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Termin lasse sich nicht halten: Gesundheitskarte: Kassen befürchten Chaos

zuletzt aktualisiert: 22.02.2004 - 14:08

Hannover (rpo). Steht das Gesundheitswesen vor neuem Chaos? Wegen der bevorstehenden Einführung der elektronischen Patientenkarte befürchten die Krankenkassen genau dies.

Nach dem Debakel bei der Lkw-Maut macht ein weiteres technisches Großprojekt Fachleuten Kopfzerbrechen: Bei der geplanten Einführung der elektronischen Patientenkarte fürchten die Krankenkassen ein Chaos und bezweifeln, dass der Termin 2006 gehalten werden kann. Das Gesundheitsministerium trat am Wochenende den Befürchtungen entgegen. Eine Sprecherin äußerte sich zuversichtlich, dass das Vorhaben zu schaffen sei. Das Ministerium liege mit den Vorbereitungen im Zeitplan. Aber auch die Kassen müssten ihre Hausaufgaben erledigen.

Kassenverband: festgelegter Termin unrealistisch

Die Vorsitzende des Verbandes der Angestelltenersatzkassen, Doris Pfeiffer, sagte der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", der in der Gesundheitsreform festgelegte Termin 1. Januar 2006 sei wegen mangelnder Vorarbeit unrealistisch. Auch DAK-Chef Herbert Rebscher hielt die Einführung frühestens ab Mitte 2007 nach und nach für möglich und warb um Verständnis für ein Hinausschieben des Termins. Das mit der Planung beauftragte Unternehmen IBM bezeichne die Umstellung auf die elektronische Abwicklung der Gesundheitsversorgung als das größte EDV-Projekt weltweit. "Es darf und wird keine Toll-Collect-Veranstaltung geben", sagte Rebscher.

Die Karte für die 72 Millionen Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen soll ein Foto enthalten und die elektronische Übermittlung ärztlicher Verordnungen, die Ausstellung von Rezepten und sonstiger medizinischer Leistungen erlauben. Die Umstellung von der bisherigen Magnetkarte auf das neue System wird dem Bericht zufolge etwa eine Milliarde Euro kosten. Insgesamt sehe das Projekt die Vernetzung von 80 Millionen Versicherten bei 300 Krankenkassen ­ einschließlich der acht Millionen Privatversicherten ­ mit 130.000 Arztpraxen, 2.200 Krankenhäusern, 20.000 Apotheken, 54.000 Zahnärzten und anderen Heilberufen vor, die pro Jahr 560 Millionen Zugänge von Patienten hätten und 740 Millionen Verordnungen ausstellten, heißt es in dem Bericht.

Gesundheitsministerium teilt Befürchtungen nicht

Der Auftrag zur Konzeptionierung sei erteilt, so eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums, die "Rahmenarchitektur" mit den grundlegenden Festlegungen werde Ministerin Ulla Schmidt im März auf der Cebit-Messe in Hannover überreicht werden. Die Testphase solle im Sommer beginnen. Sie wies darauf hin, dass auch die Kassen an der Einführung mitarbeiten wollten. Man gehe davon aus, dass auch sie aktiv würden.

Unions-Gesundheitsexperte Andreas Storm drang darauf, rasch zu klären, ob der Zeitplan eingehalten werden könne. "Ein zweites Toll Collect darf sich bei der Gesundheitskarte keinesfalls wiederholen", sagte er AP. Der FDP-Fachmann Dieter Thomae kritisierte, die Vorbereitungen liefen schleppend und unkoordiniert. Fachleute hielten den Einführungstermin auf Grund fachlicher Probleme für völlig unrealistisch. Ministerin Schmidt warf er vor, sie habe die Übersicht verloren.


 
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