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Garmisch-Partenkirchen
Ein Rundgang durch das Camp der Gipfel-Gegner

Fotos: Anti-G7-Demonstration in Garmisch
Fotos: Anti-G7-Demonstration in Garmisch FOTO: dpa, sja
Garmisch-Partenkirchen. Auf einer Wiese in Garmisch-Partenkirchen am Fuße der Alpen haben die Gegner des G7-Gipfels in Oberbayern ihre Zelte aufgeschlagen. Und es werden von Tag zu Tag mehr Demonstranten. Ein Rundgang durch das Camp. Von Patrick Guyton

"Es geht hier um das Rechtsstaatsprinzip", sagt die Frau auf dem Camp-Gelände der G7-Gegner in Garmisch-Partenkirchen entschieden. "Das Demonstrationsrecht ist ein hohes Gut." Elisabeth Koch ist Rechtsanwältin, sie hat eine Weste übergezogen mit der Aufschrift "Legal Service" – Rechtshilfe. Mit 50 anderen Kollegen setzt sie sich für die Menschen ein, die auf der Camp-Wiese eine bunte Mischung abgeben. Sie berät bei Konflikten – etwa bei Festnahmen durch die Polizei oder Platzverweisen. Was man bei Elisabeth Koch nicht gleich glauben würde: Sie ist in der CSU, Vorsitzende der Gemeinderatsfraktion. "Bisher ist hier noch nicht viel passiert", sagt sie, "aber das kann sich noch ändern."

Genauso ist die Stimmung in Garmisch-Partenkirchen vor Beginn des G7-Gipfels im nahen Schloss Elmau. Wer weiß, was noch kommt in dem Ort am Fuß der Zugspitze, in dem so vieles, was den Gipfel angeht, kumuliert. Der radikalere Teil des Protestes sammelt sich hier, die Polizei hat hier ihre Einsatzzentrale, die Justiz hat ein eigenes Zentrum eingerichtet für Verhaftung und Verurteilung von möglichen Gewalttätern. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) warnte im Vorfeld immer wieder vor "gewalttätigen Chaoten".

Fotos: Eindrücke von Schloss Elmau und aus dem Protestcamp FOTO: dpa

"Wir haben die Nacht gut geschlafen", sagt der Camp-Pressesprecher Benjamin Ruß. Bis zum Mittag haben sich 600 Menschen auf der Wiese mit Zelten einquartiert. Doch es kommen mehr. Neben den Zelten sind Stände aufgebaut, vom "Arbeiterkampf" oder der "Roten Hilfe". Es ist klar, dass diese Gegner – anders als die Demonstranten an Fronleichnam in München – ziemlich links außen stehen. Manche putzen sich an einer Wasserrinne die Zähne, andere sind mit der Vorbereitung des Mittagessens beschäftigt. "Das Essen ist vegan", sagt Ruß. Für 1000 Menschen ist das Camp ausgelegt. Was passiert, wenn mehr kommen? "Derzeit wollen die Behörden darüber nicht sprechen."

Auf den Zufahrtsstraßen und in der Stadt ist das Bild durch Polizei geprägt. Mindestens 22.000 Beamte schützen das Treffen der Staats- und Regierungschefs der sieben größten Industriestaaten. Die A 95, die von München kommt, ist erstaunlich leer. Offenbar fruchten die Appelle an die Bevölkerung, in diesen Tagen die Gegend zu meiden.

Die Themen des G7-Gipfels in Oberbayern

Überall fahren grüne und blaue Polizeiwagen, der lange Farchant-Tunnel vor Garmisch-Partenkirchen wird von einer Kolonne aus zehn Wagen mit Blaulicht farblich ganz neu illuminiert. Die Polizeikontrollen an den Straßen gehen weitgehend zügig vonstatten. Aber das kann sich noch ändern.

In welcher Blitzgeschwindigkeit die Polizei sich mobilisieren kann, zeigt eine Spontan-Demonstration auf der zentralen Alleestraße. Um die 200 Gegner versammeln sich dort am Mittag. Sie rufen "Hoch die internationale Solidarität" oder "Krieg dem Krieg überall, bringt die Nato jetzt zu Fall". Sofort ist der Demonstrationszug von beiden Seiten mit massivem Polizeiaufgebot eingegrenzt. Die Gegner werden auf Schritt und Tritt zurück zum Camp begleitet. Auf einen Gehweg hat jemand mit Kreide geschrieben: "Ist das noch verhältnismäßig?"

Schloss Elmau – Herberge des G7-Gipfels in Bayern FOTO: dpa
Quelle: RP
 
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