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Flexi-Rente
Kleine Schritte ohne große Wirkung

Flexi-Rente: Kleine Schritte ohne große Wirkung
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Meinung | Berlin. Die Flexi-Rente sollte ein Gegengewicht bilden zur Rente mit 63, die einen wahren Exodus älterer Mitarbeiter in den Unternehmen ausgelöst hat. Vor allem die Union wollte mit der Flexi-Rente ein sichtbares Signal für ein längeres Arbeiten auch im Alter setzen. Doch verglichen mit den erheblichen Wirkungen der Rente mit 63 ist das, was nun in die entgegen gesetzte Richtung gehen soll, enttäuschend wenig. Von Birgit Marschall

Die unter dem Stichwort "Flexi-Rente" zusammengefassten Schritte der großen Koalition werden kaum spürbare Wirkung entfalten. Das Maßnahmenpaket enthält vor allem zwei Teile: die "flexible Teil-Rente" für Ältere sowie zweitens mehr Anreize für Rentner und ihre Arbeitgeber zur Weiterbeschäftigung.

Was die flexible Teil-Rente angeht, so fand die Koalition nicht den Mut, die schon existierenden Hinzuverdienstregeln für Ältere, die zunächst nur einen Teil ihrer gesetzlichen Rente beziehen möchten, deutlich zu verbessern. Es bleibt im Wesentlichen bei den bisher schon geltenden Regeln, allerdings werden diese vereinfacht und flexibilisiert. Wer im Alter ab 63 seinen Lebensunterhalt zum einen Teil mit der gesetzlichen Rente und zum anderen Teil mit dem Hinzuverdienst bestreiten will, wird auch künftig nur Geld in Höhe eines Mini-Job-Gehalts hinzuverdienen können, ohne dass dieser Verdienst auf die Rente angerechnet wird. Immerhin wird die anrechnungsfreie Summe von monatlich 450 Euro auf eine Jahressumme von 6300 Euro leicht angehoben, denn die Koalition geht von 14 Monatsgehältern aus. Was über dieser Grenze liegt, soll künftig zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet werden. Das bedeutet: Wer etwa eine Teil-Rente von monatlich 1000 Euro bezieht und zusätzlich 1000 monatlich hinzuverdient, dem wird die Teilrente um 190 Euro monatlich gekürzt. Ab einem Hinzuverdienst von 2000 Euro monatlich beträgt der Kürzungsbetrag bereits 590 Euro. Wer 3000 Euro monatlich hinzuverdient, für den wäre die Teil-Rente von 1000 Euro bereits komplett verschwunden. Ergo: Es ist dies vor allem eine Teil-Rente für Geringverdiener. Für Fachkräfte wird die Teil-Rente unattraktiv bleiben.

Positiver können für sie die Wirkungen des zweiten Teils des Maßnahmenpakets sein. Die große Koalition will Arbeitgebern die Arbeitslosenversicherungsbeiträge für Mitarbeiter erlassen, die bereits im Rentenalter sind. Dadurch verringern sich die Kosten dieser Mitarbeiter um 1,5 Prozent ihres Brutto-Monatslohns. Das kann zwar kein entscheidender, aber immerhin ein weiterer Anreiz sein, einen Rentner an das Unternehmen zu binden.

Mehr Wirkungen dürfte eine weitere sinnvolle Maßnahme entfalten: Wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Rentenalter bereit sind, weiter in die Rentenkasse einzuzahlen, kann der beschäftigte Rentner damit seine Rentenbezüge künftig erhöhen. Dies dürfte für viele Ältere eine interessante neue Variante sein.

Fazit: Das Paket zur Flexi-Rente, das die große Koalition etwa Mitte 2016 in Kraft setzen will, ist zwar besser als nichts. Aber es reicht nicht, um einen Paradigmenwechsel herbeizuführen. Deutschland wird mit diesem Paket weder seinen Fachkräftemangel wirksam bekämpfen können noch den erwünschten Mentalitätswechsel hin zum längeren Arbeiten erreichen.

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