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Weihnachtsmarkt-Attentäter
Amri soll IS-Kontakte im Handy eingespeichert haben

Fall Amri: Attentäter soll IS-Kontakte im Handy gespeichert haben
Mit diesem Bild war Amri zur Fahndung ausgeschrieben worden. FOTO: BKA
Düsseldorf/Berlin. War es vor dem Anschlag in Berlin möglich, Anis Amri als mutmaßlichen IS-Terroristen festzunehmen? Bislang haben die Behörden dies immer wieder verneint. Nun gibt es Zweifel daran.

In einem beschlagnahmten Handy des Attentäters vom Berliner Weihnachtsmarkt, Anis Amri, haben sich nach Recherchen der ZDF-Sendung "Frontal 21" möglicherweise hinreichend Anhaltspunkte für eine frühzeitige Festnahme befunden. Dort gespeicherte Nummern seien Mitgliedern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zuzuordnen, berichtete das Magazin. Für die Auswertung soll das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen zuständig gewesen sein. Ein Sprecher des Landesinnenministeriums sagte am Abend, man prüfe die Informationen.

Wären die Nummern rechtzeitig etwa vom Bundesnachrichtendienst (BND) überprüft worden, hätte Amri wegen Mitgliedschaft in der Terrorgruppe verhaftet werden können, sagte der langjährige Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele dem Magazin. "Dass Anis Amri von dort seine Anweisungen erwartete, erfüllt den Tatbestand der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und nicht nur eine mögliche Unterstützung."

Handy war bereits im Februar 2016 sichergestellt worden

Der Tunesier Amri war am 19. Dezember 2016 mit einem gestohlenen Lastwagen in eine Menschenmenge auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gerast und hatte zwölf Menschen getötet.
Auf der Flucht war er in Italien von Polizisten erschossen worden.

Sein Handy war im Februar 2016 sichergestellt worden. Der Inhalt soll Ermittlern in Berlin, dem LKA NRW und dem Bundeskriminalamt (BKA) zur Verfügung gestanden haben. Die Sicherheitsbehörden hätten "entsprechende ausländische Telefonnummern durch den BND abklären können", sagte Bruno Jost, Sonderermittler des Berliner Senats, dem Magazin. Das sei nach seinen Erkenntnissen aber nicht geschehen, was er für ein Versäumnis halte.

Wie "Frontal 21" weitere berichtete, bot sich Amri den Ermittlungsakten zufolge schon im Februar 2016 mit dem Codewort "Dougma" dem IS als Selbstmordattentäter an. Die Ermittler hätten zudem damals festgestellt, dass "Amri sehr wahrscheinlich nicht nur direkte Kontakte zum sogenannten "Islamischen Staat" unterhält, sondern offenbar von einem derer Mitglieder direkt und persönlich instruiert wird, einen nicht bekannten Tatplan in Deutschland in die Tat umzusetzen". "Frontal 21" hat dem Bericht zufolge Amris IS-Kontakte anhand von Facebook-Profilen verifizieren und konkreten IS-Terroristen zuweisen können.

Fall Anis Amri: Landeskriminalamt übersah Handy-Foto mit Schusswaffe
(laha/dpa/lnw)
 
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