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Flüchtlingskrise
Bayern will seine Grenzen selbst kontrollieren

Hintergrund: So läuft das Asylverfahren ab
Hintergrund: So läuft das Asylverfahren ab FOTO: dpa, ua fpt
München. Mit deutlich verstärkten Grenzkontrollen wollen Unionspolitiker den Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland regulieren. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) will die Bundespolizei an den Grenzübergängen nach Österreich gar mit eigenen Landeskräften verstärken.

Der Bund habe aber ein solches Angebot abgelehnt, sagte Herrmann der "Welt am Sonntag". "Dafür habe ich kein Verständnis." Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums verwies auf Nachfrage auf die alleinige Zuständigkeit des Bundes für die Grenzsicherung.

CDU-Vizechefin Julia Klöckner, die in Rheinland-Pfalz Ministerpräsidentin werden will, forderte eine lückenlose Registrierung der Flüchtlinge an den deutschen Grenzen: "Unser Staat muss wissen, wer sich auf unserem Staatsgebiet befindet", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. "Gerade wenn Pässe gefälscht werden, können wir doch nicht so tun, als ob Heilige in unser Land kämen." In Deutschland waren Flüchtlinge mit falschen syrischen Pässen untergetaucht, bei denen ein "Anfangsverdacht" auf Kontakte zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) besteht.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) mahnte einen effektiveren Schutz der EU-Außengrenzen an. Es sei wichtig, "dass wir wieder mehr Kontrolle darüber haben, wer nach Europa ein- und ausreist", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Sonntag/Montag). Zugleich warnte der Außenminister davor, "Flüchtlinge mit mutmaßlichen Terroristen in einen Topf zu werfen". Die Mehrzahl der islamistischen Attentäter komme aus Europa selbst.

Der bayerische Innenminister Herrmann wies auf das Sicherheitsrisiko durch organisierte Kriminalität und internationalen Terrorismus hin. "Dass wir selbst fünf Wochen nach Paris trotz der eklatanten Gefahr keine verlässlichen Kontrollen durchführen, ist ein Armutszeugnis", kritisierte er mit Blick auf die Anschläge vom 13. November.

Hessens Regierungschef Volker Bouffier (CDU) geht davon aus, dass der Flüchtlingszustrom nach Deutschland im kommenden Jahr "deutlich" zurückgeht. "Wenn wir jetzt täglich 3000 Flüchtlinge haben, dann ist das viel besser als vorher 10 000 oder 15 000", sagte der stellvertretende CDU-Bundeschef der dpa in Wiesbaden. Dafür sei es vor allem notwendig, Europas Außengrenzen zu sichern, vor allem zwischen Griechenland und der Türkei. Außerdem müssten Asylbewerber mit Hilfe von Registrierzentren europaweit verteilt werden.

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(felt/dpa)
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