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Berliner Friedrichstadt-Palast
Intendant erhält nach AfD-Kritik Hassmails und Bombendrohung

Friedrichstadt-Palast: Intendant erhält nach AfD-Kritik Hassmails und Bombendrohung
Friedrichstadtpalast-Intendant Berndt Schmidt (rechts) unterhält sich im Friedrichstadtpalast in Berlin vor der Vorstellung der aktuellen Revue ·The One Grand Show· mit dem Berliner AfD-Sprecher und Abgeordneten im Berliner Abgeordnetenhaus Ronald Gläser. FOTO: dpa, gam lof
Berlin. Aufregung in Berlin: Mit seinem Brandbrief gegen AfD-Wähler hat der Intendant des Friedrichstadt-Palastes, Berndt Schmidt, heftigen Protest ausgelöst.

Er habe in den vergangenen Tagen etwa 250 Hassmails - teils mit Morddrohungen - erhalten, sagte Schmidt der Deutschen Presse-Agentur. Vor der Vorstellung am Samstagnachmittag richtete der Intendant sich an das Publikum und bekam viel Applaus für seine Haltung.

Wenige Stunden später - unmittelbar vor der Abendvorstellung - habe es dann eine anonyme Bombendrohung gegeben und die etwa 1700 Gäste hätten das Gebäude verlassen müssen. Mit knapp einer Stunde Verspätung habe die Show dann aber begonnen, sagte ein Sprecher des Revuetheaters am Sonntag.

Zuvor hatte die Polizei den Fall geprüft. Experten stuften die Situation aber als nicht ernsthaft ein, wie ein Behördensprecher am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur sagte. Nun werde gegen Unbekannt ermittelt.

Das Ensemble habe sich entschlossen, sich von der Drohung nicht einschüchtern zu lassen, sagte der Sprecher des Friedrichstadt-Palastes weiter. Dafür habe es vom Publikum Unterstützung gegeben. Viel Beifall hatte zuvor am Nachmittag auch Intendant Schmidt von den Zuschauern erhalten mit seiner Ansprache. Dabei sagte er, dass er sich in Zukunft noch mehr als zuvor von der AfD abgrenzen wolle.

"Abgrenzen heiße aber nicht ausgrenzen"

Abgrenzen heiße aber nicht ausgrenzen, so Schmidt. Er hieß auch AfD-Wähler ausdrücklich willkommen. "Doch hoffentlich fühlen Sie sich komisch, wenn Sie gleich sehen, was entstehen kann, wenn ein Ensemble aus 25 verschiedenen Nationen, mit allen Hautfarben, aus Atheisten, Christen, Muslimen und Juden, aus Hetero- und Homosexuellen, von Menschen mit und ohne Behinderungen friedlich zusammenarbeitet."

Die AfD sei in Teilen eine demokratische Partei mit legitimen Anliegen. Sie müsse sich aber von den Teilen abgrenzen, die Hass auf alles schürten, was nicht deutsch ist oder nicht deutsch aussieht, sagte Schmidt. Diesen Hass müssten auch viele Menschen ausbaden, die in seinem Haus arbeiten. Das Publikum applaudierte - Proteste gegen die Rede gab es nicht.

Unter den Gästen waren auch Anhänger der AfD, die ihre Karte von der Partei geschenkt bekommen hatten. Die Berliner AfD hatte als Reaktion auf die Kritik von Schmidt zehn Tickets für die Vorführung "The One Grand Show" verlost. Voraussetzung sei gewesen, dass die Bewerber bekennende AfD-Wähler seien, sagte Parteisprecher Roland Gläser dem "Tagesspiegel".

AfD-Parteisprecher kommt zu Schmidt

Gläser kam am Samstag selbst zu der Show. "Wir kommen nicht, um Krawall zu machen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur vor der Vorstellung. "Wir wollen zeigen, dass wir uns das Denken nicht von einem politisch korrekten Intendanten abnehmen lassen." Vor der Aufführung trafen Gläser und Schmidt im Foyer des Palastes aufeinander, tauschten Telefonnummern und vereinbarten ein Gespräch.

Schmidt hatte in einem Brief an die Mitarbeiter geschrieben, das Theater werde sich künftig noch deutlicher als bisher von 20 oder 25 Prozent der potenziellen Kunden im Osten abgrenzen. "Ich will all deren Geld nicht", schrieb er in dem Brief. Der Palast sei eine bedeutende Kulturinstitution im Osten, daraus entstehe auch eine besondere Verantwortung, begründete er seine Äußerungen.

Aus Sicht von Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) handelt es sich um eine legitime Form der Meinungsäußerung. Zivilcourage in Kulturinstitutionen sei wichtig, so der Senator.

In den eigenen Reihen stoße Schmidt jedoch nicht nur auf Zustimmung, wie ein Musicaldarsteller der dpa sagte. Zudem gebe es eine Online-Petition, die die Absetzung des Intendanten zum Ziel habe. Unterzeichnet hatten diese am Sonntagnachmittag mehr als 60 Menschen, wie im Internet zu sehen war.

(felt/dpa)
 
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