Benedikt XVI. besucht Bayern: Farbbeutel-Anschlag auf Geburtshaus des Papstes
zuletzt aktualisiert: 10.09.2006 - 09:48München (rpo). Zehntausende Menschen jubelten Benedikt XVI. zu, als er zum ersten großen Gottesdienst auf das Münchener Messegelände fuhr. In die Begeisterung der Menschen mischt sich jedoch ein bitterer Beigeschmack: Unbekannte warfen Farbbeutel auf das Geburtshaus des Kirchenoberhauptes in Marktl.
Papst Benedikt XVI. ist am Sonntagmorgen auf dem Münchner Messegelände zum ersten großen Gottesdienst im Rahmen seines Bayern-Besuchs eingetroffen. Er wurde dort mit großem Jubel begrüßt. Anschließend stieg er in sein "Papamobil", um durch die Reihen der versammelten Gläubigen zu fahren.
Insgesamt wurden zu der Eucharistiefeier am Vormittag etwa 250 000 Menschen aus rund einem Dutzend Ländern erwartet. Seit 6.00 Uhr waren die Pilger mit Gebeten und Gesängen auf die Heilige Messe eingestimmt worden. Bereits in der Nacht waren Tausende Menschen in Richtung des Messegeländes im Osten Münchens aufgebrochen.
Der Anschlag auf das Geburtshaus von Papst Benedikt XVI. wurde nach Polizeiangaben zwischen 4.30 und fünf Uhr in der Nacht verübt: Unbekannte schleuderten zwei Beutel mit blauer Farbe gegen die Fassade des erst vor kurzem renovierten Gebäudes im oberbayerischen Marktl am Inn. Der Bürgermeister Hubert Gschwendtner zeigte sich zuversichtlich, dass die Farbe bis zum Besuch des Papstes am Montagabend wieder entfernt werden könne.
Rede am Samstag
Bei seiner Ansprache auf dem Münchener Marienplatz hatte der Papst sich am Samstag für mehr Ökumene stark gemacht. Er betonte zwar, man könne 500 Jahre unterschiedlicher Entwicklung "nicht einfach bürokratisch oder durch gescheite Gespräche beiseite schieben". Er fügte aber hinzu: "Wir werden uns mit Herz und Verstand darum mühen, dass wir zueinander kommen."
Das Oberhaupt der katholischen Kirche rief seine "Landsleute" zum Auftakt seines Besuchs dazu auf, sich aktiv an der Weitergabe der grundlegenden Werte des christlichen Glaubens zu beteiligen. Dieser grenze nicht ab, sondern bringe die Völker zueinander.
Der Papst wurde am Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein von Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) auf dem Münchner Flughafen begrüßt. Köhler sagte in einer Rede: "Heiliger Vater, gerade in Deutschland, dem Land, in dem die Reformation ihren Ursprung hatte, richtet sich der Wunsch vieler Christen auf ökumenische Verständigung und - wenn man das so schlicht sagen darf - ökumenischen Fortschritt."
Der Papst nickte bei diesen Worten. Später richtete er in seiner Ansprache einen Gruß nicht nur an die katholischen Gläubigen, sondern auch an alle Mitglieder der anderen Kirchen, "besonders an die evangelischen und orthodoxen Christen". Der Heilige Vater fügte mit Blick auf die Äußerungen Köhlers zur Ökumene hinzu: "Und Sie, lieber Herr Bundespräsident, haben mir aus dem Herzen gesprochen."
Treffen mit Bundeskanzlerin Merkel
Auch die Bundeskanzlerin warb am Abend bei einem Gespräch mit dem Papst für eine Annäherung der katholischen und evangelischen Kirche. Merkel sagte nach dem Treffen, ihrer Ansicht nach sei es ganz wichtig, "dass wir Wege der Ökumene finden, ohne das Trennende unter den Tisch zu kehren". Dies habe sie gegenüber dem Papst zum Ausdruck gebracht. Merkel fügte hinzu: "Ich habe den Eindruck, dass der Heilige Vater hier auch sehr aufgeschlossen ist."
