Reaktion auf das Sparpaket: Flugabgabe bedroht 10.000 Jobs
VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 08.06.2010 - 15:30Berlin (RP). Das geplante 80-Milliarden-Euro-Sparpaket der Bundesregierung und die darin vorgesehene Einführung einer Luftverkehrsabgabe führt in der Luftfahrtbranche zu heftigem Widerstand. Michael Eggenschwiler, Präsident des Flughafenverbands ADV, kritisierte im Gespräch mit unserer Redaktion die Maßnahme als "Schlag ins Gesicht" für die Passagiere und fürchtet eine Abwanderung von Airlines von deutschen Flughäfen ins Ausland.
Die Bundesregierung hat eine Luftverkehrsabgabe angekündigt. Wie bewerten Sie das?
Eggenschwiler Die geplante Luftverkehrsabgabe ist für die Luftverkehrswirtschaft, die Passagiere, und für den Wirtschaftsstandort Deutschland ein Schlag ins Gesicht. Während die Automobilwirtschaft mit der Abwrackprämie gefördert wurde, hat die Luftverkehrsbranche die Krise ohne jegliche staatliche Hilfen überstanden. Es ist nicht nachvollziehbar, dass der Luftverkehr, der durch die Wirtschafts- und Vulkankrise bereits stark belastet ist, nun noch weiter geschwächt werden soll. Das dringend erforderliche Wirtschaftswachstum wird durch eine geschwächte Luftverkehrswirtschaft nicht ermöglicht, sondern konterkariert.
Was bedeutet die Abgabe konkret für die Passagiere?
Eggenschwiler Die Abgabe wird eine starke Belastung für die Bürger sein. Sie ist nichts anderes als ein direkter Griff in das Portemonnaie der Verbraucher. Nach unserer vorläufigen Schätzung wird jedes Ticket im Schnitt um 10 bis 15 Euro teurer werden. Das bedeutet dann auch, dass Fliegen durch den geplanten Aufschlag nicht mehr für alle Bürger erschwinglich sein wird. Mit dem im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Ziel der Bundesregierung, Mobilität für alle zu ermöglichen, ist die Abgabe eindeutig nicht vereinbar.
Welche Auswirkungen sehen Sie für den Standort Deutschland?
Eggenschwiler Der Luftverkehr ist eine international ausgerichtete Branche, für die nationale Alleingänge Gift sind. Die geplante Luftverkehrsabgabe wird einzig und allein zu einer massiven Verkehrsverlagerung an Flughäfen im Ausland führen. Aus diesem Grund ist 2008 auch der Versuch der niederländischen Regierung gescheitert, eine vergleichbare Ticketabgabe einzuführen. Nach nur einem Jahr wurde die Abgabe wieder zurückgenommen, weil es zu einer starken Verlagerung des Verkehrs an Flughäfen im benachbarten Ausland kam. Die deutschen Flughäfen gehen davon aus, dass die Abgabe zu einem Verkehrsrückgang von bis zu 3 Prozent führen wird. Der Rückgang wirkt sich auch direkt auf den Wirtschaftsstandort Deutschland aus. Nach ersten Einschätzungen stehen durch die Abgabe bis zu 10.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel.
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