Nach Rücktrittsgesuch: Guttenberg wird neuer Wirtschaftsminister
zuletzt aktualisiert: 09.02.2009 - 10:20München/Berlin (RPO). Der Nachfolger von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos heißt Karl-Theodor zu Guttenberg. CSU-Chef Horst Seehofer hat die Entscheidung offiziell bestätigt. Der 37-jährige Guttenberg war erst im Oktober zum Generalsekretär ernannt worden. Er gilt als eines der größten Talente der CSU. Ob er die aber in nur sechs Monaten als Chef eines ihm fremden Ressorts zur Geltung bringen kann, ist fraglich.
Am Sonntag einigte sich Seehofer erst nach langem Zögern mit Bundeskanzlerin Angela Merkel darauf, den Rücktrittswunsch von Glos anzunehmen. Der CSU-Chef bot nach AP-Informationen zunächst dem Landesgruppenvorsitzenden Peter Ramsauer den Kabinettsposten an, der aber lehnte ab. Der Unternehmer Thomas Bauer katapultierte sich am Wochenende offenbar selbst aus dem Rennen, weil sich zu offensiv über die Medien in Stellung brachte.
Nun hat die Suche nach Ersatz für Glos offenbar ein Ende gefunden. Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg macht das Rennen. Dies berichten übereinstimmend die Nachrichtenagentur AP und das ZDF unter Berufung auf Unionskreise. Seehofer muss jetzt mitten im Europawahlkampf einen neuen Generalsekretär finden, der sich nicht lange einarbeiten muss.
Nachfolger von Guttenberg als Generalsekretär der CSU soll der 38-jährige Bundestagsabgeordnete Alexander Dobrindt aus Weilheim in Oberbayern werden. Er gehört dem Parlament seit 2002 an und ist stellvertretender Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses. Der 37-jährige Guttenberg sitzt ebenfalls seit 2002 im Bundestag und hat sich auf Außenpolitik spezialisiert. Er war erst vor wenigen Monaten auf das Amt des Parteimanagers in München berufen worden.
Wenig reizvolles Amt
Guttenberg hatte in den Verhandlungen über die Glos-Nachfolge Bedingungen gestellt: Er wollte sich nicht verheizen lassen und forderte ein Spitzenamt auch nach der Bundestagswahl, berichtete die Süddeutsche Zeitung. Offenbar hat Seehofer Guttenberg das zugestanden. Zudem erfüllt der junge Politiker die Anforderungen an den CSu-Proporz. Er stammt ebenso wie Glos aus Franken. Seehofer muss darauf bedacht sein, die Partei-Arithmetik zu berücksichtigen. Die Franken sind ihm immer noch gram wegen der robusten Entfernung des Nürnbergers Günther Beckstein vom Ministerpräsidenten-Posten.
Die Aufgabe, das Bundeswirtschaftsministerium zu übernehmen, gilt als wenig reizvoll. Bis zur Bundestagswahl sind es nur sechs Monate. Sich in so kurzer Zeit einzuarbeiten und dann auch noch Akzente zu setzen, ist schwierig. Zudem gilt es als unwahrscheinlich, dass die CSU auch in der kommenden Legislaturperiode den Wirtschaftsminister stellen darf.
Der Düsseldorfer Politikwissenschaftler Ulrich von Alemann hält es jedoch für möglich, dass ein junger, dynamischer Mann dem Kabinett Merkel und der Union noch einmal Farbe verleihen kann. Guttenberg, der seinem Wikipedia-Eintrag zufolge mit vollem Namen eigentlich Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Wilhelm Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg heißt, könnte auf dieses Anforderungsprofil durchaus zutreffen.
Montag offiziell
Glos sagte in München, er werde Merkel am Montag offiziell um seine Entlassung bitten. Es gebe "eine sehr gute Lösung" für die Nachfolge. Der 64-Jährige hatte seinen Rücktritt bereits am Samstag in einem Brief an Seehofer völlig überraschend angeboten. Als Beweggründe gab er sein Alter an und die fehlende Bereitschaft, sich für eine weitere Amtszeit nach der Bundestagswahl im September zu bewerben. Die bayerische Landtagswahl habe gezeigt, "dass Erneuerung, Gestaltungskraft und Glaubwürdigkeit mehr denn je gefragt sind", schrieb der Minister.
Seehofer lehnte das Angebot mit Rückendeckung Merkels zunächst ab. Am Sonntag liefen dann allerdings den ganzen Tag Sondierungen mit dem Ziel, die Hängepartie möglichst schnell zu beenden. Die Entscheidung über die Entlassung Glos' fiel am Sonntagabend nach einem zweistündigen Treffen zwischen Seehofer, Glos und Ramsauer in der Münchner Staatskanzlei. Vorausgegangen waren zahlreiche weitere Gespräche mit Beteiligung Merkels.
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