Kritik vom Ex-Außenminister: Fischer warnt Grüne vor Linksruck
zuletzt aktualisiert: 03.10.2007 - 10:01Hamburg (RPO). Der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) hat seine Partei eindringlich vor einem Linksruck und Koalitionen mit der Linkspartei gewarnt. Die Grünen hätten eine Stammwählerschaft, die weit in die Mitte reiche. "Bei uns haben sich die linken Wähler schon seit längerem verabschiedet", sagte Fischer.
Weiter erklärte er im "Stern": "Wenn die Grünen glauben, sie könnten zu einem linken Protestprofil zurück, ohne einen heftigen Preis dafür zu zahlen, täuschen sie sich."
Die Partei habe "Großes geleistet", sagte Fischer. Der Politiker betonte: "Ich würde mir nur wünschen, dass sie dazu auch steht." So teile er die Skepsis gegenüber dem deutschen Engagement in Afghanistan nicht, "im Gegenteil, wir müssten viel mehr machen".
Die Grünen fehlten ihm nicht, sagte Fischer. Umgekehrt sei es ebenso. "Zumindest in der Spitze scheinen alle heilfroh zu sein, dass ich weg bin." Anders als Ex-Kanzler Gerhard Schröder, der der SPD in Wahlkämpfen hilft, will der Ex-Außenminister für die Grünen nicht mehr auftreten. "Keine Konzerte mehr", sagte Fischer, der sich einst als "letzter Live-Rock'n'Roller" unter den deutschen Politikern bezeichnet hatte.
"Immerwährender Kampf"
Zwischen seiner Partei und ihm habe es einen "immerwährenden Kampf" gegeben, "der am Ende Wunden hinterlassen hat". Auf dem von Tumulten und dem Wurf eines Farbbeutels auf ihn geprägten Sonderparteitag zum Kosovo-Krieg 1999 in Bielefeld 1999 habe es "einen inneren Bruch gegeben. Ich habe nie darüber gesprochen, aber es hat mich der Partei sehr entfremdet", sagte Fischer.
Die große Koalition im Bund forderte er auf, jetzt keine Reformpause einzulegen. "Die Welt um uns herum wartet nicht auf uns", sagte Fischer. Bei seinem einjährigen Aufenthalt in den USA habe er es "sehr faszinierend" gefunden, "dass Dinge einfach gemacht werden". Er fügte hinzu: "Es gibt eine andere Bereitschaft zum Handeln, zu mehr Risiko und weniger Skepsis." Er finde es gut, dass die Bundesregierung "den Mut zur Rente mit 67 hatte". In der Arbeitsmarktpolitik müsste nun alle Energie darauf verwendet werden, mehr Flexibilität zu ermöglichen, vor allem durch bessere Förderung und Qualifizierung.
Erstmals gab Fischer zu erkennen, wie ernst er die Visa-Affäre im Jahr 2005 genommen hatte. "Als Opposition hätte ich auch auf mich draufgeschlagen", sagte der frühere Spitzenpolitiker der Grünen. Allerdings sei die Union damals "viel zu stümperhaft" gewesen und habe den Untersuchungsausschuss falsch besetzt. "Da hat Frau Merkel ihr großes christliches Herz bewiesen. Das habe ich dankend angenommen", fügte Fischer hinzu.
Fischer bestritt, Ambitionen auf das Amt des Bundespräsidenten zu hegen. "Es gibt wenige Ämter, für die ich ungeeigneter wäre", sagte er und fügte hinzu: "Wenn ich etwas als Außenminister nicht gemocht habe, dann das Repräsentative, das Zeremonielle. Das bin ich einfach nicht. Absurd."
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