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"Geschützte Gruppe" auf Facebook
Künast will Flüchtlinge in sozialen Medien schützen

Facebook: Flüchtlinge könnten "geschützte Gruppe" werden
Renate Künast beim Besuch eines Flüchtlingsheims in Berlin. FOTO: dpa, bvj sab
Berlin. Der Druck auf Facebook wird von deutschen Politikern deutlich erhöht. Das soziale Netzwerk soll härter gegen hetzerische Einträge gegen Flüchtlinge vorgehen. Das Unternehmen macht seit Tagen Schlagzeilen, weil beanstandete Kommentare oder Inhalte zum Teil nicht gelöscht werden und im Netz verweilen.

Die Grünen-Politikerin Renate Künast forderte Facebook deshalb auf, Flüchtlinge in den "Gemeinschaftsstandards" des Online-Netzwerks in die Kategorie der geschützten Gruppen aufzunehmen. "Außerdem sollten ab jetzt deutsche Facebook-Teams gezielt auf dieses aktuelle Problem angesetzt werden", erklärte die Vorsitzende des Justizausschusses am Freitag.

Nach den "Gemeinschaftsstandards" von Facebook sind Hass-Kommentare verboten, die sich auf "Rasse, Ethnizität, nationale Herkunft, religiöse Zugehörigkeit, sexuelle Orientierung, Geschlecht bzw. geschlechtliche Identität oder schwere Behinderungen oder Krankheiten" beziehen. Die Gruppe der Flüchtlinge wird zurzeit in der Liste der geschützten Gruppen nicht ausdrücklich erwähnt. 

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Das weltweit erfolgreiche Unternehmen Facebook mit seinen insgesamt 1,5 Milliarden Nutzern ist darauf angewiesen, dass bedenkliche Inhalte von Usern gemeldet werden. Nach der Meldung eines Kommentares oder Beitrages werden diese geprüft und gelöscht, wenn sie gegen die "Gemeinschaftsstandards" verstoßen. Die prüfenden Teams sind international über diverse Standorte verstreut. So sind auch Deutsch sprechende Kontrolleure darunter. In den vergangenen Tagen gab es jedoch Kritik daran, dass zahlreiche angeprangerte Kommentare nach einer Prüfung auf der Plattform geblieben waren.

Ein Facebook-Sprecher hatte eingeräumt, dass in dem Prozess auch Fehler unterliefen. "Unsere Reporting-Systeme sind dafür entwickelt, Menschen vor Missbrauch, Hassrede und Mobbing zu schützen, und es ist bedauerlich, dass gelegentlich Fehler gemacht werden, wenn solche Reports bearbeitet werden", erklärte er. "Wir wissen, dass dies frustrierend sein kann, wenn wie in einzelnen Fällen ein Fehler passiert." Nach Facebook Angaben müssen die Prüfer weltweit hunderttausende Meldungen pro Woche bearbeiten.

Künast sah es jedoch als positiv an, dass Facebook nun Fehler einräume. Das Unternehmen müsse aber jetzt auch handeln und "dafür Sorge tragen, dass fremdenfeindliche Äußerungen auf ihren Seiten schnellstens verschwinden". Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hatte Facebook bereits am Mittwoch aufgefordert, die Verbreitung von Hassbotschaften durch Nutzer konsequenter zu stoppen. Auf seine Einladung zum Gespräch reagierte das Unternehmen positiv.

 

(dpa)
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