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Zentralrat der Juden in Deutschland: Graumann ist neuer Präsident

zuletzt aktualisiert: 28.11.2010 - 17:21

Düsseldorf (RPO). Das Präsidium des Zentralrats der Juden in Deutschland hat Dieter Graumann wie erwartet an die Spitze des Rats gewählt. Er ist damit Nachfolger der bisherigen Präsidentin Charlotte Knobloch, die nicht wieder kandidierte. Graumann gilt als politischer Kopf und als ein glänzender Redner, der deutliche Worte nicht scheut.

Der Präsident des Zentralrates der Juden, Dieter Graumann, möchte sich nicht mit Palästinenser-Präsident Abbas treffen.  Foto: RPO
Der Präsident des Zentralrates der Juden, Dieter Graumann, möchte sich nicht mit Palästinenser-Präsident Abbas treffen. Foto: RPO

Judentum, sagt Dieter Graumann, bedeute "eben nicht nur immer Verfolgung und Elend und Katastrophen". Judentum sei keineswegs nur trübe und traurig, nur "fortwährend meckernd", sondern "herzlich und immerzu begeistert dem Leben zugewandt".

Knobloch, mit der erstmals eine Frau den Zentralrat führte, hatte ihren Verzicht bereits im Februar bekanntgegeben und dies mit der Aussage verbunden, sie wolle bewusst einen Generationswechsel herbeiführen. Anfang September dann hatte Graumann, bislang einer der beiden Vizepräsidenten des Zentralrats, seine Kandidatur für das Präsidentenamt erklärt - "unter großer Zustimmung", wie es damals in einer Pressemitteilung des Rats hieß. Graumann ist - wie auch der 1950 gegründete Zentralrat - 60 Jahre alt. Mit Graumann wird der Rat nun erstmals von einer Person geleitet, die den Holocaust nicht mehr selbst erlebte.

Seit 1950 in Frankfurt zu Hause

Anders seine aus Polen stammenden Eltern, die der Vernichtung nur knapp entgingen. Sie lernten sich nach dem Krieg in einem Flüchtlingslager in Frankfurt kennen, heirateten, wanderten nach Israel aus. Dort wurde Graumann am 20. August 1950 in der Nähe von Tel Aviv geboren. Anderthalb Jahre später kehrten seine Eltern mit ihm nach Frankfurt zurück. Der Vater, geschwächt durch das in sechs Konzentrationslagern durchgemachte Leid, hatte das heiße Klima nicht vertragen.

Seit damals ist Graumann in der Mainstadt zu Hause. Frankfurt, sagt er, werde immer sein Lebensmittelpunkt bleiben. Der promovierte Volkswirtschaftler, verheiratet mit einer Apothekerin und Vater zweier erwachsener Kinder, betreibt eine Liegenschaftsverwaltung. Er war Präsident, ist jetzt Ehrenpräsident des jüdischen Sportklubs TuS Makkabi Frankfurt. Seit 1995 gehört er dem Vorstand der Frankfurter Jüdischen Gemeinde an und ist dort für Finanzen, Schule und Kultur zuständig. Im Jahr 2001 kam er ins Präsidium des Zentralrats der Juden, 2006 wurde er neben Salomon Korn Vizepräsident.

Ein Mann für schwierige Aufgaben

Wiederholt wurde er mit heiklen Missionen bedacht, denen Erfolg beschieden war. Er verhinderte, dass sich die Union liberaler Juden aus dem Zentralrat verabschiedete, verhandelte mit der Bundesregierung über die Verteilung von Fördermitteln und führte mit ihr Gespräche über die Einwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion.

Graumann gilt als politischer Kopf und als ein glänzender Redner, der deutliche Worte nicht scheut. Zum Beispiel wenn er kritisiert, "dass die NPD in Deutschland nahezu ungehindert ihr Gift verbreiten kann, dafür noch öffentliche Gelder kassiert und öffentlichen Raum zur Verfügung gestellt bekommt". Zu den wichtigsten Aufgaben Graumanns und des Zentralrats wird die weitere Integration Tausender jüdischer Zuwanderer aus Osteuropa, vor allem aus der einstigen Sowjetunion, in die Gemeinden gehören. "Pluralität ist die neue Normalität", sagt der neue Präsident.

Natürlich wird auch er entschieden gegen Antisemitismus eintreten. Nur warnt er davor, den Holocaust zur "Ersatzidentität" zu machen. "Wir müssen raus aus der Dauermeckerecke", sagt er. Und: "Wir müssen uns darauf besinnen, was wir sind." Es gehe darum, positive jüdische Werte in den Vordergrund zu stellen. "Sonst", so Graumann, "wissen wir nur noch, wogegen wir sind, aber nicht mehr, wofür."

Quelle: KNA/pst

 
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