Prügelnde Jugendliche: "Härtere Strafen nützen nichts"
zuletzt aktualisiert: 31.12.2007 - 11:43Hannover (RPO). Härtere Strafen und Erzieungslager für junge Straftäter führen nach Ansicht des Kriminologen Christian Pfeiffer nicht zum erwünschten Ergerbnis. An der Häufigkeit, mit der Straftaten verübt würden, ändere sich dadurch nichts, sagte Pfeiffer. Die Union, allen voran Hessens Ministerpräsident Roland Koch, hatten drastische Maßnahmen gegen kriminelle Jugendliche gefordert.
Der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer, lehnt härtere Strafen und Erziehungslager für junge Straftäter ab. "Das sind alles teure Illusionen mit extrem hohen Rückfallquoten. Sie ändern nichts an der Häufigkeit, mit der Straftaten verübt werden", sagte Pfeiffer der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". Abschrecken könne man junge Menschen bestenfalls mit einer guten Polizei, so dass sich für Straftäter ein hohes Aufklärungsrisiko ergebe.
"Das haben wir aber bereits. Höhere Strafen schrecken überhaupt nicht ab, weil die Jugendlichen nicht glauben, erwischt zu werden", sagte Pfeiffer. Bei den 21- bis 25-Jährigen gebe es einen massiven Anstieg der Körperverletzungsdelikte, obwohl hier die Strafen verschärft worden seien.
"Wir sollten nicht in neue Gefängnisse investieren, sondern in bessere Schulen", sagte er. Denn tatsächlich seien männliche junge Ausländer im Vergleich zu ihren deutschen Altersgenossen mehr als doppelt so oft als Gewalttäter aktiv. Grund sei, dass knapp 22 Prozent der männlichen Migranten die Schulen ohne irgendein Abschlusszeugnis verließen. "Sie haben keine Chance, in der Gesellschaft richtig Fuß zu fassen", betonte Pfeiffer. Außerdem treffe innerfamiliäre Gewalt junge Migranten mehr als doppelt so häufig wie Deutsche.
Beeinflusst durch Gewaltspiele
Schließlich würden junge Ausländer besonders stark durch Medien und Gewaltspiele beeinflusst, sagte Pfeiffer. "Im Alter von zehn Jahren haben sie doppelt so häufig eine eigene Playstation im Zimmer, auch der eigene Fernseher ist viel häufiger als bei den Einheimischen", sagte er. All dies könne man ändern. "Wir sind leider Europameister in der Vernachlässigung der Bildungschancen von Migranten", sagte der Kriminologe.
Derweil legte die Union im Streit über den Umgang mit jugendlichen Serienstraftätern nach. Auch CSU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl forderte Erziehungscamps. "Wenn wir ausländische Serientäter nicht abschieben können, müssen wir ihre kriminellen Karrieren unterbrechen - noch bevor ein Mord begangen wird. Eine geschlossene Erziehungsanstalt ist dafür die einzige Lösung", sagte Uhl der "Bild"-Zeitung. Zuvor hatte bereits Unionsfraktionschef Volker Kauder Erziehungscamps und Warnarreste gefordert.
Die bayerische Justizministerin Beate Merk plädierte für ein schärferes Jugendstrafrecht. "Es geht nicht nur um die Abschreckung bei der Jugendstrafe, es geht auch darum, die Schuld entsprechend zu bewerten und zu ahnden", sagte die CSU-Politikerin am Montag im Bayerischen Rundfunk.
"Richter müssen konsequenter urteilen"
Der bisher vorherrschende Erziehungsgedanke im Jugendstrafrecht sei bei immer brutaler werdenden Tätern "nicht mehr zielführend". Bei Tätern zwischen 18 und 21 Jahren müsse zudem häufiger das Erwachsenenstrafrecht angewendet werden, forderte die Ministerin. Sie habe festgestellt, dass gerade in den Großstädten automatisch das Jugendstrafrecht angewendet werde. "Das ist nicht in Ordnung", sagte Merk.
Ein konsequenteres Durchgreifen gegen jugendliche Straftäter forderte auch der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg: "Die Richter müssen den vorhandenen Strafrahmen ausschöpfen, konsequenter urteilen, am besten nach Erwachsenenstrafrecht", sagte er der "Bild"-Zeitung.
Wulff ruft zu Besonnenheit auf
Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff rief zu Besonnenheit in der Debatte über junge ausländische Straftäter auf. Im Einzelfall könne zwar mehr Härte geboten sein; "Integration und Prävention bleiben aber die Schlüsselthemen", sagte der CDU-Politiker der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Die Politik müsse alles tun, damit es gar nicht erst zu Gewalttaten komme.
Notwendig sei eine bessere Verzahnung von Integration, Prävention und Repression. Dies beginne mit Sprachförderung vor der Einschulung, erklärte Wulff. In den kommenden Jahren werde es auch darum gehen, die Quote der Schulabbrecher mit Migrationshintergrund zu senken. Repression könne nur das letzte Mittel sein. Dabei müsse man die Handlungsmöglichkeiten der Jugendrichter erweitern.
Deshalb fordere er bereits seit vier Jahren die Einführung des sogenannten Warnschussarrestes, der neben einer zur Bewährung ausgesetzten Jugendstrafe verhängt werden könne. "Dadurch wird dem Jugendlichen der Ernst der Lage spürbar vor Augen geführt", erklärte Wulff.
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