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Weltwirtschaftsgespräche
Der G7-Gipfel ist uns teuer

Fotos: Eindrücke von Schloss Elmau und aus dem Protestcamp
Fotos: Eindrücke von Schloss Elmau und aus dem Protestcamp FOTO: dpa
Meinung | Garmisch-Partenkirchen. Wie sich die Bilder gleichen: Imposante Kulisse, Zehntausende von Polizisten, G7-Gegner, zum größten Teil friedlich, aber manche leider auch auf Krawall aus. Deutschland richtet den Weltwirtschaftsgipfel aus – 2007 in Heiligendamm, 2015 auf Schloss Elmau in Oberbayern. Angeblich soll der Gipfel 200 bis 360 Millionen Euro kosten. Geht es nicht etwas kleiner? Von Martin Kessler

Der Aufwand ist tatsächlich zu hoch. Aber der Gipfel an sich ist sinnvoll. Die Themen, die beraten werden, bestimmen wirklich die nähere und fernere Zukunft des Planeten. Es geht um einen Durchbruch bei der nächsten Klimakonferenz in Paris, es geht um gefährliche Krankheiten und Keime, es geht um die finanzielle Stabilität in Europa und um die Krise in der Ukraine. Auf allen Feldern sollen und müssen sich die demokratischen Führer der Welt abstimmen. Die G7 ist nicht mehr die alles dominierende Gruppe, auch nicht die Front gegen die kommunistische Welt. Aber die sieben führenden westlichen Industrieländer haben ein gemeinsames Wertefundament, das schwierige und langwierige Verhandlungen über ideologische Gräben hinweg unnötig macht, und sich, wenn es darauf ankommt, schnell einigen kann.

Beim Klima geht es buchstäblich um die letzte Chance. Wenn auf der nächsten Klimakonferenz in Paris keine Einigung erzielt wird, ist es nicht mehr möglich, die unkontrollierte Erwärmung der Erde zu stoppen. Da die USA und China allein für 44 Prozent der klimaschädlichen Emissionen verantwortlich sind, müssen beide ins Boot. Beim Gipfel in Schloss Elmau besteht die Hoffnung, dass US-Präsident Obama Zusagen für Paris macht. Dann wird es auch für die Chinesen schwierig, weiter auf der Bremse zu stehen.

Fotos: Anti-G7-Demonstration in Garmisch FOTO: dpa, sja

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Entwicklung in der Dritten Welt. Sieben Staats- und Regierungschefs aus Afrika und dem Nahen Osten sind eingeladen, ihre Sicht der Dinge den G7-Häuptern zu präsentieren. Sie werden mehr Entwicklungshilfe und mehr Unterstützung bei den drängenden Problemen wie Hunger-, Seuchen- und Katastrophenbekämpfung einfordern. Und sie werden ihr steigendes Gewicht zum Ausdruck bringen.

Schließlich geht es um den Abschluss des transatlantischen Freihandelsabkommens. Es soll den Industrieländern einen weiteren Schub verleihen. Der ist nicht nur aus sich heraus wünschenswert. Er ist auch notwendig, um Ländern wie Frankreich oder Italien zu helfen, deren Wirtschaften noch immer nicht angesprungen sind. Beide Länder bemühen sich um Wirtschafts- und Arbeitsmarktreformen. Etwas Wachstum von außen würde da wie ein Schmiermittel wirken.

Kommentar zum G7-Gipfel

Und die gefährlichste Krise ist der Konflikt in der östlichen Ukraine. Pünktlich zum Gipfel, zu dem Russlands Präsident Wladimir Putin nicht eingeladen wurde, flammen die Kämpfe im Osten wieder auf. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat sogar in einem dramatischen Appell die G7 um Hilfe gegen einen möglichen russischen Einmarsch gebeten. Auch hier müssen die sieben Staats- und Regierungschefs Antworten finden.

Der Gipfel ist sogar wichtiger als früher, seit Russland sich von den westlichen Werten in großen Schritten entfernt. Es muss dennoch Ziel sein, den großen Nachbarn im Osten wieder zurückzugewinnen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das aber aussichtslos.

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