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Exzellenzinitiative von Bund und Ländern
Der Club der Elite-Unis

Exzellenzinitiative: Der Club der Elite-Unis
Studenten an der Universität Köln – eine der Elite-Unis in Deutschland. FOTO: Oliver Berg
Düsseldorf. Bund und Länder wollen die Exzellenzinitiative für universitäre Spitzenforschung fortsetzen. In der neuen Runde geht es um langfristige Förderung. Deshalb ist ein Erfolg jetzt so wichtig wie nie zuvor – gerade für NRW. Von Frank Vollmer

In einem sind sich Bund, Länder und Universitäten grundsätzlich einig, und schon das ist bemerkenswert: Die 2007 gestartete Exzellenzinitiative für Spitzenforschung war ein Erfolg. Und sie soll fortgesetzt werden – wie, darauf haben sich Bund und Länder am Freitag auch offiziell geeinigt. Die Exzellenzinitiative, so ist immer wieder zu hören, habe die deutsche Universitätslandschaft in Bewegung gebracht. Was auch stimmt: Das Wettbewerbsprinzip hat Einzug gehalten. Von einem "neuen Spirit, einem Geist des Aufbruchs" spricht etwa die Prorektorin für Internationales der Uni Köln, Gudrun Gersmann. Sie hat allen Grund dazu – Köln hat sich 2012 in der prestigeträchtigsten Förderlinie durchgesetzt, den "Zukunftskonzepten", und firmiert daher landläufig als "Elite-Universität".

Von 2019 bis mindestens 2026 soll nun die neue Förderung laufen; 533 Millionen Euro pro Jahr sind dafür vorgesehen. Drei Viertel zahlt der Bund, ein Viertel kommt von den jeweiligen Ländern. Aus den "Zukunftskonzepten" sollen auch offiziell "Exzellenz-Universitäten" werden. Außerdem werden weiter Exzellenzcluster gefördert, also Forschungsverbünde. Mitte Juni sollen die Ministerpräsidenten und die Kanzlerin dieses Konzept verabschieden.

Bund tritt als langfristiger Sponsor auf den Plan

Die dritte Runde wird den beiden ersten ähneln; dennoch ist sie grundsätzlich anders. Aus zwei Gründen: Erstens wird die Förderperiode verlängert. In den ersten Runden waren es jeweils fünf Jahre, was so manchem Uni-Rektor die Hektikflecken ins Gesicht trieb: Kaum ist die schöne Förderung richtig angelaufen, muss man schon an die Verlängerung denken. Nun sollen acht bis elf Exzellenz-Unis in Sieben-Jahres-Perioden gefördert werden, Cluster grundsätzlich zweimal sieben Jahre.

Zweitens aber und vor allem: Die Entscheidung, wer sich ab 2019 exzellent nennen darf, wirkt womöglich auf Jahrzehnte. Denn der Bund tritt als langfristiger Sponsor auf den Plan – erstmals seit einer Grundgesetzänderung 2015, die ihm das erlaubt, obwohl die Unis eigentlich Ländersache sind. Zwar will Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU) von "Bundesunis", wie sie ihre Vorgängerin Annette Schavan ins Spiel brachte, offiziell nichts wissen. Und auch mit der vom Bund wie von CDU und CSU gewünschten stärkeren Konzentration – drei bis fünf Exzellenz-Unis statt der nun beschlossenen acht bis elf – wird es vorerst nichts. Deutschland bleibt egalitärer als etwa die USA mit ihrer im Geld schwimmenden Elite-Liga. Dass es auf absehbare Zeit kein "deutsches Harvard" geben wird, hat sich als Erkenntnis weitgehend durchgesetzt.

Dennoch – so oder so werde die Bundesförderung eine Dauereinrichtung, prophezeit Thomas May, Generalsekretär des Wissenschaftsrats, der Bund und Länder berät: "Der Druck im jetzt anstehenden Verfahren ist entsprechend höher." Die Wahrscheinlichkeit (genauer: das Risiko) ist gestiegen, dass mit den neuen Exzellenz-Universitäten eine relativ feste Gruppe der deutschen Spitzenhochschulen entsteht.

NRW hat Nachholbedarf

Zwar müssen sich alle Gewinner nach jeweils sieben Jahren einer Evaluation stellen, also der wissenschaftlichen Bewertung ihrer Arbeit. "Eine relativ geringe Beweglichkeit" erwartet dennoch May. In NRW sieht man das ähnlich: "Wenn die Unis nicht gerade goldene Löffel klauen, wird die Förderung auf Dauer sein", heißt es aus dem Ministerium. Elite unter sich also. Von den Hochschulen kommt Widerspruch, wohl auch, um den Eindruck zu vermeiden, wer 2019 nicht zum Zuge komme, sei danach chancenlos. "Wenn nach sieben Jahren zwei bis drei Unis ausgewechselt werden, ist die Dynamik groß genug", sagt der Kölner Rektor Axel Freimuth: "Von Dauerförderung zu reden, führt in die Irre."

Und NRW? Hat Nachholbedarf. Es ist bei der Exzellenz, gemessen am Anteil der Bevölkerung und der Studenten, unterrepräsentiert. Ministerin Svenja Schulze (SPD) begründet das mit der jungen Uni-Landschaft und deshalb fehlendem gewachsenem Prestige – was freilich nicht erklärt, warum Bremen (gegründet 1971) und Konstanz (1966) Elite sind, Bochum (1965) aber nicht. Schulze hat aber teils auch recht: NRW hat Uni-Gründungen in den 60er und 70er Jahren auch als Hilfe für strukturschwache Regionen wie Ostwestfalen verstanden; dort nicht nur einen Unibetrieb zu schaffen, sondern wissenschaftliche Exzellenz, braucht länger als etwa in den Hightech-Regionen Baden-Württembergs. Außerdem war NRW lange der "Durchlauferhitzer", der mehr Studenten ausbildete, als er Studienberechtigte produzierte. Viele gute Absolventen wanderten zurück in andere Länder. Das kostete Geld, brachte aber dem Standort am Ende wenig.

Verbünden winkt maximal fast die dreifache Förderung

Forschungsverbünde könnten helfen, den "Spirit" der Exzellenz kräftiger durch NRW blasen zu lassen. "Im Rheinland gibt es da die meisten Optionen", sagt Rektor Freimuth. Bisher gibt es erst zwei Kooperationen in NRW – eine zwischen Köln und Düsseldorf, eine zwischen Köln und Bonn. Verbünden winkt ab 2019 maximal fast die dreifache Förderung wie einzelnen Unis.

Doch auch die neue Exzellenz lässt offene Fragen: Von verschiedenen Seiten kommen Appelle, über die Spitzenförderung dürfe die Grundfinanzierung der Unis nicht zu kurz kommen. Die Grünen im Bundestag sprechen daher von einem "ambivalenten Projekt". Die Adenauer-Stiftung warnt nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen", die Länder könnten sich ihren Finanzierungspflichten entziehen, wenn der Bund langfristig Geld in die Hand nehme. Studenten schließlich klagen, die Exzellenz habe zu wenig auf die Lehre abgefärbt, was wiederum die Unis bestreiten. Auch wenn es also nun weitergeht - irgendwo hat auch die schöne Exzellenz-Einigkeit ihre Grenzen.

Quelle: RP
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