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Debatte um Flüchtlingsheime
Getrennte Unterbringung von Christen und Muslimen?

Debatte um Flüchtlingsheime: Getrennte Unterbringung von Christen und Muslimen?
FOTO: dpa, ude htf bwe
Berlin. In der Flüchtlingskrise gerät das Thema Religion in den Fokus. Nach Berichten zu Übergriffen auf Christen in Flüchtlingsheimen kommen Forderungen von Politikern nach einer getrennten Unterbringung von Schutzsuchenden auf. Der Zentralrat der Juden warnt vor Antisemitismus unter Flüchtlingen.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sorgt sich zudem über eine mögliche Zunahme von Antisemitismus durch Flüchtlinge aus dem arabischen Raum. "Die hiesigen Konflikte, etwa wie vergangenes Jahr während des Gazakrieges, möchte ich nicht noch einmal erleben. Das macht mir Sorge", sagte Schuster in einem Interview der in Berlin erscheinenden "taz".

Schuster sagte, dass viele Menschen aus Syrien oder dem Irak in einem Lebensumfeld aufgewachsen seien, das von Israelfeindlichkeit und Judenhass geprägt sei. "Es ist eine große Aufgabe, diese Menschen hin zu den Werten zu bringen, die in Deutschland Bestand haben." Er äußerte sich besorgt angesichts von Anschlägen auf deutsche Flüchtlingsunterkünfte. Es sei eine Pflicht, Schutzsuchenden zu helfen. Es sei aber auch "aus Sicherheitsgründen" wichtig, Flüchtlinge an den Grenzen zu registrieren, damit etwa Islamisten entdeckt würden.

Mit Blick auf Spannungen in Flüchtlingsunterkünften sagte Simon Jacob vom Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland der "Welt am Sonntag", dass eine getrennte Unterbringung nach Religionen zwar keine langfristige Lösung sein könne. Allerdings würden Christen und Jesiden zunehmend von konservativen Muslimen und Islamisten bedroht. "Ich kenne sehr viele Berichte von christlichen Flüchtlingen, die Angriffen ausgesetzt sind."

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir forderte in derselben Zeitung einen besseren Schutz. "Der Islam gehört zu Deutschland, Islamismus dagegen eindeutig nicht." Özdemir plädiert für eine Sensibilisierung von Helfern in den Flüchtlingsunterkünften "für Anzeichen von religiöser und politischer Unterdrückung - egal woher sie stammt".

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Hans-Peter Friedrich (CSU), sagte der Zeitung: "Wir müssen von Anfang an klarmachen, dass wir die Regeln unseres freiheitlichen Rechtsstaats überall und konsequent durchsetzen."

Die "Welt am Sonntag" berichtet über einen Flüchtling aus dem Iran, der in seiner Unterkunft in Brandenburg nach eigenen Angaben nicht offen dazu stehen kann, dass er Christ ist. "Dann werde ich bedroht." Die Zeitung zitiert darüber hinaus den Pfarrer einer evangelisch- lutherischen Kirche in Berlin, der von "großen Problemen" von Christen in Flüchtlingsheimen erzählt.

Thüringens Justiz- und Migrationsminister Dieter Lauinger (Grüne)
berichtet der Zeitung von den Erfahrungen in seinem Bundesland. "Wir achten auf eine konfliktsensible Unterbringung und versuchen, Menschen aus unterschiedlichen Ländern auf verschiedene Stockwerke oder eigene Unterkünfte zu verteilen." Eine Trennung nach Religionen halte er aber für falsch.

(KNA)
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