Ex-RAF-Terroristin wieder frei: Gefängnis hat Mohnhaupt verändert
zuletzt aktualisiert: 25.03.2007 - 12:08Berlin (RPO). Ein ganzes Land hatte Angst vor einer Frau. Vor 30 Jahren noch verbreitete Brigitte Mohnhaupt als Mitglied der RAF Angst und Schrecken. Nun darf die ehemalige RAF-Terroristin wieder ihre Freiheit genießen. In der Nacht zum Sonntag wurde die 57-Jährige pünktlich bei der Umstellung auf die Sommerzeit aus der Haft entlassen.
Selbst die Bundesanwaltschaft und die Gefängnisleitung hatten dafür plädiert. Mohnhaupt sei in den gut 24 Jahren hinter Gittern friedlich geworden. Statt über linke Parolen zum bewaffneten Kampf zu brüten, schwingt die einstige Rädelsführerin der Rote Armee Fraktion längst den Malpinsel.
Mohnhaupt, die am 24. Juni 1949 in Rheinberg geboren wurde, bewegte sich seit Schulzeiten im linken Spektrum. Nach dem Abitur 1967 studierte sie Philosophie in München, wurde dort zur Sympathisantin der RAF und lernte ihren späteren Ehemann und Kampfgenossen Rolf Heißler kennen. Die Ehe mit dem Anhänger der linken Stadtguerilla "Tupamaro" hielt zwar nur zwei Jahre. Gleichwohl gewann Mohnhaupt, die 1971 in den Untergrund ging, auch Heißler für den bewaffneten Kampf.
Erste Festnahme 1972
1972 wurde die RAF-Logistikerin erstmals gefasst und zu fünf Jahren Haft verurteilt. Im berüchtigten Gefängnis Stuttgart/Stammheim traf sie die RAF-Gründer Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe. Diese übertrugen ihr schriftlich für die Zeit nach ihrer Entlassung die "Befehlsgewalt".
Am 8. Februar 1977 wieder in Freiheit, übernahm Mohnhaupt das Kommando über die zweite RAF-Generation. Bereits am 7. Mai war sie beteiligt an der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback. Im Juli feuerte sie fünf tödliche Schüsse auf den Dresdner-Bank-Vorstandssprecher Jürgen Ponto ab. Und sie galt als Rädelsführerin der Entführung und Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer im Oktober.
Damals planten sie und ihre Genossen die so genannte Offensive '77: Mit der Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" am 13. Oktober durch ein Palästinenser-Kommando sollten die Stammheimer Gefangenen freigepresst werden. Doch Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) hielt dem Druck stand.
Die Eliteeinheit GSG-9 stürmte nach fünf Tagen die Maschine und tötete drei der vier Geiselnehmer. Wenige Stunden später begingen Baader, Ensslin und Raspe in Stammheim Selbstmord. Der von der RAF entführte Schleyer wurde vermutlich noch am selben Tag mit drei Schüssen in den Hinterkopf ermordet.
Die Offensive '77 der RAF, die den "revolutionären Kampf" vorantreiben sollte, wurde auch propagandistisch zum Desaster. Die Basis kritisierte im Szeneblatt "Pflasterstrand" mit Blick auf die Entführung des Flugzeugs voller unschuldiger Touristen, dass aus "Genossen" nun "Killer" geworden seien.
Vier Jahre auf der Flucht
Die führenden Köpfe der zweiten Generation, Mohnhaupt und Christian Klar, waren gescheitert. Vier Jahre lang wurden sie per Großfahndung gesucht, bis sie im November 1982 schließlich verhaftet wurden. Mohnhaupt wurde vor Gericht für die Morde an Buback, Ponto und Schleyer verantwortlich gemacht und zu einer der härtesten Strafen der deutschen Rechtsgeschichte verurteilt: Sie erhielt fünfmal lebenslang plus 15 Jahre Haft.
Aus dem Gefängnis heraus versuchte sie erst noch Einfluss zu nehmen auf die Strategie ihrer Nachfolger. "Sinn und Inhalt unserer Politik" seien Teil ihres Lebens, "eine untrennbar zusammengewachsene existenzielle Einheit", schrieb sie 1993. Doch die einstigen Kampfgefährten lehnten ihren Anspruch auf die RAF ab. In einem Brief, der im November 1993 bei der Nachrichtenagentur AFP einging, vollzogen sie den Bruch mit Mohnhaupt und Klar.
Heute gehe von der zierlichen Frau keine Gefahr mehr aus, begründete das Oberlandesgericht Stuttgart seine Mitte Februar bekannt gegebene Entscheidung, die weitere Verbüßung von Mohnhaupts Haftstrafe zur Bewährung auszusetzen. Den Umgang mit der ungewohnten Freiheit üben durfte sie bereits: Mehrfach wurde Mohnhaupt in den vergangenen Monaten ein begleiteter Ausgang bewilligt.
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