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Flüchtlingskrise
OECD: Deutschland kann das schaffen

Von Albanien bis zum Südsudan: Ursachen der großen Flucht
Von Albanien bis zum Südsudan: Ursachen der großen Flucht FOTO: ALESSANDRO BIANCHI
Berlin. Zuspruch von der OECD: Die Herausforderung ist nach Ansicht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung immens, aber mit den richtigen Instrumenten zu bewältigen.

In ihrem am Dienstag in Berlin vorgestellten Migrationsausblick 2015 wirft die OECD einen optimistischen Blick auf Deutschlands Fähigkeiten, mit der hohen Zahl an Asylsuchenden umzugehen. Allerdings seien auch in den kommenden Jahren hohe Migrationsbewegungen in Richtung Europa absehbar.

Die OECD erwartet für das laufende Jahr einen Rekordwert an Asylanträgen in ihren 34 Mi tgliedstaaten. Mit bis zu einer Million Anträgen könnte 2015 der höchste gemessene Wert seit Ende des Zweiten Weltkriegs erreicht werden, heißt es in dem Bericht. Hierzu trage insbesondere Deutschland bei, das nach den USA inzwischen "das mit Abstand zweitwichtigste Einwanderungsland im OECD-Raum ist", sagte der OECD-Ökonom Thomas Liebig.

Die Organisation geht davon aus, dass rund 300.000 bis 350.000 Asylsuchende im laufenden Jahr einen dauerhaften Aufenthaltsstatus in Deutschland bekommen. "Damit ist die humanitäre Migration auch weiterhin geringer als die Zahl der legalen Arbeitsmigration nach Deutschland", sagte Liebig.

Dem Bericht zufolge sind 71 Prozent der Asylbewerber im OECD-Raum männlich, weshalb in den kommenden Jahren ein hoher Anstieg des Familiennachzugs zu erwarten sei. Liebig sagte, dass insbesondere bei den syrischen Flüchtlingen noch "viele Frauen und Kinder in der Türkei" verweilten.

Europa im allgemeinen und Deutschland im besonderen seien auf die gegenwärtige Flüchtlingskrise deutlich besser vorbereitet als in den 90er Jahren, sagte Liebig. Der OECD-Bericht hebt hervor, dass es Deutschland auch gelungen sei, zwischen Ende der 80er und Anfang der 2000er Jahre drei Millionen Spätaussiedler zu integrieren und fast 400.000 Flüchtlingen des Bosnien- und des Kosovo-Krieges Zuflucht zu gewähren.

Seitdem sei das Asylsystem professionalisiert und der Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert worden, sagte Liebig. Außerdem gebe es aufgrund des demografischen Wandels in Deutschland einen echten Bedarf an ausländischen Arbeitskräften.

Der OECD-Bericht empfiehlt den Mitgliedstaaten ausdrücklich, frühzeitig in die dauerhaft bleibenden Neuankömmlinge zu investieren. Weil Bildung und kultureller Hintergrund der Flüchtlinge unterschiedlicher als je zuvor seien, brauche es Integrationsmaßnahmen, die auf den jeweiligen Flüchtling maßgeschneidert seien. "Das Erlernen der Sprache muss möglichst berufsbezogen sein", sagte Liebig.

"Das wichtigste ist, die Menschen dahin zu bringen, wo die meisten Jobs sind, nicht dahin, wo Wohnraum am günstigsten ist", betonte der OECD-Experte. Langzeitstudien aus Schweden zeigen demnach, dass in strukturschwachen Regionen untergebrachte Flüchtlinge höhere Arbeitslosigkeitsquoten und deutliche niedrigere Einkommen erzielen.

Aufgrund der anhaltenden Gewalt in Syrien, des weitgehenden Zusammenbruchs staatlicher Institutionen in Libyen sowie der sich verschlechternden Sicherheitslage in Irak, Afghanistan, Libanon und der Türkei erwartet die Organisation auch für die kommenden Jahre weiter sehr hohe Flüchtlingszahlen im OECD-Raum. "Natürlich wird die Situation auf absehbare Zeit angespannt sein", sagte Liebig. Zwar könne auch Deutschland die Krise nicht ganz allein bewältigen, "aber Europa hat die Kapazitäten".

(AFP)
 
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