Deutsche zu Klimaschutz bereit: Glühbirnen-Verbot: Mehrheit der Deutschen dafür
zuletzt aktualisiert: 25.02.2007 - 14:35Frankfurt/Main (RPO). Die meisten Deutschen sind zu einem eigenen Beitrag für den Klimaschutz bereit. 94 Prozent wollen ihren Stromverbrauch im Haushalt senken, wie eine Umfrage von Infratest-dimap ergab. Auch mit einem Verbot von Glühbirnen wäre die Mehrheit der Bundesbürger einverstanden, wie Forsa im Auftrag der "Bild am Sonntag" ermittelte. Danach würden 56 Prozent einem gesetzlichen Aus für Glühbirnen zustimmen, 38 Prozent wären dagegen.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) will Glühbirnen von den europäischen Märkten verdrängen. "Der Standort Europa kann sich eigentlich keine Produkte mehr leisten, die wie herkömmliche Glühbirnen einen Effizienzgrad von nur fünf Prozent aufweisen", zitierte die "Bild am Sonntag" aus einem Brief an EU-Umweltkommissar Stavros Dimas.
Studien zufolge gebe es für Europa "ein CO2-Verminderungspotenzial von etwa 25 Millionen Tonnen pro Jahr, das durch die Umstellung von herkömmlichen Glühbirnen auf Energiesparlampen in Haushalten und im Dienstleistungssektor erreicht werden kann", schrieb der Minister. Er schlug vor, anspruchsvolle Effizienzkriterien für Lampen festzuschreiben, die sich an den besten Produkten am Markt orientieren sollten.
Auch Dimas will mehr Energiesparlampen in Europa. "Wir prüfen derzeit, ob ein EU-Standard für umweltfreundliche Lampen machbar ist," sagte er dem Nachrichtenmagazins "Focus". Anfang der Woche war ein Plan der australischen Regierung bekannt geworden, wonach herkömmliche Glühbirnen bis 2010 wegen Energieverschwendungen verboten werden sollen. Das geplante Verbot in Australien sei sehr interessant, sagte der EU-Kommissar.
86 Prozent wollen mit weniger Heizenergie auskommen
Der Bundesverband der Verbraucherinitiativen wies darauf hin, dass ein Umstieg auf Energiesparlampe die Kosten für Beleuchtung pro Haushalt um 80 Prozent senke. Außerdem könne jeder Haushalt den Kohlendioxidausstoß auf diese Weise um 150 Kilogramm pro Jahr senken. Bei der Glühbirne wird die zugeführte Energie in Strahlung umgesetzt. Davon wird aber nur ein geringer Frequenzbereich als Licht wahrgenommen. Energiesparlampen haben eine höhere Lichtausbeute im Verhältnis zur Energiezufuhr.
Der Mitautor des Aufsehen erregenden UN-Klimaberichts, der Potsdamer Wissenschaftler Ottmar Edenhofer, nannte die Pläne zur Abschaffung der Glühbirne absurden Aktionismus: "Es wäre völlig ausreichend, wenn die Politik verbindliche Emissionsobergrenzen festlegt und in diesem Umfang Zertifikate versteigert", sagte Edenhofer. In diese Maßnahmen sollte die politische Energie investiert werden. Was die besten Methoden der Verminderung von Emissionen seien, sollten Unternehmer und Konsumenten selbst herausfinden.
Laut Infratest-Umfrage lehnen es lediglich vier Prozent der Bundesbürger ab, im eigenen Haushalt nach Möglichkeiten zum Stromsparen zu suchen. Mit weniger Heizenergie auskommen wollen 86 Prozent der Befragten. 79 Prozent wären bereit, auf ein kleineres und sparsameres Auto umzusteigen. Weniger Auto fahren wollen 73 Prozent. Ihrem Ruf als Urlaubsweltmeister machen die Deutschen alle Ehre, denn am wenigsten verzichten wollen sie beim Reisen. Trotzdem könnten sich 66 Prozent der Befragten vorstellen, weniger Fernreisen mit dem Flugzeug zu unternehmen. Ebenfalls 66 Prozent wollen häufiger die Bahn nutzen.
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