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Wikileaks-Enthüllungen: Guttenberg lästert über Westerwelle

VON CHRISTIAN SIEBEN - zuletzt aktualisiert: 30.11.2010 - 15:23

Düsseldorf (RPO). Nach den Enthüllungen bei Wikileaks wird weltweit spekuliert, wer die Quellen der unglaublichen Indiskretionen sind. Fest steht: Sehr offen geredet haben viele Spitzenpolitiker - auch aus Deutschland. Zwar kann man im Falle von Verteidigungsminister zu Guttenberg mitnichten von einem Verräter sprechen. In Gesprächen mit US-Stellen soll der CSU-Star aber äußert freimütig geplaudert haben. Zum Schaden von Außenminister Westerwelle.

Wirtschaftsminister, Verteidigungsminister, Kanzlerkandidat im Wartestand: Karl-Theodor zu Guttenberg, von Freund und Feind inzwischen respektvoll "KT" genannt, hat das Zeug für viele Positionen. Die Enthüllungen von Wikileaks legen nun den Schluss nahe, dass der Franke gerne auch Außenminister wäre. In Gesprächen mit US-Diplomaten soll er selbstbewusst und äußert kritisch über die Arbeit von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) geurteilt haben.

FDP soll blockiert haben

In Gesprächen mit US-Botschafter Philip Murphy soll Guttenberg beklagt haben, dass Deutschland lediglich 850 deutsche Soldaten zur Verstärkung nach Afghanistan schickt. Ein angemesseneres Truppenaufgebot sei an Westerwelle gescheitert, ließ Guttenberg die Amerikaner Wikileaks zufolge wissen. Sei es nach Westerwelle gegangen, wäre kein einziger deutscher Soldat zur Verstärkung an den Hindukusch verlegt worden.

Mit den Liberalen sei eine Einigung in diesen Fragen nur unter größten Mühen möglich gewesen, soll der CSU-Politiker den Amerikanern gesteckt haben. In den Wikileaks-Dokumenten wird Westerwelles Persönlichkeit zudem als "überschäumend" bezeichnet. Von wem diese spezielle Einschätzung kommt, ist nicht bekannt. Es gilt allerdings als gesichert, dass zu Guttenberg bei mehreren Gelegenheiten ausführlich mit US-Stellen sprach.

"Plaudertasche"

Für Westerwelle ein unangenehmer Vorfall – für zu Guttenberg nicht weniger. Die "Süddeutsche Zeitung" nennt den Verteidigungsminister süffisant eine "Plaudertasche". "Koalition sucht Verräter", schreibt das "Hamburger Abendblatt". Im politischen Berlin versuchen die Verantwortlichen die Lage zu beruhigen. Westerwelle gibt an, "Klatsch- und Tratschgeschichten" interessierten ihn nicht. Andere FDP-Politiker äußern indes hinter vorgehaltener ihren Unmut. Drohen neue schwarz-gelbe Zerwürfnisse?

In der Tat dürften zu Guttenbergs Einlassungen weiterhin für Ärger sorgen. Denn es kann der Eindruck entstehen, der CSU-Politiker mache auf Kosten Westerwelles lieb Kind bei Deutschlands wichtigem Verbündeten. Da scheint es ins Bild zu passen, dass zu Guttenberg laut Wikileaks der einzige deutsche Spitzenpolitiker ist, der bei den Amerikanern durchweg beliebt ist.

"Freund Amerikas"

Die USA sehen zu Guttenberg als Freund Amerikas, als einzigen einflussreichen Fürsprecher für eine starke Beteiligung Deutschlands am Afghanistan-Feldzug. Mehr noch: Der Freiherr sei der einzige Politiker, der einem mut- und farblosen Kabinett "Glanz" verleihen könne. Dass zu Guttenberg international blendend ankommt, ist lange bekannt. Der smarte Politstar besticht mit Sekundärtugenden wie nahezu perfektem Englisch und besten Umgangsformen.

Auf das Label "Plaudertasche" hätte zu Guttenberg indes gerne verzichtet. Schwerwiegende Nachwirkungen hat der Minister wohl nicht zu befürchten. Denn Westerwelle, der in Sachen Beliebtheit Umfragen zufolge deutlich hinter dem CSU-Star rangiert, wird eine Konfrontation mit zu Guttenberg nicht riskieren. Denn zu gewinnen gibt es nichts. Und letztlich enthalten die Wikileaks-Dokumente deutlich brisantere Themenfelder als Eitelkeiten im deutschen Kabinett.

Was bleibt sind aufschlussreiche Einblicke in das schwarz-gelbe Innenleben.


 
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