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Parteiübergreifende Regierung: Franzosen hoffen auf Reformen

zuletzt aktualisiert: 07.05.2007 - 15:57

Paris (RPO). Nicolas Sarkozy hat sich nach seinem Wahlsieg in Frankreich für einige Tage aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Gerüchten zufolge hält er sich in einem Kloster auf. Nach seiner Rückkehr will er eine parteiübergreifende Regierung bilden, der auch Vertreter des Zentrums und des linken Lagers angehören. Viele Franzosen hoffen auf Reformen.

Nach dem Triumph Nicolas Sarkozys bei der Präsidentschaftswahl kann dessen konservative Partei UMP auch mit einer Mehrheit im künftigen Parlament rechnen. Erste Umfragen prognostizieren ihr einen deutlichen Sieg bei der Wahl im Juni. Sarkozy hatte sich am Sonntag mit 53,1 Prozent der Stimmen klar gegen die Sozialistin Ségolène Royal durchgesetzt.

Der frühere Sozialminister François Fillon ist der Favorit für das Amt des Premierministers. Sarkozys Wahlkampfchef Claude Guéant versprach am Montag rasche Reformen. "Die Franzosen erwarten, dass wir schnell handeln", sagte Guéant im RTL-Radio.

Der Konservative Sarkozy zog sich am Montag zunächst für einige Tage aus der Öffentlichkeit zurück. Am Mittag verließ er in Begleitung seiner Frau Cécilia Paris, um sich an einem geheim gehaltenen Ort auf die Präsidentschaft vorzubereiten und über die Regierungsbildung nachzudenken. Laut unbestätigten Medienberichten hat er sich möglicherweise in ein Kloster zurückgezogen. Selbst enge Mitarbeiter sagten, sie kennten Sarkozys Aufenthaltsort nicht.

Fillon erklärte, die neue Regierung werde am 19. oder 20. Mai ihre Arbeit aufnehmen. Das Kabinett wird zunächst nur 15 Posten umfassen und etwa zur Hälfte mit Frauen besetzt.

Die geschlagene Opposition richtete den Blick derweil auf die Parlamentswahl im Juni. Der Vorsitzende der Sozialisten, François Hollande, rief seine Partei auf, einig in den bevorstehenden Wahlkampf zu ziehen und sich jetzt nicht in Machtkämpfen zu verlieren. Er werde keine persönlichen Abrechnungen dulden, sagte Hollande dem Fernsehsender France-2.

Eine Umfrage des Institutes CSA sieht die PS in der ersten Wahlrunde am 10. Juni mit fünf Punkten hinter der UMP. Wegen des Mehrheitswahlrechtes könnte diese mit einer klaren Mehrheit in der 577 Sitze zählenden Nationalversammlung rechnen.

Kritik an Royal aus eigener Partei

Bereits am Wahlabend war aus der PS Kritik an Royal laut geworden, die selber den Anspruch auf eine Führungsrolle anmeldete. Der frühere Wirtschafts- und Finanzminister Dominique Strauss-Kahn forderte eine inhaltlich grundlegende Reform der Linken. Der Parteilinke Laurent Fabius sagte, die PS müsse mit einer kollegialen Führung in die Parlamentswahl ziehen. Darin habe auch Royal ihren Platz.

Royal hatte sich im Wahlkampf weit über die PS gestellt. Vor der Stichwahl versuchte sie, durch ein Werben um die Wähler der politischen Mitte den Rückstand gegenüber Sarkozy aufzuholen. Belohnt wurde sie für die Strategie nicht. Die 6,8 Millionen Wähler, die Zentrumspolitiker François Bayrou in der ersten Runde am 22. April ihre Stimme gegeben hatten, votierten am 6. Mai nur zu 45 Prozent für Royal und zu 47 Prozent für Sarkozy.

Aus Frust über dessen Triumph kam es in der Nacht in mehreren französischen Städten zu Ausschreitungen, es gab 270 Festnahmen. Auf dem Pariser Bastille-Platz und am Gare de Lyon lieferten sich mehrere hundert Autonome eine Straßenschlacht mit Sicherheitskräften, die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Die Demonstranten bewarfen die Beamten mit Pflastersteinen. Den Angaben zufolge wurden 33 Beamte leicht verletzt, 46 Personen wurden festgenommen.

Landesweit gingen nach Angaben des Innenministeriums etwa 10.000 Sarkozy-Gegner auf die Straßen. Zusammenstöße mit der Polizei gab es auch in Lyon, Toulouse, Rennes und Nantes.

Während die Linke im Osten der Hauptstadt demonstrierte, feierte die Rechte im Westen von Paris den Wahlsieger Sarkozy. In einer kurzen Ansprache vor 30.000 Anhängern auf der Place de la Concorde versprach er, Frankreich zu einen und "niemanden am Wegesrand zurücklassen" zu wollen. Er werde die Franzosen "nicht verraten, ich werde euch nicht belügen, ich werde euch nicht enttäuschen."

Quelle: ap

 
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