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Touristen in Berlin als Ziel?
Frühes Einschreiten gegen Terror-Gefahr

Razzien gegen Islamisten in Attendorn, Berlin und Hannover
Razzien gegen Islamisten in Attendorn, Berlin und Hannover FOTO: dpa, pdz gfh
Meinung | Berlin. Die Terrorgefahr ist wieder ein Stück näher gerückt, von möglichen Anschlagszielen in Berlin ist die Rede. Wie groß die drohende Gefahr wirklich war, die die Razzien von 450 Polizisten in drei Bundesländern auslöste, lässt sich noch nicht absehen. Von Gregor Mayntz

Wurde eine "Terrorzelle" zerschlagen, und konnten damit Anschläge auf Berliner Touristenziele wie den "Checkpoint Charlie" oder den Alexanderplatz verhindert werden? Oder hatten sich Extremisten nur mal so darüber unterhalten, was denn "lohnende" Ziele wären, ohne schon konkret in Planungen, geschweige denn Vorbereitungen von Massenmorden einzutreten? Dass die Festnahmen mit Haftbefehlen aus ganz anderen Vorgängen zu tun haben und dass "nichts gefunden wurde, was gefährlich sein könnte" (O-Ton Berliner Polizei), verweist den akuten Gefährdungsgrad offensichtlich in den niedrigschwelligen Bereich.

Ganz anders verhält es sich mit den bislang bekannten weiteren Umständen des Falles. Da ist der Verdacht, dass der Islamische Staat mit der Erwartung oder gar dem Auftrag dahinter steht, Angst und Schrecken wie in Paris auch in Berlin zu verbreiten. Da ist der Hinweis, dass potenzielle algerische Attentäter in die Identität syrischer Bürger geschlüpft sind, um über den Strom syrischer Flüchtlinge auf der Balkanroute nach Deutschland zu kommen. Und da sind die Informationen über Kontakte zu anderen IS-Terrorverdächtigen bis hinein ins belgische Netzwerk der Paris-Attentäter.

IS-Terroristen beobachten die Flüchtlingskrise genau

Die IS-Terroristen, die zur Ausbreitung ihres "Kalifats" wahllose Gräueltaten begehen und das Ansehen des islamischen Glaubens weltweit besudeln, beobachten sehr genau, wie der Flüchtlingsstrom die westlichen Staaten und ihre Gesellschaften immer mehr in eine Zerreißprobe bringt. Insofern war es zu erwarten, dass sie potenzielle Terroristen auch unter die Flüchtlinge schleusen, um die Verunsicherung Europas zu beschleunigen. Das Strickmuster ist schon seit den Pariser Attentaten bekannt. Dass Deutschland nicht nur Transit-, sondern auch Zielland ist, kann auch niemanden überraschen, der die jahrelang von Sicherheitsverantwortlichen gebrauchte Formulierung von Deutschland "im Visier des islamistischen Terrorismus" im Kopf hat.

Zu den scharfen Behörden-Reaktionen in Hannover beim abgesagten Fußballländerspiel und München bei den gesperrten Bahnhöfen in der Silvesternacht sind nun die Razzien in Attendorn, Hannover und Berlin hinzugekommen. Sie belegen die Wachsamkeit der Sicherheitsbehörden, die im Zweifel nicht warten, bis Extremisten zu Terroristen werden und beim Bombenbauen untertauchen, sondern frühzeitig und konsequent vorgehen. Für den Augenblick ist somit aus Bürgersicht der gestrige Schlag gegen die Szene ein Anlass nicht zur Besorgnis, sondern zur Beruhigung. Offenbar sind die Behörden bislang nah genug dran, um Schlimmeres zu verhindern. Aber es ist kein Anlass zur Entwarnung. Wachsamkeit bleibt das oberste Gebot. Und leider auch die Ahnung, auf Bluttaten gefasst sein zu müssen.

Quelle: RP
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