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Führungsdiskussion in der FDP spitzt sich zu: "FDP-Wähler sehnen sich nach Gerhardt"

zuletzt aktualisiert: 28.03.2005 - 22:15

Berlin (rpo). Die Führungsdiskussion in der FDP gewinnt immer mehr an Schärfe. Aus den Landesverbänden werden mehr und mehr Stimmen laut, die eine größere Rolle für Fraktionschef Wolfgang Gerhardt fordern und Kritik an FDP-Chef Guido Westerwelle üben. "Die klassischen FDP-Wähler sehnen sich nach Wolfgang Gerhardt", sagt der hessische Fraktionsvorsitzende Jörg-Uwe Hahn und spricht damit vielen Liberalen aus der Seele.

Gerhardt selbst bemühte sich am Samstag in Berlin, die Debatte zu dämpfen. Ihm gehe es "nicht um einen persönlichen Wettbewerb", sondern um einen inhaltlichen Beitrag, erklärte der Fraktionschef. Die Kritik des hessischen Fraktionsvorsitzenden Jörg-Uwe Hahn, der auch Sprecher der FDP-Fraktionsvorsitzenden in Bund und Ländern sowie FDP-Bundesvorstandsmitglied ist, nannte Gerhardt überzogen.

Hahn sprach sich klar für eine wichtigere Rolle Gerhardts aus: "Die klassischen FDP-Wähler sehnen sich nach Wolfgang Gerhardt. Er ist seriös, kompetent, glaubwürdig - und garantiert, dass die FDP nicht zur Partei der Spaßgesellen und Leichtmatrosen wird." Dieser Vorwurf war gegen Westerwelle erhoben worden. Hahn sagte der "Bild am Sonntag", mit seinem Wahlprogramm habe Gerhardt aufgezeigt, wie die Liberalen ihr Umfragetief überwinden könnten. Der Fraktionschef hatte am Dienstag in Berlin ein Programm vorgestellt, über das er FDP-Chef Westerwelle lediglich informiert hatte. Den danach aufkeimenden Verdacht eines Machtkampfes hatte Gerhardt jedoch umgehend zurückgewiesen.

Gerhardt verteidigte erneut seinen Vorstoß. Seine Partei müsse mit soliden Konzepten "Vertrauen zurückgewinnen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Er habe sich damit nicht Führungskompetenzen Westerwelles angemaßt. "Wir beide sind führend verantwortlich dafür, dass die Arbeit der FDP wahrgenommen wird", rechtfertigte er sein Vorgehen.

Westerwelle betonte, er finde das Konzept Gerhardts wichtig und richtig. Die FDP müsse zeigen, dass sie jederzeit bereit sei, die Regierungsverantwortung zu übernehmen, sagte er im NDR. Das Konzept habe Gerhardt erarbeitet, weil er eine Fraktionsklausur vorbereite.

"Echtes Tandem"

Gerhardt und Westerwelle "sollten als gleichberechtigte Vorsitzende von Fraktion und Partei die FDP in die Bundestagswahl führen", forderte Hahn weiter. "Sie sollten ein echtes Tandem bilden. Wenn einer von beiden auf der Zielgeraden in ein Spaßmobil steigt, können wir die Wahl vergessen", sagte er laut "Bild am Sonntag" offenbar mit Blick auf Westerwelle und dessen vorherige Wahlkampfführung. Offen zweifelte Hahn die Fähigkeiten des Bundesvorsitzenden an: "Westerwelle ist anzumerken, dass er immer Generalist war. Er musste sich nie als Fachpolitiker intensiv mit einem Sachgebiet auseinandersetzen." Gerhardt hob in seiner Erklärung hervor: "Herr Hahn überzieht mit seiner Kritik." Dies sei auch "mit Sicherheit" nicht die Meinung seines Heimat-Landesverbandes Hessen.

Auch die Landtags-Fraktionschefs von Sachsen und Sachsen-Anhalt, Holger Zastrow und Veit Wolpert, kritisierten die Äußerungen Hahns. "Hahns Vorpreschen ist inhaltlich und von der Wortwahl her inakzeptabel", erklärten beide am Montag in Berlin. Darüberhinaus sei sein Vorgehen in keinster Weise abgestimmt gewesen. "Hahn erschwert den Landtagswahlkampf in Nordrhein-Westfalen, wo es um die Ablösung der letzten rot-grünen Landesregierung geht", erklärten sie.

Baden-Württembergs FDP-Spitzenkandidat und Justizminister Ulrich Goll betonte in der "BamS": "Wenn es darum geht, das liberale Profil der FDP zu schärfen, ist Wolfgang Gerhardt nicht zu ersetzen." Auch Goll forderte: "Zur Bundestagswahl 2006 sollte er eine große Rolle spielen." Ähnlich äußerte sich Niedersachsens FDP-Vorsitzender und Wirtschaftsminister Walter Hirche: "Gerhardt verdeutlicht, was für die FDP lebensnotwendig ist: Verlässlichkeit, Berechenbarkeit und Substanz." Gerhardt und Westerwelle seien "sehr unterschiedliche Charaktere, die unterschiedliche Wählerschichten ansprechen", doch beide seien wichtig.

Quelle: afp

 
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