Kritik an Männerführung bei den Linken: Gysi: Neue Linke ist drittstärkste Partei in Deutschland
zuletzt aktualisiert: 16.06.2007 - 10:32Chemnitz (RPO). Seit Mitternacht gibt es in Deutschland die neue Linkspartei. Und die beansprucht gleich, drittstärkste politische Kraft im Lande zu sein. Mit der Fusion von Linkspartei und WASG sei die Linke in der deutschen Parteienlandschaft noch vor die FDP gerückt, so Fraktionschef Gregor Gysi. Aber auch Kritik wurde laut: Nur Männer in der Führung, das gehe auf Dauer nicht.
Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Linkspartei im Bundestag, Dagmar Enkelmann, hat eine stärkere Berücksichtigung von Frauen an der Spitze ihrer Partei gefordert.
Niemand stelle die Führungsrolle von Lothar Bisky und Oskar Lafontaine in der Gründungsphase der neuen Linken als Vorsitzende in Frage, sagte Enkelmann der Chemnitzer "Freien Presse" (Samstagausgabe). Doch sie hätten eine Verantwortung, dafür zu sorgen, "dass künftig auch Frauen den Vorsitz übernehmen". Nach Ansicht Enkelmanns sollte spätestens nach der Bundestagswahl in zwei Jahren die Doppelspitze der Bundestagsfraktion mit einer Frau besetzt werden.
Die Sprecherin der ostdeutschen SPD-Abgeordneten im Bundestag, Iris Gleicke, forderte die SPD auf, sich mir der neuen Partei inhaltlich auseinander zu setzen. "Für die ostdeutschen Sozialdemokraten ist das seit Jahren eine Selbstverständlichkeit. Der Linkspartei kommt man nur bei, indem man sie systematisch entzaubert, und das geht nur mit inhaltlichen Argumenten", sagte sie der "Sächsischen Zeitung" (Montagausgabe). Es genüge nicht, "Gysi und Lafontaine nur ihren Populismus vorzuhalten. Man muss bei den Inhalten ansetzen", sagte Gleicke.
Seit Mittenacht gebe es die neue Partei "Die Linke", sagte Linksfraktionschef Gregor Gysi am Samstag auf dem Gründungsparteitag in Berlin. Er fügte hinzu: "Ab heute sind wir die drittstärkste Partei." Mit der Fusion von Linkspartei und WASG sei die Linke in der deutschen Parteienlandschaft noch vor die FDP gerückt.
Die neue Partei Die Linke hat nach einer Forsa-Umfrage für "Bild am Sonntag" auf Bundesebene ein Wählerpotenzial von 24 Prozent. In den neuen Bundesländern können sich demnach sogar 44 Prozent der Bürger vorstellen, bei einer Bundestagswahl für die Linkspartei des designierten Vorsitzenden Oskar Lafontaine zu stimmen. In den westdeutschen Ländern beträgt die grundsätzliche Zustimmung 19 Prozent.
Allerdings halten 74 Prozent der Befragten Die Linke im Bund nicht für regierungsfähig, wie die Umfrage zum Gründungsparteitag an diesem Wochenende ergab. Nur 20 Prozent können sich die Linkspartei als Teil einer Bundesregierung vorstellen. Die Forsa-Umfrage fand am 13. und 14. Juni 2007 mit 1001 Befragten statt.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum