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Doppelt so viele Delikte
Gewalt gegen Flüchtlinge nimmt deutlich zu

Doppelt so viele Delikte: Gewalt gegen Flüchtlinge nimmt deutlich zu
Die Feuerwehr löscht im Juli den Brand in einem Gebäude in Remchingen (Baden-Württemberg), das als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden sollte. FOTO: dpa, htf
Saarbrücken/Berlin. Die Zahl der Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte hat sich im dritten Quartal 2015 beinahe verdoppelt. Besonders stark ist die Zahl der schweren Delikte wie Brandstiftungen, Sprengstoffanschläge und Körperverletzungen gestiegen. 

Die Zahl der registrierten Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte stieg von 136 auf 247, wie die "Saarbrücker Zeitung" meldet. Schwere Delikte wie Brandstiftungen, Sprengstoffanschläge und Körperverletzungen haben demnach sogar um das Dreifache zugenommen. Das Blatt beruft sich auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der innenpolitischen Sprecherin der Linke-Bundestagfraktion, Ulla Jelpke.

Den Daten zufolge ist auch die Zahl der Teilnehmer an Demonstrationen gegen Flüchtlinge sprunghaft gestiegen. Zwischen Juli und September waren es 5.800. In den drei Monaten davor wurden noch 880 Personen gezählt.

"Proteste gegen Flüchtlinge werden von den Nazis inzwischen als Mobilisierungsthema Nummer Eins genutzt", sagte Jelpke der Zeitung. Erschreckend sei auch die hohe Gewaltbereitschaft der Täter.

Zugleich beklagte die Politikerin, dass die Daten lückenhaft seien. So gebe es zum Beispiel keine Aufschlüsselung der Brandanschläge nach bewohnten und unbewohnten Einrichtungen. Unklar bleibe auch, wie viele dieser Taten als rechts motiviert eingestuft würden. Eine wissenschaftliche Beobachtungsstelle könne hier Abhilfe schaffen, meinte Jelpke.

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der Gewalttaten gegen Flüchtlinge sogar verdreifacht. Das hatte das Bundeskriminalamt (BKA) bereits Mitte der Woche mitgeteilt. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) sprach zuletzt von einem "besorgniserregenden Anstieg". Gegen die Täter müssten alle Mittel des Rechtsstaats angewandt werden.

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(jco/KNA)
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