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Verteidigungsminister zieht Konsequenzen: Guttenberg verzichtet auf den Doktortitel

zuletzt aktualisiert: 22.02.2011 - 06:51

Berlin (RPO). Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) will nach den gegen ihn gerichteten Plagiatsvorwürfen nun dauerhaft auf seinen Doktortitel verzichten. Guttenberg leitete der Universität Bayreuth am Montagabend einen Brief zu, in dem er um die Rücknahme des Titels bat, wie ein Uni-Sprecher sagte. Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Hessen gestand der Minister "gravierende Fehler" beim Verfassen der Arbeit ein.

Der Sprecher der Universität Bayreuth, Frank Schmälzle, sagte der Nachrichtenagentur AFP, Guttenberg habe zur Begründung für seine Bitte um Aberkennung des Titels ausgeführt, er habe bei nochmaliger Durchsicht seiner Dissertation "gravierende handwerkliche Fehler festgestellt". Diese seien "nicht mit wissenschaftlichem Arbeiten zu vereinbaren".

Im hessischen Kelkheim sagte Guttenberg, er habe sich am Wochenende die Zeit genommen, sich erneut intensiv mit seiner Doktorarbeit zu beschäftigen. Guttenberg räumte erneut Fehler ein: "Ich habe Fehler gemacht, ich habe sie nicht bewusst gemacht", sagte er. Dabei habe er feststellen müssen, dass er "gravierende Fehler" gemacht habe, die den "wissenschaftlichen Kodex nicht erfüllen".

Zugleich entschuldigte Guttenberg sich bei denen, die er mit seiner Arbeit verletzt habe. Er wies erneut die Vermutung zurück, die Arbeit nicht selbst geschrieben zu haben. "Ich habe diese Arbeit selbst geschrieben. Ich stehe dazu, aber ich stehe auch zu dem Blödsinn, den ich geschrieben habe."

Er habe "sechs, sieben Jahre" an der Dissertation geschrieben, sagte Guttenberg. "Möglicherweise habe ich an der ein oder anderen Stelle den Überblick über die Quellen verloren." Er wolle sich aber bei denjenigen entschuldigen, die er mit Blick auf die Bearbeitung der Doktorarbeit verletzt habe, sagte Guttenberg. Seine Entscheidung, den Titel nicht mehr zu führen, "schmerzt".

Laut Schmälzle wird sich die Promotionskommission der Uni noch am Dienstag mit Guttenbergs Bitte befassen und die nötigen Schritte für die Aberkennung des Titels einleiten. Nach wie vor sei nach der Promotionsordnung ein ordentliches Verfahren zur Prüfung der Dissertation nötig, daran ändere auch die Bitte Guttenbergs nicht. "Mit dem Statement des Ministers ist es aber einfacher geworden." Eine Entscheidung sei am Dienstag nicht zu erwarten. Auch müsse noch die ebenfalls mit dem Fall befasste Kommission zur Selbstkontrolle in der Wissenschaft über Guttenbergs Arbeit beraten. Die Universität kündigte für Dienstag, 14.30 Uhr, eine Pressekonferenz an.

Guttenberg räumte erneut Fehler ein: "Ich habe Fehler gemacht, ich habe sie nicht bewusst gemacht", sagte er. Zugleich entschuldigte Guttenberg sich bei denen, die er mit seiner Arbeit verletzt habe. Er wies erneut die Vermutung zurück, die Arbeit nicht selbst geschrieben zu haben. "Ich habe diese Arbeit selbst geschrieben. Ich stehe dazu, aber ich stehe auch zu dem Blödsinn, den ich geschrieben habe."

Neue Vorwürfe wurden laut

In Berlin wurde unterdessen bekannt, dass Guttenberg offenbar auch zwei Expertisen des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags weitgehend wörtlich abgeschrieben hat. "Focus Online" berichtete am Montagabend, Guttenberg habe eine Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste vom 25. Oktober 2005 weitgehend kopiert. Das Gutachten trage den Titel: "Die Rolle der USA im europäischen Einigungsprozess bis zum Ende des Ost-West-Konflikts". Guttenberg habe auf den Seiten 199 bis 214 seiner Dissertation die Sätze des Wissenschaftlers bis auf marginale Änderungen wörtlich übernommen.

Guttenberg versuchte in Kelkheim vor gut 900 Anhängern der CDU gute Miene zu machen und die Geschehnisse mit Humor vom Tisch zu wischen: "Hier oben steht das Original und kein Plagiat", sagte der 39-jährige auf dem Podium unter tosendem Beifall. Er sei "nicht als Selbstverteidigungsminister gekommen", sagte Guttenberg - wenige Minuten bevor er sich dann öffentlich entschuldigte. Bei seiner Rede keilte er auch gegen die deutschen Medien, insbesondere die Hauptstadtpresse aus. Sie habe in den zurückliegenden Tagen eine Hetze gegen ihn veranstaltet. Mit Blick auf die Kritik, dass er vor Weihnachten gemeinsam mit seiner Frau Frontsoldaten besucht habe, sagte er: "Ich werde das wieder tun vor Weihnachten. Ich sage das auch, damit schon jetzt jeder, der einen Kommentar schreiben will, damit anfangen kann."

Ein Befreiungsschlag

Für Guttenberg war der freiwillige und dauerhafte Verzicht auf seinen Titel die einzige Möglichkeit, Herr des Geschehens zu bleiben. Nicht die Universität Bayreuth entscheidet über den Minister, sondern er selbst. In seinen ersten Reaktionen hatte er die Vorwürfe als abstrus zurückgewiesen. Doch die Hinweise und Vorwürfe gegen ihn verdichteten sich derart, dass Guttenbergs Glaubwürdigkeit ernsthaften Schaden zu nehmen drohte. Nicht nur die Opposition und die Medien hatten sich diesmal auf den Minister eingeschossen, auch das Internet machte Jagd auf seine Plagiate. Guttenberg wurde zum Getriebenen. Jetzt nimmt er der Aufregung im Land den Wind aus den Segeln.

Am Wochenende kam es zum vertraulichen Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Nach außen wirkte es so, als sei der Star-Minister zum Rapport geladen worden, um sich bei der Chefin einen Rüffel abzuholen. Letztenendes war sie es, die am Montag bereits andeutete, worin der Ausweg für zu Guttenberg bestehen könnte: Eine Reduzierung auf den Politiker Guttenberg, frei nach der Lesart, dass es in der Politik nicht um Titel geht, sondern das, was einer für sein Land leistet.

Für sie sei allein seine Arbeit als Minister entscheidend, und die mache er "hervorragend", sagte Merkel in Berlin. Sie habe ihn nicht als wissenschaftlichen Assistenten oder Inhaber eines Doktortitels berufen. Freilich, die Kratzer im Lack des Ministers sind tief. Bis der Minister glänzt, wird er Merkels Worte erst einmal mit Inhalt füllen und substanzielle politische Erfolge vorweisen müssen.

Quelle: RTR/pst

 
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