Wowereit antwortet seinem Teheraner Kollegen: Gedenktafel-Streit: Iran droht Deutschland mit "Vergeltungsmaßnahmen"
zuletzt aktualisiert: 29.03.2004 - 13:45Berlin (rpo). Weil in Berlin eine Gedenktafel für die Opfer des Anschlags auf das griechischen Lokal Mykonos im Jahr 1992 enthüllt werden soll, ist man auf iranischer Seite seht vesrtimmt und droht mit "Vergeltungsmaßnahmen".
Trotz der Kritik und Drohungen aus Iran hält Berlin an der geplanten Gedenktafel fest. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) habe seinem Teheraner Kollegen mitgeteilt, dass er nicht gedenke, auf diese "politisch autonome Entscheidung" des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf Einfluss zu nehmen, sagte Senatssprecher Michael Donnermeyer am Montag der Nachrichtenagentur AFP.
Die Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (SPD) hatte zuvor angekündigt, die Gedenktafel werde am 20. April enthüllt. Auf der 50 mal 70 Zentimeter großen Edelstahltafel sind die Namen der bei dem Anschlag Getöteten aufgeführt, ergänzt um den Zusatz: "Ermordet durch die damaligen Machthaber im Iran. Sie starben im Kampf für Freiheit und Menschenrechte".
Teherans konservativer Bürgermeister Mahmud Ahmadi Nedschad hatte am Wochenende erklärt, es sei eine "Beleidigung Irans", dass in Berlin eine Gedenktafel an die vier Opfer des Anschlags von 1992 in dem griechischen Lokal "Mykonos" erinnern solle.
Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur IRNA vom Sonntag drohte er mit "Vergeltungsmaßnahmen von iranischer Seite", sollte die Tafel wie geplant enthüllt werden. Teheran könne dann im Gegenzug eine Tafel errichten "mit einer Liste der Staaten, allen voran Deutschland, die Saddam Hussein mit Chemiewaffen aufgerüstet haben". Opfer und Hinterbliebene der Chemiewaffeneinsätze aus dem iranisch-irakischen Krieg würden ihn dazu drängen, schrieb Ahmadi Nedschad laut IRNA.
Bei dem Anschlag auf das Restaurant "Mykonos" am 17. September 1992 waren vier Spitzenvertreter der iranischen Opposition erschossen worden. Der Prozess um den Anschlag hatte weltweites Aufsehen erregt, weil das Berliner Kammergericht in seinem Urteil vom April 1997 erstmals Teheran des Staatsterrorismus' gegen Dissidenten bezichtigt hatte.
Insgesamt wurden wegen des Anschlags vier Angeklagte verurteilt, von ihnen erhielten der Iraner Kasem Darabi und der Libanese Abbas Rhajel lebenslange Haft. Das Urteil hatte die Beziehungen zwischen Deutschland und Iran schwer belastet.
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