Nach dem Gipfel: G-8-Gegner klagen wegen "Käfighaltung"
zuletzt aktualisiert: 11.06.2007 - 18:43Rostock (RPO). Rechtsanwälte haben Strafanzeige gegen die Unterbringung von festgenommenen Demonstranten in Drahtkäfigen beim G-8-Gipfel gestellt. "Die Käfighaft ist eine unmenschliche und entwürdigende Behandlung", sagt Martin Dolzer vom Republikanischen Anwaltsverein. Die Strafanzeigen lauten auf Freiheitsberaubung und Rechtsbeugung.
Die Polizei wies die Vorwürfe zurück und betonte, ihr Vorgehen habe in jeder Hinsicht den gesetzlichen Erfordernissen entsprochen.
In der politischen Diskussion über die Ausschreitungen von Rostock warf CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla den Globalisierungskritikern Versagen im Einsatz gegen Gewalt vor. Sven Giegold von Attac sprach sich in der "Berliner Zeitung" für eigene Ordnerdienste aus, um Gewalt vorzubeugen. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) attackierte im "Focus" die Umweltorganisation Greenpeace, die "bei der kalkulierten Übertretung von Gesetzen offenbar jedes Maß verloren" habe.
Der mecklenburg-vorpommersche Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) lobte im NDR, nach anfänglicher Gewalt hätten auch die Protestaktionen kreative Formen angenommen, so dass überwiegend positive Bilder um die Welt gegangen seien. Mecklenburg-Vorpommern sei jetzt als Urlaubsland gestärkt. Bei entsprechenden finanziellen Absprachen mit dem Bund seien auch künftig Veranstaltungen dieser Art in seinem Land vorstellbar.
Nach zehn Tagen wurden Kontrollstellen und Tore des Sicherheitszauns rund um den G-8-Tagungsort am Samstagmorgen wieder geöffnet. Der für 12,5 Millionen Euro errichtete Zaun werde nun nach und nach abgebaut, sagte Polizeisprecher Manfred Etzel. Am Samstag und Sonntag gab es in der Ostseeregion nach Polizeiangaben keine Zwischenfälle mehr. Die Gipfelgegner räumten ihre Camps, und auch die Polizei schickte ihre Kräfte nach und nach an die Heimatstandorte zurück. Insgesamt waren zum Schutz des Gipfels 17.800 Beamte aus dem ganzen Bundesgebiet im Einsatz.
Autos in Berlin angezündet
In Berlin wurden bei einer spontanen Demonstration gegen den G-8-Gipfel in der Nacht zum Samstag sechs Personen vorübergehend festgenommen. Nach Polizeiangaben wurden Beamte im Stadtteil Mitte vereinzelt mit Flaschen und Steinen beworfen, die zwei Polizisten verletzten. Die meisten der 600 Teilnehmer seien aber friedlich gewesen. Allerdings wurden im Stadtgebiet 13 Autos gehobener Preisklassen angezündet oder beschädigt sowie mehrere Fensterscheiben eingeworfen. Die Polizei war nach eigenen Angaben mit 1.000 Beamten im Einsatz.
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