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Karl-Theodor zu Guttenberg
  Foto: POOL DDP, AP
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Immer einen Schritt voraus: Guttenberg hängt Westerwelle ab

VON SVEN GÖSMANN - zuletzt aktualisiert: 23.11.2009 - 07:36

Düsseldorf (RP). Hat sich FDP-Chef Guido Westerwelle vertan, als er das Außenministerium wählte? Ob in Afghanistan oder in den USA - derzeit ist ihm Karl-Theodor zu Guttenberg immer einen Schritt voraus. Der CSU-Verteidigungsminister liefert Schlagzeilen und medientaugliche Fotos am Fließband. Sein liberaler Kabinettskollege bleibt bisher blass.  

Entgegen allen Gerüchten wurde Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg am 5. Dezember 1971 in einem Münchner Krankenhaus geboren und nicht in einer Krippe. Diesen Witz über den Verteidigungsminister haben Spötter nicht umsonst den Obama-Beschreibungen von 2008 entlehnt.

"KT" ist überall, und verzückt wird jeder seiner Schritte in die Wohnstuben reportiert. Das sonst der CSU-Sympathie unverdächtige "Spiegel Online" berichtete etwa über Guttenbergs Afghanistan-Reise derart devot, dass dem Magazinableger in Medienkreisen Hofberichterstattung vorgeworfen wurde. Nach seinem Besuch in Kabuls staubigen Palästen konnte man als geneigter Leser den Eindruck gewinnen, Guttenberg als Kolonialherr habe dem verschlafenen Präsidentchen Karsai die Meinung gesagt, und nun werde alles anders laufen am Hindukusch.

Dann wurde Guttenbergs Helikopter noch beschossen, doch der Mann blieb ganz ruhig und stellte sich geduldig in die Schlange beim Soldatenfrühstück in Kundus. "Kann man mit diesem Frühstück einen Krieg gewinnen?" barmte "Bild" und zeigte fettige Würstchen und klumpiges Weißbrot aus US-Armee-Lieferungen, die die deutschen Soldaten und auch der Baron auf ihre Tabletts laden mussten. Die "Süddeutsche Zeitung" schließlich würdigte den lässigen US-Antrittsbesuch des Ministers. Der nannte das amerikanische Parlament insiderisch den "Hill" und sprach fließend Englisch. Donnerwetter.

Ist Guttenberg nun ein unerklärbares Phänomen, selbststrahlend" ("Süddeutsche")? Nein. Er ist nur der im Umgang mit den Medien geschickteste Politiker, den Deutschland derzeit besitzt. Sein gutes Aussehen tut einiges dazu, seine attraktive Gattin aus dem Bismarck-Geschlecht auch. Aber das allein reicht als Erklärungsmuster nicht. Guttenberg ist gut angezogen, er geht straff und aufrecht. Er schaut in die Kamera. Er spricht klar, etwas zu schnell, aber unaufgeregt. Er ist die modernere Variante des eigentlich verschwundenen Offiziers und Gentleman.

So schafft er Bilder, die sich einprägen. Neben seine verunglückte Premiere als Fred-Astaire-Double auf dem Broadway hat er längst den auch nach langer Opel-Verhandlungsnacht unnachgiebigen Politiker, vor allem aber den angstfreien Minister im Anzug im Anflug auf Afghanistan gestellt. Bis zu ihm, signalisiert das Bild, reicht der Arm der Taliban auf keinen Fall.

Dazu formuliert er seine Botschaften relativ undiplomatisch. Man könnte auch sagen: Er hat eine Haltung. Er spricht in Haupt- und Nebensätzen. Darunter ist auch viel Politiker-Sprech, jene Ansammlung von Substantiven und Spiegelstrich-Anweisungen, wie sie den Jargon in Berlin-Mitte prägen. Aber Guttenberg prägt auch immer wieder verständliche, schlagzeilentaugliche Begriffe. "Kriegsähnlicher Zustand" klingt wie "Krieg". "Geordnete Insolvenz" wie "vernünftige Pleite". Guttenberg ist der ideale Vertreter der SMS-Generation in der Bundesregierung. In 160 Zeichen malt er eine Welt; dazu liefert er Bilder. Ideal für eine Medienlandschaft im Takt des Internet und der Handy-Nachrichten.

Guido Westerwelle galt auch als Medienprofi. Als bester Redner der deutschen Politik. Etwas zu schrill zwar, aber doch für seine Freunde die liberale Originalvariante eines Guttenberg. Doch trotzdem kommt er seit Amtsantritt im Außenamt nicht aus der Defensive. Amerika, Afghanistan – Guttenberg produziert die Nachrichten, die besseren Bilder.

Westerwelle verkrampft. Ja, er wirkt seltsam altmodisch und nicht nur, weil sein Englisch eher durchschnittlich wirkt und er den kleinkarierten Streit darüber sogar noch ernst nahm. Sondern weil Westerwelle lange da ist, weil er sich noch in Talkshows aufhält, wo Guttenberg häufig den Weg der Direktschaltung in die Nachrichtensendungen wählt, um seine Botschaften zu platzieren. Während Westerwelle immer noch die Herausforderung, das Duell mit dem Fragesteller sucht, umdribbelt Guttenberg Journalisten gern und spricht eher appellativ direkt an die Zuschauer. Schon mal erlebt? Stimmt, so kommt man auch ins Weiße Haus.

Westerwelle dagegen, den Deutschen jahrzehntelang als Angreifer vertraut, ist er auf einmal in der Verteidigung. Dieser Rollenwechsel presst in ihn das enge Korsett aus Keine-Fehler-machen-dürfen und Keine-Fehler-machen-wollen. Man kann das förmlich greifen, schaut man auf die Bilder von zu Guttenberg im Bauch der Bundeswehr-Transall im Anflug auf Kabul und auf Westerwelle. Der eine locker die Hand in die Hüfte gestemmt, der andere festgeschnallt, mit stierem Blick geradeaus, die personifizierte Flugangst. Hase Westerwelle.

Igel Guttenberg: Kenner berichten eine Anekdote aus seiner Zeit als Wirtschaftsminister. Es ging um die Zukunft des maroden KarstadtQuelle-Konzerns Arcandor. Emissäre aller Interessenten drängten Guttenberg zu öffentlichen Aussagen und TV-Auftritten in der Sache. Der lehnte ab, sagte nur: "Gehen Sie zu Seehofer." Gesagt, getan, das Foto mit dem Quelle-Katalog gibt es mit Seehofer. Drei Wochen später war Quelle pleite, Seehofer beschädigt, und Guttenberg Schattenaußenminister.

Quelle: RP

 
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