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Gipfel in Elmau
Linksextremisten machen mobil für G7

In München sammelt sich erster Protest gegen die G7
In München sammelt sich erster Protest gegen die G7 FOTO: dpa
München. Der G7-Gipfel zieht Demonstranten aus aller Welt nach Bayern. Zehntausende protestierten schon am Donnerstag in München. Laut Polizei bliebt es friedlich. Anders sieht es bei den Autonomen aus, die aus Italien über die Grenze drängen.

Donnerstag, 4. Juni in München. An Fronleichnam wirft der G7-Gipfel seine Schatten voraus. Etwa 35.000 Menschen gehen bei der ersten großen Demonstration gegen das Treffen der Mächtigen in Elmau auf die Straße, die Veranstalter sprechen gar von 40.000. Das ist erst der Anfang. Unter dem Motto "TTIP stoppen - Klima retten - Armut bekämpfen" zog am Nachmittag der Protestzug friedlich durch die Innenstadt.

Die Demonstranten von München gelten nicht als Gewalttäter. In ihren Reihen laufen Vertreter von Organisationen wie Oxfam, Attac, der Grünen, Gewerkschaften und Kirchen. Größere Zwischenfälle oder gewalttätige Aktionen gab es nicht. "Es ist ein schöner, bunter Zug. Es ist alles friedlich. Das ist schön zu sehen", zollte der Sprecher des Polizeipräsidiums München, Wolfgang Wenger, den Demonstranten Lob.

Kritischer fällt die Einschätzung beim Blick auf das Wochenende aus. Dann nämlich sind voraussichtlich auch G7-Gegner eines ganz anderen Kalibers dabei. Vor dem Gipfel haben autonome Gruppen über Deutschlands Grenzen hinweg mobilisiert.

"Black bloc": Die linksextreme Szene aus Italien

Die Polizei schaut dabei insbesondere nach Italien, wo sich die linksextreme Szene einen einschlägigen Ruf erworben hat. Ihr Name: "black bloc". So nennen die italienischen Medien die gewalttätigen Autonomen, die zuletzt am 1. Mai Teile der Mailänder Innenstadt verwüsteten.

Schloss Elmau – Herberge des G7-Gipfels in Bayern FOTO: dpa

Über eine potenzielle Gefahr aus dem Süden sprechen die Behörden nicht allzu gerne. Bekannt aber ist: Die Linksextremisten aus dem Süden sind reisefreudig. Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden war eine größere italienische Gruppe an den Ausschreitungen rund um die Eröffnung des neuen EZB-Gebäudes in Frankfurt beteiligt.

Dass radikale Gruppen es am 7. und 8. Juni auf Straßenschlachten anlegen, ist offenkundig. So sind auf der linksradikalen Webseite "g7-mobi.org" sogenannte Mobivideos eingestellt. Unter dem Titelbild eines brennenden Schloss Elmau sind dort die Frankfurter EZB-Krawalle zu betrachten. "G7-Gipfel 2015 auf Elmau? Interessiert uns brennend!", heißt es da. "Informieren, mobilisieren, den Brandstiftern die Hölle heiß machen."

Gericht in München erlaubt Protestcamp

Einen Rückschlag haben die Behörden bereits erlitten: Das Verwaltungsgericht München hat ein Protestcamp in Garmisch-Partenkirchen erlaubt, das Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gerne verhindert hätte. Autonome Gruppen wollen das provisorische Zeltlager als Stützpunkt nutzen und organisieren Busreisen dorthin.

Polizeiwagen bei Blockupy-Protesten in Flammen FOTO: ap, FO

"Der Mobilisierungsgrad nimmt eindeutig zu", sagt Hans-Peter Kammerer, der Sprecher des Planungsstabs G7 bei der bayerischen Polizei. Und mobilisiert wird nach Einschätzung der Polizei auch im benachbarten Ausland - in Italien, in Österreich, aber auch in Tschechien.

Innenminister Herrmann will Ausschreitungen auf jeden Fall verhindern. Gelingen soll das vor allem durch ein Polizeiaufgebot von über 19.000 Beamten - 17.000 in Deutschland, 2100 im benachbarten Tirol. "Das wird der größte Polizeieinsatz der bayerischen Geschichte", sagt Herrmann.

Italienische Autonome gelten als gewalttätig, bestens organisiert und gut trainiert. Die bisher blutigsten Proteste gegen einen G8-Gipfel gab es 2001 in Genua, ein Demonstrant kam damals ums Leben.

Italienische Autonome gelten als gewalttätig

Die Frankfurter Krawalle begannen bereits sehr früh am Morgen - Stunden vor dem Beginn der eigentlichen Demonstration. Mobile Kleingruppen zündeten an mehreren Stellen gleichzeitig Autos an und bauten Barrikaden, die anschließend ebenfalls in Flammen aufgingen.

Hintergrund: Die neuen G7-Staaten FOTO: Radowski

In Mailand war das Vorgehen bei der Expo-Eröffnung ganz ähnlich: Auch dort agierten kleine Gruppen von jeweils vier bis fünf Randalierern getrennt, aber offensichtlich vorher abgesprochen. Sie setzten Autos, Banken und Geschäfte in Brand, attackierten Polizisten, schmissen Steine und Böller.

Viele Demonstranten warfen gegen Ende der Mailänder Ausschreitungen schwarze Kleidung und sonstige Ausrüstung auf die Straße - Schutzhandschuhe, Helme, Stöcke und Baseballschläger. Damit waren sie nicht mehr von normalen Passanten zu unterscheiden. Es gab nur wenige Festnahmen.

Deutsche und italienische Autonome stimmen sich ab

An den Ausschreitungen in der lombardischen Metropole waren nach Berichten italienischer Medien auch Deutsche beteiligt. Somit ist davon auszugehen, dass deutsche und italienische Autonome sich vor dem G7-Gipfel abstimmen.

Laut "Corriere della Sera" gab es anschließend besorgte Anfragen aus Deutschland bei den Spezialeinheiten der italienischen Polizei für Extremismusbekämpfung und organisierte Kriminalität. Bestätigt ist das nicht: Auf Fragen zum Schwarzen Block reagierte das Innenministerium in Rom nicht. Nach Angaben des bayerischen Innenministeriums gibt es einen intensiven Austausch der Behörden in Deutschland, Österreich und Italien.

Die seit der vergangenen Woche vorübergehend wieder eingeführten Kontrollen an der Grenze zu Tirol dienen vor allem dazu, die Einreise italienischer Gewalttäter zu verhindern. Seit Montag kontrolliert auch die Tiroler Polizei zwei Hauptzufahrtsstraßen nach Bayern. Geht der Plan der Sicherheitsbehörden auf, werden die Autonomen aus allen Himmelsrichtungen schon vor dem Eintreffen in Garmisch-Partenkirchen abgefangen.

(dpa)
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