Rekordwerte bei Umfragen: Grüne doppelt so stark wie die FDP
VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 17.02.2010 - 18:40Düsseldorf (RPO). Deutschland spricht über die Misere der FDP. Die Liberalen sind in der Gunst der Wähler dramatisch eingebrochen. Nahezu unbemerkt setzt die kleinste Oppositionspartei im Bundestag zum Höhenflug an. In einer aktuellen Umfrage erzielen die Grünen erneut einen Rekordwert von 17 Prozent. Davon kann die FDP derzeit nur träumen.
Die Umfragen In der Wählergunst stürzt die FDP ab, während die Grünen von Erfolg zu Erfolg eilen. In einer aktuellen Umfrage des Forsa-Instituts erreichte die einstige Bürgerschreckpartei 17 Prozent. Anders die FDP: Sie büßte seit ihrem triumphalen Wahlsieg im September mehr als die Hälfte an Zustimmung ein und findet sich nun bei sieben Prozent wieder. Andere Institute sehen die Lage ähnlich. Im Deutschlandtrend der ARD erreichten die Grünen mit 15 Prozent ebenfalls einen Rekordwert, währen die FDP auf acht Prozent abstürzte.
Die Entwicklung So drastisch der Abfall der Liberalen, so stark ist auch der Zuwachs bei den Grünen. Das zeigt allein ein Vergleich mit dem Abschneiden bei der Bundestagswahl: 10,7 Prozent erreichten die Grünen im September. Anstatt wie erhofft die drittstärkste Kraft im Land zu stellen, zog sie als kleinste Oppositionspartei in den Bundestag ein, deutlich abgeschlagen hinter FDP (14,6) und Linke (11,9). In weniger fünf Monaten hat sich das Bild gedreht. Die FDP ist Schlusslicht in der Sympathie-Skala, die Grünen sitzen der SPD (22 Prozent) im Nacken.
Der Zuwachs Laufen da in Scharen die Wähler der Liberalen zu den Grünen über? Die Schlussfolgerung ist naheliegend, trifft aber nicht zu, wie Forsa-Chef Manfred Güllner im Gespräch mit unserer Redaktion erläutert. "Zwischen FDP und Grünen gibt es keine Wanderung", stellt Güllner klar. Die Anhänger stammten zwar alle aus der bürgerlichen Schicht, unterschieden sich aber fundamental in ihrer Grundeinstellung. Für den Höhenflug der Grünen muss es also eine andere Erklärung geben.
Güllner macht dafür im Kern drei Gründe verantwortlich.
- Die Grünen sind älter, seriöser und damit für viele erst wählbar geworden. Früher galten die Anhänger der Öko-Partei noch als langhaariger Bürgerschreck. Mit Joschka Fischer und seiner Verwandlung zum repräsentablen Außenminister im Anzug habe der Wandel eingesetzt. "Selbst Herr Trittin hat sein Buhmann-Image abgelegt", urteilt Güllner.
- Die Grünen verfügen über eine relativ starke Stammwählerschaft. Von einem Niveau bei etwa zehn Prozent lässt sich gut angreifen. Anders sieht das FDP aus, die bei der Bundestagswahl laut Güllner von Leihstimmen der Union und dem Zuspruch bürgerlicher Wechselwähler profitiert hatte.
- Die Grünen profitieren von der anhaltenden Schwäche der SPD. Güllners Zahlen zeigen: Es sind überwiegend Wähler aus dem großen Lager der enttäuschten SPD-Anhänger, die nun mit den Grünen sympathisieren. In den vergangenen zehn Jahren hat die SPD zehn Millionen Wähler verloren. Viele von denen, die aus dem Lager der Nichtwähler zurückkehren und wieder am politischen Geschehen partizipieren wollen, wechseln zu den Grünen. Die SPD hat es bisher nicht geschafft, aus dem Stimmungstief herauszukommen.
Die Perspektiven Ob das Niveau von 17 Prozent für die Grünen zu halten ist, lässt sich nicht vollends voraussagen. Aber die Aussichten sind bestens. „Die Grünen sind auf dem Wege mit der SPD zu konkurrieren“, sagt Güllner und verweist auf die Stagnation der Sozialdemokratie und eine zunehmende Akzeptanz der Grünen. Zudem hat die Partei beste Chancen auf eine Beteiligung an der Macht, wenn sie denn nur will. Schwarz-Grün und Jamaika sind dafür beste Belege. In NRW gilt ein Bündnis mit der CDU längst nicht mehr als ausgeschlossen.
Das neue bürgerliche Lager Dass Union und Grüne auch auf Dauer besser zusammenpassen, zeigt eine weitere Forsa-Umfrage. Demnach sind sich Anhänger der Union und der Grünen in vielen gesellschaftspolitischen Fragen weitgehend einig. Beide meinen, dass das Leben zu sehr von materiellen Werten beherrscht werde. Bei dieser Frage antworteten 66 Prozent der Anhänger von CDU/CSU und 70 Prozent der Grünen-Anhänger mit Ja. Der Politik- und einstige Stoiber-Berater Michael Spreng räumt den Grünen in seinem Blog „Sprengsatz“ die Schlüsselrolle der kommenden Jahre ein. Seine Begründung: FDP und Union haben viele Schnittmengen, Schwarz und Grün ergänzten sich gegenseitig und sind damit für politische Mehrheiten attraktiver.
Der nächste Test NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und seine Politik-Manager verfolgen das Geschehen aufmerksam. Eine mögliche schwarz-grüne Koalition in Nordrhein-Westfalen würden der Umfrage zufolge 38 Prozent aller Bundesbürger begrüßen. In Nordrhein-Westfalen selbst sprachen sich 42 Prozent dafür aus. In aktuellen Meinungsumfragen hat Schwarz-Gelb in NRW jedoch keine Mehrheit mehr. Am 9. Mai wird gewählt.
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