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Debatte über Integration
FDP-Chef Lindner fordert Hymne von Özil

Christian Lindner – der Überflieger
Christian Lindner – der Überflieger FOTO: dpa, tha fpt
Hamburg. FDP-Chef Christian Lindner hat den Deutschen in einem Interview ein Identitätsproblem attestiert. Das führe zu Integrationsproblemen – zum Beispiel bei vielen Deutschtürken. Auch an deutsche Fußballer hat er einen Wunsch.

FDP-Chef Christian Lindner hat erstmals konkrete Bedingungen für eine Regierungsbeteiligung seiner Partei nach der Bundestagswahl formuliert. Die FDP werde vor der Wahl "zehn Punkte definieren, was mit der FDP geht und was nicht", sagte Lindner in einem Interview mit dem "Stern". Neben einer Senkung der Steuer- und Abgabenlast gehöre dazu auch ein "Neustart beim Euro, wo auch die Regeln in Griechenland wieder geachtet werden müssen", eine "Offensive für Bildung und neue Technologien" sowie eine gesteuerte Einwanderungspolitik.

Mesut Özil soll die Hymne singen

Den Deutschen attestierte Lindner "ein Identitätsproblem, das dann zu Integrationsproblemen führt". Lindner wörtlich: "Warum sind so viele Deutschtürken keine Verfassungspatrioten? Das kann man nicht verordnen. Wir sollten beginnen, uns offensiver zu unserem großartigen liberalen Grundgesetz zu bekennen." In diesem Zusammenhang kritisierte Lindner die "Laschheit" gegenüber dem türkischen Präsidenten Erdogan. Auf die Frage, ob der türkischstämmige Fußballer Mesut Özil vor Spielen der Nationalmannschaft die deutsche Hymne mitsingen solle, antwortete Lindner: "Ja." Er würde auch nicht mehr Urlaub in der Türkei machen, sollte dort die Todesstrafe eingeführt werden.

Lindners Forderung, dass Özil die Nationalhymne mitsingen solle, sorgte in den sozialen Netzwerken für viel Kritik. Darauf reagierte er mit einer Klarstellung bei Facebook: "Ich will keine Hymnen-Polizei. Ob ein Fußballer mitsingt, ist seine Sache. Aber wenn der 'Stern' mich schon fragt, dann halte ich meine Meinung nicht taktisch zurück: Ja, man sollte sie singen." Es wäre ein großartiges Signal, "wenn wir als modernes Einwanderungsland schon so weit wären, dass auch Idole wie Mesut Özil das tun".

Skeptisch äußerte sich der FDP-Politiker in dem Interview auch zur doppelten Staatsangehörigkeit. "Unsere Zuwanderungspolitik benötigt eine Generalinventur", sagte Lindner in dem Interview. "Wer bleibt, den müssen wir uns aussuchen. Da sollte das Ziel der Integration viel stärker die deutsche Staatsangehörigkeit sein." Zwei Pässe sollten nur neu Eingewanderte besitzen dürfen, die "glasklare Anforderungen" erfüllen. "Aber in der dritten Generation kann sich das nicht mehr vererben."

(rent)
 
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