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Analyse zum Gipfel
Warum es immer noch G7 gibt

Schloss Elmau – Herberge des G7-Gipfels in Bayern
Schloss Elmau – Herberge des G7-Gipfels in Bayern FOTO: dpa
Berlin. Der Gipfel schafft den kurzen Draht unter den Regierungschefs. Die G7 versteht sich als ein Forum mit gemeinsamen Werten. Von Eva Quadbeck

Die großen internationalen Gipfel gehören nicht zu jenen Veranstaltungen, die das Image der Politik verbessern. Sie verschlingen Millionen-Summen, eine ganze Region gilt tagelang als Sperrzone, und am Rande kommt es immer zu Ausschreitungen zwischen den Gegnern und der Staatsgewalt.

Warum treffen sich die Regierungschefs der großen Industrienationen dennoch seit 40 Jahren in leicht wechselnder Besetzung erst zum G 6, G 7, G 8 und nun wieder zum G7-Gipfel? "Wenn die sieben Staats- und Regierungschefs großer Demokratien einmal im Jahr Zeit für so ausführliche Gespräche haben, dann ist das für unsere Politik, für unsere Fähigkeit, gemeinsam Lösungen zu finden, von großem Wert", sagte Merkel der "Süddeutschen Zeitung". Auch in der Spitzenpolitik gelten eben die normalen Regeln der menschlichen Kommunikation: Je besser man sich kennt, desto leichter kann man zu einem konstruktiven Miteinander finden - selbstverständlich nur, wenn der Wille dazu da ist.

G 7 darf auch als eine Selbstvergewisserung der großen demokratischen Industrienationen verstanden werden. Bei den Treffen sitzen Regierungschefs an einem Tisch, die sich vor allem politisch und kulturell nahe sind. Man versteht sich als Wertegemeinschaft. In einer Welt, in der sich Terror und religiöser Fanatismus breit machen, und in der die europäische Nachkriegsordnung durch die Annexion der Krim infrage steht, erscheint der Ansatz legitim.

Man schätzt auch die Gesprächsatmosphäre untereinander: Demokraten sind es gewohnt, dass es in der politischen Aussprache keine Tabus gibt. Bei Kritik bedarf es keiner diplomatischen Verklausulierung, wie dies beispielsweise gegenüber China durchaus der Fall ist.

Als sich die heutige G 7 vor 40 Jahre fand, galten die Länder als die größten Industrienationen. Diese Ordnung ist überholt. China wird voraussichtlich noch in diesem Jahrzehnt die USA als stärkste Wirtschaftsmacht ablösen. Indien ist an Japan schon vorbeigezogen. Insbesondere wegen der ökonomischen Aufholjagd dieser Länder wurde 2008 das G 20-Format ins Leben gerufen. Die G 20 hat deutlich mehr Gewicht: Während die G 7 noch elf Prozent der Weltbevölkerung und 33 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung stellen, kommen bei der G 20 zwei Drittel der Weltbevölkerung und 78 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung zusammen. So einen die G 7 auch die typischen Probleme etablierter Industriestaaten: eine schrumpfende und alternde Bevölkerung - das erschwert es, den Wohlstand zu erhalten.

Quelle: RP
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