Forderung nach Fast-Food-Verbot: FDP-Politikerin rügt Parteikollegen
zuletzt aktualisiert: 23.07.2010 - 15:34Berlin (RPO). Im Streit um die Gesundheitskosten hat die FDP-Abgeordnete Christel Happach-Kasan ihren Parteikollegen Erwin Lotter Kritisiert. Der hatte laut einem Medienbericht ein Fast-Food-Verbot für Kinder gefordert.
Happach-Kasan sagte unserer Redaktion: "Fast-Food hat die gleichen Qualitätsstandards wie jedes andere Nahrungsmittel auch. Hamburger sind nicht grundsätzlich schlecht, genau so wie ein Fischbrötchen oder die Stulle unterwegs nicht schlecht sind. Eine überzeugende Grenze zwischen richtigem und falschem Essen lässt sich nicht ziehen."
Die FDP-Bundestagsfraktion lehne Verbote für bestimmte Lebensmittel wie Fast-Food, Werbeverbote und Strafsteuern für vermeintlich ungesunde Lebensmittel ab. An dieser liberalen Grundposition änderten anders lautende Einzelstimmen nichts. "Wir setzen auf Eigenverantwortung, Verbraucherbildung und positive Anreize für die mündigen Verbraucherinnen und Verbraucher."
Kritik kam auch von der Verbraucher Initiative aus Berlin. "Drohungen gegen die Geldbeutel und Ess-Verbote können bei Experten und Bevölkerung lediglich Erstaunen über die Herangehensweise der Abgeordneten verursachen", erklärte die Leiterin des Fachbereichs Ernährung, Laura Gross.
Wenn es den politischen Entscheidungsträgern ernst sei mit dem Bemühen um eine gesundheitsfördernde Ernährung und die Gesundheit der Kinder, sollten sie sich für wirksame Ernährungsbildung, empfehlenswerte Verpflegung und ausreichend Bewegung in Kindergärten und Schulen einsetzen, so Gross.
Bundesregierung lehnt Fast-Food-Verbot für Kinder ab
Die Bundesregierung lehnt ein Fast-Food-Verbot für Kinder ab. Sowohl das Gesundheitsministerium als auch das Verbraucherschutzministerium wiesen den Vorstoß zurück. "Einen vernünftigen Lebensstil kann man nicht verordnen", hieß es in Berlin. Lotter hatte seinen Vorstoß damit begründet, dass gegen eine Verfettung der Kinder notfalls politisch vorgegangen werden müsse: "Es sollte verhindert werden, dass insbesondere Kinder unter 16 Jahren Fast-Food-Produkte essen."
Lotter "Verfettung unserer Kinder"
Der Gesundheitsexperte Erwin Lotter hatte der "Bild"-Zeitung gesagt: "Das Problem ist und bleibt die Verfettung unserer Kinder." Seiner Ansicht nach sollte verhindert werden, dass insbesondere Kinder unter 16 Jahren Fast-Food-Produkte essen.
"Hier muss ernsthaft die Frage aufgeworfen werden, ob Eltern wirklich eigenverantwortlich handeln oder ob die Politik hierauf als letzte Möglichkeit auch gesetzlich reagieren muss", so Lotter.
Der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Marco Wanderwitz hatte zuvor einen höheren finanziellen Beitrag von Übergewichtigen ins Spiel gebracht. "Es muss die Frage erlaubt sein, ob die immensen Kosten, die zum Beispiel durch übermäßigen Esskonsum entstehen, dauerhaft aus dem solidarischen System beglichen werden können", sagte Wanderwitz "Bild.de"
Der gesundheitspolitische Sprecher der Union im Bundestag, Jens Spahn, räumte ein, es werde keine Gesundheitspolizei geben, die kontrolliere, wer was esse, um ihn dann zu bestrafen. Er sagte aber auch: "Eine Stärkung der Eigenverantwortung der Versicherten ist erklärtes Ziel der Koalition." Auch die Grünen hatten Wanderwitz' Vorschlag als "diskriminierend und unsozial" kritisiert.
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