue Generation ägyptischer Politiker. mehr 

Präsident im Kriegsmodus

Warum Hollande Syrien mit Militär droht

Präsident im Kriegsmodus

Frankreichs neuer Präsident François Hollande droht Syrien mit einer Militärintervention - ... mehr 

Mehr Politik
Aus der Region

Ägyptens Ex-Präsident

Mubarak spottet über Politiker

Warum Hollande Syrien mit Militär droht

Präsident im Kriegsmodus

Schmutz-Wahlkampf in den USA

Obama macht Romney zum Vampir

Diskussion um Nichtraucherschutz

"Rauchen ist bei jungen Menschen out"

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Video

Italien: Frau lebend aus Trümmern gezogen

Das Beben in Norditalien war am Dienstagabend schon 12 Stunden her, da gab es eines dieser kleinen Wunder, auf die die Menschen in den ... mehr 

Schröder hält am Krippenausbau fest

"Wir dürfen die Eltern nicht enttäuschen"

Familienministerin Schröder hält daran fest: Ab August 2013 soll der Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung gelten. Am Mittwoch legte sie ein Zehn-Punkte-Programm vor. Mit seiner Hilfe sollen doch noch 160.000 Betreuungsplätze entstehen. "Fast ... mehr

 

Ministerin will auf Uni-Bewertung warten

Neue Plagiatsvorwürfe gegen Schavan

 
 

Streitpunkt Vorratsdaten

EU-Kommission wird Deutschland verklagen

 

Merkel nur noch knapp vorn

Kraft stürmt die Beliebtheits-Charts

 

Ramsauers Vorschlag abgeblockt

Merkel erteilt Pkw-Maut klare Absage

Top-Services