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Verkehrsengpässe
Grüne werfen Dobrindt Vernachlässigung der Bahn vor

Fotos: Das ist der neue ICE 4 der Deutschen Bahn
Fotos: Das ist der neue ICE 4 der Deutschen Bahn FOTO: dpa, bvj gfh
Exklusiv | Berlin. Die Grünen im Bundestag werfen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) vor, bei der Planung von neuen Verkehrsinvestitionen stärker auf Verkehrsengpässe im Straßenverkehr zu achten als auf solche im Bahnverkehr.

Während die Verkehrsmengen im Straßenverkehr von den Planern im Verkehrsministerium sogar stündlich beobachtet würden, unterliege der Schienenverkehr keiner solchen akribischen Überprüfung. Dies bestätigt die Antwort des Verkehrsministeriums auf eine kleine Anfrage der Grünen-Fraktion.

Zur Ermittlung von Staus auf Straßen "werden für jede der 8760 Stunden im Jahresverlauf richtungsbezogene Verkehrsmengen ermittelt und den Leistungsfähigkeiten der jeweiligen Streckentypen gegenübergestellt", heißt es in dem Papier. Im Ergebnis dieser Engpassanalyse würden "Bereiche ausgewiesen, auf denen an mehr als 100 Stunden im Jahr stauähnliche Verkehrssituationen auftreten". So lässt sich dann bewerten, auf welchen Straßen Erweiterungsinvestitionen angebracht sind.

Für das Schienennetz gibt es keine solche feinmaschige Engpassanalyse. Bei der Schiene werde ein anderes Analyseverfahren angewendet, heißt es in dem Papier. "Dies hat zur Folge, dass bei der Bahn die Engpässe im Tagesverlauf nicht erkennbar sind und ein besseres Angebot zum Beispiel für Pendler durch mehr Züge kaum möglich ist", sagte Grünen-Verkehrssprecher Matthias Gastel. Bei der Schiene verfüge Berlin nicht über tageszeitlich differenzierte Daten wie bei der Straße. Es werde nur eine mittlere Auslastung über den ganzen Tag ausgewiesen.

Durch die Umsetzung der vordringlichen Maßnahmen im Bundesverkehrswegeplan sollten nur etwa 13 Prozent der zu erwartenden Zugverspätungen bei der Bahn, aber 42 Prozent der zu erwartenden jährlichen Stauzeiten auf Autobahnen vermieden werden. "Dieses Verhältnis zeigt einmal mehr, was der Bundesverkehrsminister von einer Verkehrswende hin zur nachhaltigen, umweltfreundlichen Bahn hält: nichts", sagte Gastel. "Die Benachteiligung der Schiene muss endlich aufhören", forderte er.

(mar)
 
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