Russland: Gasprom sichert Europa Versorgung zu
zuletzt aktualisiert: 02.01.2006 - 16:18Moskau (rpo). Am Wochenende hat Russland Ernst gemacht und der Ukraine den Gashahn zugedreht. Mehrere Länder klagten zu Wochenbeginn über einen schwächeren Gasfluss, sahen aber keine Schwierigkeiten für die Verbraucher. Jetzt bemüht sich Russland um eine Wiederherstellung des normalen Niveaus. Schon am Dienstag soll wieder genug Gas von Russland nach Europa fließen.
Der Staatskonzern Gasprom erklärte am Montag, er werde pro Tag zusätzliche 95 Millionen Kubikmeter Gas in die Pipelines pumpen, weil die Ukraine eine entsprechende Menge für sich abgezweigt habe. Laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" sicherte Gasprom zu, dass die Lieferungen in die EU noch am Dienstag im vollen Umfang wieder hergestellt würden.
Diese Zusage habe Gasprom dem österreichischen Wirtschaftsminister Martin Bartenstein als Vertreter der EU-Ratspräsidentschaft gegeben, meldete die Zeitung am Montagabend. Auch die ungarische Regierung erklärte, Russland habe ihr für Dienstag eine Belieferung gemäß Vertrag zugesichert. Gasprom habe eine technische Lösung gefunden, um die Lieferungen im vollen Umfang garantieren zu können.
Zuvor waren die russischen Gaslieferungen an zahlreiche europäische Staaten deutlich zurückgegangen. Die Ukraine dementierte jedoch den von Gasprom erhobenen Vorwurf, sie habe für andere Staaten bestimmtes Gas im Wert von umgerechnet 21 Millionen Euro gestohlen. Der ukrainische Energieminister Iwan Platschkow erklärte, die russischen Exporte nach Europa würden vollständig weitergeleitet. Russland hatte am Sonntag seine Gaslieferungen an die Ukraine gestoppt.
Ein Abfall der Gasmenge in den über die Ukraine führenden Pipelines wurde danach in Deutschland, Österreich, Frankreich, Ungarn, Polen, der Slowakei, Kroatien, Slowenien und Serbien registriert. Der größte deutsche Importeur von russischem Erdgas, Wintershall, sprach von einer spürbaren Verringerung der Liefermengen. Die Versorgung der Haushalte und auch der Großabnehmer sah das Unternehmen dennoch nicht gefährdet.
Von den Ausfällen am schwersten betroffen war Serbien, das nur noch halb so viel Gas aus Russland erhielt wie sonst. Hier drohten auch Versorgungsengpässe, Srbija Gas teilte mit, vorrangig würden jetzt Krankenhäuser und Schulen bedient. Die Gasknappheit in Serbien war offenbar auch dadurch bedingt, dass der nördliche Nachbar Ungarn aus Sorge um die eigene Versorgungssicherheit die Liefermengen Richtung Süden reduzierte.
Der ukrainische Energieminister Platschkow versicherte, sein Land verwende eigenes Gas aus unterirdischen Lagerungsstätten sowie aus Turkmenien. Von dort würden derzeit 120 Millionen Kubikmeter Erdgas pro Tag geliefert. Gasprom erklärte dazu, dies sei unmöglich, weil Russland zurzeit gar kein turkmenisches Gas an die Ukraine weiterleite.
Das Büro des ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko teilte wenig später mit, Turkmenien habe den bestehenden Vertrag beider Länder über die Lieferung von Erdgas auf Anfrage erneut bekräftigt. Der Chef des ukrainischen Gaskonzerns Naftogas flog zu Gesprächen nach Turkmenien. Kiew warf Russland wegen der Einstellung der Gaslieferungen Erpressung vor und forderte eine Wiederaufnahme der Verhandlungen über die Gaspreise, an denen internationale Experten beteiligt werden sollten. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) rief die beiden Nachbarstaaten zur Beilegung ihres Streits auf.
Gasprom stellte auch Lieferungen an Moldawien ein
Unterdessen wurde bekannt, dass Gasprom auch die Lieferungen an Moldawien eingestellt hat. Präsident Wladimir Woronin teilte am Montag mit, sein Land erhalte schon seit zwei Tagen kein Erdgas mehr aus Russland. Hintergrund ist offenbar auch hier ein Streit um den Lieferpreis. Gasprom wolle diesen verdoppeln, sagte Woronin.
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