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Rummel im Parlament: Fröhlicher Jürgen und trauriger Peer

zuletzt aktualisiert: 22.05.2005 - 23:18

Düsseldorf (rpo). Der Star des Tages hieß Jürgen Rüttgers. Im nordrhein-westfälischen Landtag konnte er sich am Sonntag keinen Schritt bewegen, ohne von einer großen Menschentraube umgeben zu sein. Seine Anhänger jubelten nur "Jürgen, Jürgen" und konnten das Lachen nicht mehr abstellen. Auch bei der FDP herrschte gute Stimmung. Nur den Politikern von SPD und den Grünen war nicht nach Feiern zumute. Sie verzogen sich schnell auf ihre Fraktionszimmer.

Eigentlich war das Wahlergebnis schon vorher klar: CDU und FDP wechseln von der Opposition in die Regierung und SPD und Grüne müssen ihre Posten räumen. Der Wechsel nach 39 Jahren - das lockte viele Besucher in den Landtag. Rund 3.400 Menschen verfolgten den Wahlsonntag live im Parlament: Von der ersten Prognose bis zur letzten Hochrechnung. Die Hälfte davon waren Journalisten aus Deutschland und dem Rest der Welt. 

Die Sieger der Landtagswahlen stellten sich nur zu gern der Presse. Der zukünftige Finanzminister Helmut Linssen (CDU) erklärte, dass man sich als Wahlsieger unglaublich gut fühle. Allerdings könne er sich nur deshalb so richtig freuen, weil er auch schon schwere Niederlagen mitgemacht habe. Wie damals, als er gegen Johannes Rau den Kampf um den Posten des Ministerpräsidenten verloren habe. Aber das ist lange her - und am Sonntag überhäuften ihn seine Parteifreunde mit Glückwünschen.

Gut ausgeschlafen präsentierte sich auch Christian Lindner, Generalsekretär der NRW-FDP. Er habe eine ruhige Nacht gehabt, weil er sich sicher gewesen sei, dass die CDU und FDP die Wahlen gewinnen würden. Aber dass sich die Menschen mit solch einem Befreiungsschlag von der rot-grünen Regierung trennen würden, das hätte er nicht erwartet.

Während die einen feierten, waren die anderen traurig. Der Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD) musste von Interview zu Interview seine Niederlage neu eingestehen. Und kaum hatte Jürgen Rüttgers den Landtag betreten, ließen die Fotografen den SPD-Politiker einfach links liegen. Zwar hatten sich die Umfragewerte für die SPD nach dem TV-Duell gegen Rüttgers verbessert. Nur es habe einfach nicht gereicht, sagt die Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Landtagsfraktion, Carina Gödecke. Aber der Ministerpräsident habe trotzdem hervorragend gekämpft.

Das TV-Duell und die starke Polarisierung "Steinbrück oder Rüttgers" habe den Grünen geschadet. Die Grünen-Landtagsabgeordnete Sylvia Löhrmann denkt, dass rot-grüne Wechselwähler deshalb eher die SPD als die Grünen gewählt hätten. Aber nach der Niederlage zähle nur eins: Die Flucht nach vorn. Die meisten ihrer Parteigenossen haben sich allerdings erst einmal nach Hause geflüchtet. Die Stimmung für die Wahlparty war dahin.     

  


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