| 14.32 Uhr

Flüchtlinge
Junge islamische Männer – gefährlich für Deutschland?

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können
Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai
Meinung | Düsseldorf. Die Hardliner in der Flüchtlingskrise haben ein neues Horrorszenario entdeckt – die jungen islamischen Männer. Es seien ja vor allem solche Flüchtlinge, die auf der Balkan-Route zu uns kommen, so heißt es. Sie seien fern ab unserer Werte wie Demokratie, Meinungs- und Religionsfreiheit, Gleichberechtigung von Mann und Frau. Sie würden sich, so lautet der Vorwurf, in Parallelgesellschaften einnisten, die unser Wertesystem nicht teilen, und könnten in punkto Radikalität, aber auch Kriminalität zur ernsten Gefahr für die deutsche Gesellschaft werden. Von Martin Kessler

Um es gleich vorwegzunehmen. Die Gefahr ist nicht ganz unbegründet. Sie greift aber zu kurz. Denn die Menschen, die fliehen, gerade auch die jungen islamischen Männer, kommen zu uns, weil sie genug haben von Fanatismus, Bomben, Gewalt und Radikalismus. Natürlich bringen sie ihre Traditionen und ihre bisherigen Lebensstile mit, aber es ist im Falle Syriens auch die Erfahrung einer eher weltlichen Gesellschaft, in der die Religionen Jahrzehnte friedlich nebeneinander lebten, bis dieser Konsens von Diktator Assad und radikalen Islamisten aufgekündigt wurde. Für die Flüchtlinge aus dem Irak und Afghanistan gilt Ähnliches. Aus Afghanistan kommen deshalb viele Menschen, weil die Alliierten, allen voran die USA, aber auch Deutschland, ihre Truppen dort abgezogen haben. Diese Menschen sind wehrlos dem Wüten der Taliban ausgeliefert. Mit unserer militärischen Präsenz wollten wir sie eigentlich beschützen. Die vom Westen gestützte heimische Regierung kann das nicht mehr, wie die jüngsten spektakulären Militäraktionen der Taliban zeigen.

Die jungen islamischen Männer können auch ein Gewinn für uns sein. Wenn sie hier ihre Chance sehen, ihre Fähigkeiten einbringen können und von der Mehrheitsgesellschaft akzeptiert werden, dürften sie vor möglichen Anwerbeversuchen islamistischer Gruppen gefeit sein. Denn sie wissen ja, wohin das in ihrer Heimat geführt hat. Viele muslimischen Zuwanderer hatten in der Vergangenheit wenig mit Religion zu tun. Erst als sie die Ablehnung durch die Mehrheitsgesellschaft drastisch erfuhren, suchten nicht wenige ihre Zuflucht in der Religion, manche sogar bei radikalen islamistischen Predigern. Lassen wir es also nicht zu, dass diese jungen Männer abdriften. Dazu müssen wir ihnen bei uns eine faire Chance geben.

Liebe Leserinnen und Leser,
Ihre Meinung zu RP Online ist uns wichtig. Anders als sonst bei uns üblich gibt es allerdings an dieser Stelle keine Möglichkeit, Kommentare zu hinterlassen. Zu unserer Berichterstattung über die Flüchtlingskrise haben wir zuletzt derart viele beleidigende und zum Teil aggressive Einsendungen bekommen, dass eine konstruktive Diskussion kaum noch möglich ist. Wir haben die Kommentar-Funktion bei diesen Themen daher vorübergehend abgeschaltet. Selbstverständlich können Sie uns trotzdem Ihre Meinung sagen – per Facebook oder per E-Mail.

(kes)