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Mythos Bilderberg
Geheime Runde mit großer Historie

Mythos Bilderberg: Geheime Runde mit großer Historie
FOTO: Ferl
Berlin. Einmal im Jahr treffen sich an einem abgeschirmten Ort die Mächtigen der Welt - zu ihrer Bilderberg Konferenz. Ein Blick hinter den Mythos. Von Eva Quadbeck

Was die Vertreter von Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Medien, Militär und Hochadel bei ihrer Bilderberg Konferenz besprechen, bleibt weitgehend geheim. Verschwörungstheoretiker fordert dieses Format geradezu heraus. Sie sind überzeugt, dass bei Bilderberg Macht, Geld - ja die ganze Welt aufgeteilt werde. Die Bilderberger würden die Weltherrschaft anstreben, lautet eine Variante.

In diesem Jahr trifft sich die Bilderberg Konferenz vom 9. bis zum 12. Juni in der historischen Altstadt von Dresden. Wie die "taz" berichtete wird das noble Kempinski-Hotel "Taschenberg Palais" der Tagungsort des geheimnisumwitterten Treffens sein.

Treffen seit 1954

Aus der Bundesregierung wurden nach Auskunft des Auswärtigen Amtes neben Kanzlerin Angela Merkel, Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, Finanzminister Wolfgang Schäuble, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Kanzleramtsminister Peter Altmaier und Außenminister Frank-Walter Steinmeier eingeladen. Nur das Verteidigungsministerium bestätigte, dass die Ministerin auch teilnehmen wird. Von der Leyen ist nicht zum ersten Mal Gast bei den Bilderbergern.

Ins Leben gerufen wurden die Treffen, die insbesondere dem transatlantischen Austausch und der Festigung der Beziehung zwischen Nordamerika und Europa dienen sollen, 1954 auf Initiative des polnischen Politikberaters Józef Retinger. Dieser aktivierte sogar die CIA, um einen Kontakt zum US-Präsidenten herzustellen. Schon die Gründungsgeschichte der Konferenz bietet also reichlich Stoff für Verschwörungstheoretiker. Den damaligen Prinz Bernhard der Niederlande gewann Retinger als ersten Gastgeber. Er lud in sein Hotel de Bilderberg in Oosterbeek ein. Die Organisation und die Teilnehmer der Bilderberg Konferenz sind hingegen nicht geheim. Die Konferenz hat eine eigene Internet-Seite. Der niederländische Prinz, Großvater des heutigen niederländischen Königs Willem Alexander, organisierte die Treffen mehr als 20 Jahre lang, bis er unter anderem wegen eines Schmiergeld-Skandals die Funktion nicht mehr ausfüllen konnte. Seit 2010 managt Henri de Castries, Vorstandsvorsitzender des französischen Versicherungskonzerns AXA, als Chairman die Bilderberger. Er ist ein persönlicher Freund des früheren französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Dem Chairman steht ein mehrköpfiger Lenkungsausschuss zur Seite, der die Einladungslisten führt und die Finanzierung organisiert. Jeweils die Mitglieder des Lenkungsausschusses, die aus dem Gastland der aktuellen Bilderberg Konferenz kommen, kümmern sich um die Finanzierung der Veranstaltung. Die Teilnehmer sind eingeladen, ihre Reisekosten müssen sie selbst zahlen.

2500 verschiedene Persönlichkeiten

An den jährlichen Konferenzen nehmen zwischen 120 und 140 einflussreiche Politiker, Wirtschaftsbosse, Wissenschaftler und Militärs teil. Seit 1954 waren es rund 2500 verschiedene Persönlichkeiten. Etliche waren auch mehrfach da. Mit zehn Teilnahmen gehörte Henry Kissinger, erst Sicherheitsberater, später Außenminister der US-Regierung, zu den Stammgästen.

Insbesondere die deutsche Wirtschaft ist bei den Bilderbergern immer prominent vertreten: Über Jahrzehnte waren Führungsfiguren der Deutschen Bank Mitglied im Lenkungsausschuss. Heute ist es Paul Achleitner. Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank. Auch Medienvertreter werden in den illustren Kreis der Bilderberger vorgelassen - allerdings nicht als Berichterstatter.

Die Geheimhaltungsregeln der Bilderberger sind weniger streng als ihr Ruf. So dürfen die Informationen der Konferenz verwendet werden. Geschwiegen werden muss aber darüber, wer was gesagt hat, damit die Debatte jenseits der Funktion der Teilnehmer offen geführt werden kann. Beschlüsse oder Erklärungen gibt es hinterher keine. Man geht davon aus, dass die gewonnenen Erkenntnisse in die eigene Arbeit einfließen.

Wirkung ist Glaubensfrage

Welche Wirkung Bilderberg auf den Weltenlauf hat, ist am Ende eine Glaubensfrage. So waren Helmut Kohl 1980 und Angela Merkel 2005 bei der Konferenz zu Gast, bevor sie jeweils ins Kanzleramt gewählt wurden. Aha, mag der Verschwörungstheoretiker rufen, in Bilderberg werden also Staatenlenker gemacht und instruiert. Auch Peer Steinbrück und Jürgen Trittin waren 2013 in Bilderberg zu Gast. Bekanntlich wurde Steinbrück nicht Kanzler und Trittin sorgte dafür, dass es 2013 keine schwarz-grüne Koalition gab. Wenn es also einen Plan der Bilderberger geben sollte, geht der nicht immer auf.

Quelle: RP
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