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Debatte um Griechenland
Wolfgang Bosbach deutet Rückzug an

Griechenland: Wolfgang Bosbach erwägt persönliche Konsequenzen
Wolfgang Bosbach steht der Griechenland-Rettung weiter skeptisch gegenüber. FOTO: dpa, ped lre
Exklusiv | Düsseldorf. Im Zuge der neuen Abstimmung über den Euro im Bundestag erwägt der Vorsitzende des Innenausschusses Wolfgang Bosbach (CDU) persönliche Konsequenzen.  Von Eva Quadbeck und Michael Bröcker

Der CDU-Politiker, der schon dem zweiten Rettungspaket im Bundestag nicht zugestimmt hatte, deutete im Gespräch mit unserer Redaktion einen politischen Rückzug an. "Jede Abstimmung ist auch eine Frage der Solidarität mit der Bundesregierung. Ich will nicht immer die Kuh sein, die quer im Stall steht", sagte Bosbach. "Ich überlege persönlich, wie es weiter gehen soll."

Inhaltlich blieb Bosbach bei seiner ablehnenden Haltung gegenüber weiteren Hilfen für Griechenland: "Es werden wieder Milliarden an Griechenland fließen. Ob eine Gegenleistung erbracht wird, ist höchst unsicher." Es sei von der griechischen Regierung kein einziger Punkt vorgelegt worden, der die Wettbewerbsfähigkeit des Landes steigere.

In seinem Wahlkreis schwer beliebt

Schon 2011 hatte der CDU-Politiker gegen die Ausweitung des Rettungspaketes gestimmt und dabei aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht. In seiner für ihn typisch offenen Art sprach er damals in den Medien über seinen inneren Konflikt zwischen Loyalität und Überzeugung. Er entschied sich, gegen die Kanzlerin zu stimmen und vertrat seine Aufassung offensiv in den Medien, die ihm den Titel "Euro-Rebell" verpassten. "Wenn, dann mit offenem Visier", lautete seine Entscheidung, der er offenkundig bis heute treu bleibt. 

Nicht nur damit hat sich der Abgeordnete aus dem rheinisch-bergischen Kreis sowohl Achtung als auch Sympathien erworben. Begnadet durch sein Talent zur witzig-prägnanten Rhetorik ist der Experte für innere Sicherheit Dauergast in deutschen Talkshows. Selbst aus seiner Krebserkrankung hat Bosbach nie einen Hehl gemacht. Die Bürger danken es ihm mit Anerkennung: Bei den vergangenen Bundestagswahlen 2013 landete er in seinem Wahlkreis mit fast 60 Prozent der Stimmen einen furiosen Sieg.

2010: Krach mit der CDU

In der CDU hatte sich Bosbach in den vergangenen Jahren schrittweise von der Kanzlerin und ihren Getreuen losgesagt. 2009 und 2013 hatte Angela Merkel den fachlich versierten Innenpolitiker bei der Vergabe der Ministerposten übergangen.

Der Höhepunkt der Auseinandersetzungen: Mit dem engen Merkel-Vertrauten und damaligen Kanzleramtschef Ronald Pofalla legte sich Bosbach im Oktober 2010 lautstark an. Weil Bosbach in den Medien immer wieder öffentlich die Euro-Politik der Kanzlerin kritisierte, raunzte Pofalla seinen Parteikollegen bei einer CDU-internen Veranstaltung mit den Worten an: "Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen." Pofalla entschuldigte sich später, der Riss zwischen Bosbach und dem Merkel-Lager blieb.

Gegner in den eigenen Reihen

Seine abweichende Haltung gegenüber den Euro-Rettungspaketen ließ er sich nicht nehmen. In der Bundestagsfraktion ist er bis heute einer der wenigen Kritiker der Kanzlerin geblieben, auch die Wirtschaftspolitik der großen Koalition findet nicht Bosbachs Zustimmung.

Weil Bosbach zugleich gerne die Medien über seine (abweichende) Meinung zu seiner Partei und sonstigen politischen Themen informiert, gehört er in der Bundestagsfraktion nicht gerade zu den beliebtesten CDU-Politikern.

Manch einer schaute mit Neid auf die Medienpräsenz des fröhlichen Rheinländers, der nebenbei im Beirat des 1. FC Köln sitzt und im Karneval gerne mal den Büttenredner gibt. Ein vorzeitiger Abschied aus der Politik käme für einige Bosbach-Gegner in der CDU daher wohl nicht ungelegen.

Quelle: RP
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