Der Papst traf sich auch mit Köhler zu einem Gespräch. Dabei äußerte er den Wunsch nach verstärkten Anstrengungen bei der Integration von muslimischen Bürgern in Deutschland. Der Bundespräsident berichtete, dies habe ihm Benedikt XVI. eindeutig "mitgegeben". Auf diese Weise solle auch ein "gutes Zeichen" an die muslimische Welt außerhalb Deutschlands gegeben werden, "dass wir mit ihnen gut zusammenleben wollen, dass sie willkommen sind".
Der Papst hob die enge Verbundenheit zwischen Bayern und dem Vatikan hervor. Zugleich betonte er aber auch die persönliche Motivation seiner Reise. "Bewegten Herzens betrete ich heute zum ersten Mal nach meiner Erhebung auf den Stuhl Petri deutschen und bayerischen Boden", sagte das Kirchenoberhaupt. Er kehre auch in seine Heimat in der Absicht zurück, um einige Orte zu besuchen, die in seinem Leben eine grundlegende Bedeutung gehabt hätten.
Rückkehr auf den Marienplatz
Am Marienplatz hatte Joseph Ratzinger am Pfingstsamstag 1977 nach seiner Weihe zum Erzbischof von München und Freising am Fuße der Mariensäule auf dem Platz für den Schutz für sein Land gebetet. Ebenfalls vom Marienplatz hatte er sich von seinem damaligen Erzbistum München und Freising am 28. Februar 1982 nach Rom verabschiedet.
Als Benedikt XVI. erinnerte er daran, dass er als Münchner Bischof Nachfolger des heiligen Korbinian war. In Anlehnung an die Legende bezeichnete er sich selbst als "ein Lasttier Gottes". Aber gerade so sei er immer bei Gott.
Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber sagte: "Für die Menschen in unserem Land und für mich persönlich geht heute ein Herzenswunsch in Erfüllung: Unser deutscher Papst kehrt in seine bayerische Heimat zurück." Sichtlich gerührt war der Münchner Erzbischof Kardinal Friedrich Wetter. Obwohl Benedikt XVI. als Papst die Weltkirche anvertraut sei, sei er nicht in weite Ferne gerückt, sagte er. Auch als Papst sei er ein Bayer gelieben.
Militärischer Empfang auf dem Münchner Flughafen
Am Rollfeld des Münchner Flughafens war das Kirchenoberhaupt zuvor von Bundespräsident Horst Köhler mit militärischen Ehren empfangen worden. Zur Begrüßung waren auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sowie zahlreiche kirchliche Würdenträger an den Flughafen gekommen.
Köhler hieß Benedikt XVI. im Namen aller Deutschen willkommen. Es habe für ihn etwas Bewegendes, wenn sich der Papst so zu seiner Herkunft und seiner Heimat bekenne, sagte der Bundespräsident. Zugleich äußerte er Hoffnung auf weitere Fortschritte bei den Bemühungen um eine Einheit der Kirche.
Bei strahlendem Sonnenschein gingen Köhler und der Papst über den roten Teppich zur Ehrenformation der Bundeswehr, die auf dem Flughafen angetreten war. Es wurden die Bayern-Hymne, die Hymne des Vatikans und die deutsche Nationalhymne gespielt.
Papst will demnächst auch nach Berlin kommen
Nach Angaben der Polizei waren entlang der Route des Papstes sowie auf dem Marienplatz etwa 85.000 Menschen versammelt. Das befürchtete Chaos blieb aus. "Es gab keine nennenswerte Zwischenfälle", sagte eine Polizeisprecherin.
Der Papst bleibt sechs Tage in Bayern und besucht den Wallfahrtsort Altötting, seinen Geburtsort Marktl am Inn, das Bistum Regensburg sowie die Stadt Freising. Drei große Messen sind geplant, zu denen rund 600.000 Menschen erwartet werden.
Benedikt XVI. wünscht sich bereits einen weiteren Besuch in Deutschland. Er würde sich "freuen", wenn er auch noch andere Städte in Deutschland wie etwa Berlin besuchen könnte, betonte der Papst auf dem Flug von Rom nach München vor mitreisenden Journalisten. Konkrete Planungen dafür gebe es aber noch nicht. "Ich bin ja ein alter Mann, wie viel Zeit mir der Herr noch gibt, weiß ich nicht", sagte der 79-Jährige.
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