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"Warum hassen Sie uns?"
AfD-Chefin Frauke Petry will sich Fragen der Muslime stellen

Das sind die führenden Köpfe der AfD
Das sind die führenden Köpfe der AfD FOTO: dpa, mb pil rho
Berlin. Der Zentralrat der Muslime hat die AfD nach ihrer Grundsatzkritik am Islam bereits mit der NSDAP verglichen. Nun lädt er Parteichefin Frauke Petry zum Gespräch ein und fragt" Warum hassen Sie uns?" Petry reagiert schnell. Zeitgleich gerät sie in der eigenen Partei unter Beschuss.

So zeigte sich Petry am Freitagvormittag offen für Gespräche mit Vertretern deutscher islamischer Verbände. Dabei hatte sie diesen gerade zuvor im Interview mit unserer Redaktion vorgeworfen, erfolgreiche Integration zu behindern. Nun aber sagt sie im Gespräch mit dem Deutschlandfunk: "Miteinander reden ist wichtiger als übereinander reden.".

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, hatte der AfD vorgeworfen, sie bedrohe eine ganze Religionsgemeinschaft in Deutschland - den Islam. In einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitag) lud Mazyek Petry nun zur nächsten Vorstandssitzung seines Verbandes ein. "Wir wollen wissen: Warum hassen Sie uns Muslime?", sagte Mazyek der Zeitung. Quasi zeitgleich ließ Petry im RP-Interview eine Salve auf Mazyek ab:  Der "täte gut daran, mal in den eigenen Reihen nach den Ursachen von Antisemitismus zu forschen und die Frage nach dem Existenzrecht Israels zu klären."

Aiman Mazyek zog indirekt NSDAP-Vergleich 

Schon zehn Tage zuvor waren die beiden scharf aneinandergeraten. Mit der AfD gebe "es zum ersten Mal seit Hitler-Deutschland eine Partei, die erneut eine ganze Religionsgemeinschaft diskreditiert und sie existenziell bedroht", warf Mazyek der AfD vor.

Auslöser waren die Formulierungen im Parteiprogramm, das die AfD an diesem Wochenende in Stuttgart beraten will. Islamkritik bildet einen der markantesten Schwerpunkte. Seit Wochen schlägt die Partei in diese Kerbe, augenscheinlich um Ressentiments abzuschöpfen. Auch im Gespräch mit unserer Redaktion hatten Petry die islamische Religion als Bedrohung dargestellt. Sie unterstellt der Religion einen politischen Herrschaftsanspruch, verkörpert durch Minarette, die sie daher verbieten will. Zudem gebe es mit der wachsenden Migration einen Zuwachs an Intoleranz gegenüber "unsere Sitten und Gebräuche."

So scharf sich Petry positioniert, so gemäßigt wirkt sie im Vergleich zu dem, was im Vorfeld des Parteitages zu hören ist. Als Parteichefin ist sie längst nicht mehr unumstritten. Pünktlich vor dem Treffen der Delegierten eröffneten öffentliche Zuwortmeldung parteiinterner Gegner den Machtkampf und stellten ihre Führungsposition in Frage. 

Björn Höcke will sich nach allen Seiten öffnen

So verlangt Petry von der AfD, sich nach rechts abzugrenzen. Höcke entgegnete nun: "Ich sehe überhaupt keine Notwendigkeit für die AfD, sich grundsätzlich für einen bestimmten Kurs zu entscheiden." In der "Thüringer Allgemeinen" (Freitag) erklärte er weiter: "Im Gegenteil: Die Partei muss sich möglichst breit aufstellen und das Beste aus konservativen, liberalen und sozialen Traditionen in einem neuen Patriotismus verbinden."

Gegen Höcke war ein Parteiausschlussverfahren eingeleitet worden, weil er behauptet hatte, dass nicht alle NPD-Mitglieder als rechtsextrem einzuschätzen seien - es ist inzwischen wieder eingestellt. Während sich seine Stellung in der Partei gefestigt hat, ist Petry im Vorstand zunehmend isoliert.

Höcke plädierte dafür, die AfD zur "Partei der sozialen Gerechtigkeit" zu machen. "Gerade in Ostdeutschland gibt es besonders viele prekäre Beschäftigungsverhältnisse und gebrochene Erwerbsbiografien", erklärte er. Die müsse die Partei in den Mittelpunkt stellen. Er tritt damit zur Linkspartei direkt in Konkurrenz.

Alexander Gauland stellt Petry indirekt in Frage

Führende AfD-Politiker eröffneten zudem eine Diskussion über die Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl 2017 und stellten so indirekt den Anspruch der Parteivorsitzenden Petry in Frage. Der "Bild"-Zeitung sagte der stellvertretende Vorsitzende Alexander Gauland, wer Spitzenkandidat werde, sei noch "völlig offen" und müsse von einem Parteitag entschieden werden. Es sei aber "wahrscheinlich, dass derjenige, der dann Parteichef ist, die besten Chancen hat".

Nach Informationen des Blatts aus Parteikreisen gibt es AfD-interne Überlegungen, die Wahl des Spitzenkandidaten mit der 2017 turnusgemäß anstehenden Neuwahl des Vorstands zu verbinden.

Zur Bundespräsidenten-Wahl im Februar 2017 will die AfD indes auch einen Kandidaten aufstellen. "Wir haben auch jemanden ausgeguckt", zitiert das Redaktionsnetzwerk Deutschland aus dem Vorstand. Dem Bericht zufolge soll es sich um den Vizeparteichef und Leiter der AfD-Programmkommission, Albrecht Glaser, handeln. Glaser gehörte früher der CDU an und arbeitete als Stadtkämmerer in Frankfurt am Main. Seit 2015 ist er Vizevorsitzender der AfD. Er dürfte wegen der Mehrheitsverhältnisse chancenlos sein.

(pst/dpa/AFP)
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