| 07.52 Uhr

Chef des Bamf und der Arbeitsagentur
Frank-Jürgen Weise – der Mann mit den zwei Hüten

Berlin. Frank-Jürgen Weise, Chef des Flüchtlingsamtes und Chef der Arbeitsagentur, gilt als Deutschlands bester Administrator. Nun droht er Bauernopfer zu werden. Von Jan Drebes und Eva Quadbeck

Es sind die klassischen preußischen Tugenden, die man Frank-Jürgen Weise nachsagt: Disziplin, Ordnungssinn, Pflichtbewusstsein, Verlässlichkeit. Da wundert es nicht, dass der Mann auf einem Feld zu Hause ist, das auch die Preußen pflegten: der Schaffung effizienter Verwaltungsstrukturen.

Der 64-Jährige war bei der Reform der zu Beginn des Jahrtausends maroden Bundesagentur für Arbeit so erfolgreich, dass sein Name als erstes fiel, als es im September darum ging, die bürokratisch größte Herausforderung seit Jahrzehnten anzugehen: das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) auf die Herausforderungen der Flüchtlingskrise einzustellen. Während es dem Bamf in den vergangenen Jahren nicht gelang, in angemessener Zeit mehrere Zehntausend Anträge pro Jahr zu bearbeiten, muss 2015 die Ankunft von rund einer Million Flüchtlinge bewältigt werden.

Weise, der nun zwei Hüte trägt, den der Bundesagentur für Arbeit und den des Bamf, ist es noch nicht gelungen, Herr der Lage zu werden. In den wenigen Wochen seit Amtsantritt ist die Zahl der bearbeiteten Anträge im Bamf auf 1600 pro Tag gestiegen. Das aber reicht nicht.

Frank-Jürgen Weises Posten als Bamf-Chef ist nur ein Ehrenamt. FOTO: dpa, tfr

Weise, Diplom-Betriebswirt, Fallschirmjäger und Oberst der Reserve, steht vor der wohl schwierigsten Aufgabe seiner Laufbahn. Dabei müsste er gar nicht mehr arbeiten. Nachdem er der Bundeswehr den Rücken gekehrt hatte, stieg er ins Management ein. Ein von ihm gegründetes Logistik-Unternehmen brachte er an die Börse und verkaufte es für eine Millionensumme.

Sein Posten als Bamf-Chef ist nur ein Ehrenamt. Was also reizt ihn an dieser schier unmöglichen Aufgabe? Ganz offensichtlich ihre Größe, wie damals, als er die Bundesagentur für Arbeit übernahm. "Das hat mich gepiesackt", sagte er einmal rückblickend, warum er den Job zunächst als Stellvertreter seines Freunds Florian Gerster annahm und später Chef der Behörde wurde. Als Gerster nach einem Skandal um einen PR-Auftrag nicht mehr haltbar war, sprach der CDU-Mann Weise bei Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) vor. Er empfahl sich als einer, der den Worten der Politiker Taten folgen lassen kann.

Damals hatte er Glück: Bei der Sanierung der riesigen Arbeitsbehörde kam ihm der konjunkturelle Aufschwung seit Ende des vergangenen Jahrzehnts mächtig entgegen. 2010 wurde ihm auch noch die Leitung der Bundeswehr-Strukturkommission angetragen. Sein Bericht von damals ist heute noch Grundlage für die weitere Modernisierung der Truppe.

Stimmen: NRW-Bürgermeister zur Lage in ihrer Stadt FOTO: dpa, fg nic

Wer solche Aufgaben ohne den Druck übernimmt, Geld verdienen zu müssen, der muss das Controlling zur Leidenschaft haben. Dabei verfolgt Weise einen klassisch modernen Führungsstil. Er setzt darauf, dass nicht Anweisungen von oben, sondern das Einbinden der Kompetenz und des Sachverstandes von Mitarbeitern die Verwaltungsabläufe verbessern. Im Auftreten ist er verbindlich und offen. Er wirkt wie ein Vorgesetzter, dem man seine Meinung sagen kann.

In der Flüchtlingskrise ist allerdings anders als damals beim Arbeitsmarkt kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Dennoch sieht sich der Verwaltungsmanager wieder in der Situation, dass er das "Wir schaffen das"-Versprechen der Politik umsetzen muss. Bei Union und SPD liegen die Nerven mittlerweile blank. Weise bekommt das zu spüren. Bei der Innenministerkonferenz vergangene Woche in Koblenz gab es erstmals Stunk zwischen dem neuen Amtschef und den Ministern. Weise musste einräumen, dass seine Behörde erst ab Mai voll leistungsfähig sein werde und dass die von ihm angestrebte Zahl von 80.000 bearbeiteten Anträgen pro Monat optimistisch geschätzt sei.

In Wahrheit wurde ein politischer Konflikt ausgetragen: Weise vertrat die Vorgabe des Bundesinnenministeriums, wonach sein Amt bei Syrern zur Einzelfallprüfung zurückkehren soll. Er stellte in Aussicht, dass dies die Verfahren nicht verlängere. Eine Erklärung, wie das gelingen soll, blieb er nach Angaben von Teilnehmern schuldig. Nach dem Treffen wurde Weise auch oberlehrerhaftes Auftreten vorgeworfen. Das passt ins Bild: Weise ist einer, der sich in politischen Fragen immer zurückhält und seine Vorgaben umsetzt. Wie er das macht, da lässt er sich nicht gerne reinreden.

Hintergrund: So läuft das Asylverfahren ab FOTO: dpa, ua fpt

Der Unmut der Länderminister löste den öffentlichen Schlagabtausch vom Wochenende aus. Am weitesten ging die wahlkämpfende rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), die die arbeitsfreien Wochenenden beim BAMF kritisierte. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) griff Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) als Verantwortlichen an. In der Union wurden Weise und seine Mitarbeiter in Schutz genommen.

SPD-Vizechef Ralf Stegner sagte unserer Redaktion: "Martin Schulz und Malu Dreyer liegen richtig. Die Zustände im BAMF sind so nicht tragbar." Das aber liege an der politischen Führung. Stegner schob damit den Schwarzen Peter dem Innenminister zu: "Länder und Kommunen mahnen seit Monaten schnellere Verfahren an. De Maizière hat dafür politische Verantwortung." Zwischen den Fronten von Union und SPD kann Weise Bauernopfer werden. Dieses Risiko kennt er.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Frank-Jürgen Weise – der Mann mit den zwei Hüten


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.