Deutscher Bundeswehr-Fallschirmjäger: Getöteter Soldat bildete Afghanen aus
VON HELMUT MICHELIS - zuletzt aktualisiert: 08.10.2010 - 08:01Düsseldorf/Kundus (RP). Der Angriff der Taliban galt einem neuen Verband der Bundeswehr: Das in der Provinz Baghlan operierende Ausbildungs- und Schutzbataillon soll die einheimischen Streitkräfte trainieren. Afghanistan soll schnellstmöglich fähig sein, selbst für seine Sicherheit zu sorgen.
Der Selbstmordattentäter, der am Donnerstag in Afghanistan einen deutschen Fallschirmjäger in den Tod riss und sechs weitere teils schwer verletzte, soll als harmloser Bauer getarnt gewesen sein. Stundenlang dauerten die anschließenden Kämpfe zwischen der Bundeswehr und Aufständischen an einer Brücke in der Provinz Baghlan im Norden des Landes.
Die deutschen Soldaten des neu gebildeten Ausbildungs- und Schutzbataillons (ASB) hatten nach Angaben des Einsatzführungskommandos in Potsdam den Auftrag, die Zufahrtsstraße zur Brücke zu sichern. Nachdem der Selbstmordattentäter seinen Sprengstoffgürtel gezündet hatte, versorgten zur Hilfe eilende weitere Soldaten die Verletzten und sicherten den Anschlagsort. Vermutlich amerikanische Black-Hawk-Rettungshubschrauber evakuierten unterdessen die Verwundeten ins Feldlazarett nach Masar-i-Sharif.
Daraufhin attackierten weitere Angreifer die deutschen Fallschirmjäger mit Handfeuerwaffen und Mörsern. Das Gefecht dauerte bis in den frühen Abend, über Tote und Verletzte auf Seiten der Taliban gab es keine Informationen. Zwei der sechs deutschen Verletzten sollen sich in einem sehr kritischen Zustand befinden.
Bei dem Gefallenen handelt es sich um einen Oberfeldwebel (26) des Fallschirmjägerbataillons 313 aus dem niedersächsischen Seedorf. Während im deutschen Feldlager von Kundus die schwarz-rot-goldene Bundesdienstflagge auf halbmast gesetzt wurde, informierte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CDU) den Bundestag.
Bereits kurz vor Mittag hatte der Minister von dem Anschlag erfahren; die Meldung über den Toten erreichte ihn aber erst auf dem Weg vom Ministerium zum Bundestag. Dort zeigte er sich betroffen und sprach von einer sehr traurigen Nachricht am neunten Jahrestag des Kampfbeginns in Afghanistan. Guttenberg verteidigte den vom Bundestag beschlossenen Einsatz am Hindukusch: "Er dient unserer Sicherheit."
Der jüngste Anschlag galt einem Verband der Bundeswehr, der die neue Strategie der Nato in Afghanistan umsetzt: Das Land soll schrittweise in die Lage versetzt werden, mit eigenen Kräften für Ruhe zu sorgen. Die Bundeswehr hat dazu zwei Ausbildungs- und Schutzbataillone mit je 1200 Soldaten aufgestellt, die in Kundus und Masar-i-Sharif stationiert sind. Zur Bewaffnung gehören neben gepanzerten Transportfahrzeugen auch Schützenpanzer "Marder" mit 20-Millimeter-Kanone – insgesamt 20 "Marder" sollen nach Afghanistan verlegt werden. Außerdem können die Bataillone auf die Feuerkraft der drei Panzerhaubitzen 2000 im Feldlager Kundus, auf Mörser und auf "Wiesel"-Luftlandepanzer zurückgreifen.
Die neuen Bataillone sollen – gemeinsam mit den afghanischen Streitkräften – die Kontrolle über die von den Taliban beherrschten Distrikte zurückgewinnen, um sie anschließend in die Verantwortung der Afghanen zu übergeben. Zugleich bilden die Deutschen afghanische Sicherheitskräfte aus. Zehn Teams zu je 30 Soldaten betreuten jeweils ein afghanisches Bataillon, erwarte die Bundeswehr.
Der Aufbau der afghanischen Streitkräfte verläuft zurzeit rasant: Die Armee hat zurzeit mehr als 100 000 Soldaten und soll bis Oktober 2011 auf 171 600 Mann anwachsen. Unter anderem Bundeswehr-Feldjäger bilden parallel dazu die afghanische Polizei aus, die zurzeit auf 109 000 Mann aufgestockt worden ist und bereits ein Jahr später 134 000 Mann umfassen soll.
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