kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Ermittlungen wegen Untreue: Hamburger Finanzsenator Frigge tritt zurück

zuletzt aktualisiert: 25.11.2010 - 06:26

Hamburg (RPO). Hamburgs Finanzsenator Carsten Frigge (CDU) gibt nach nicht einmal acht Monaten sein Amt auf. Der Senator erklärte in der Bürgerschaftssitzung am Mittwoch offiziell seinen Rücktritt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Frigge wegen Veruntreuung von Mitteln.

Der ehemalige Finanzsenator Carsten Frigge hat seinen Rücktritt eingereicht.  Foto: dapd, dapd
Der ehemalige Finanzsenator Carsten Frigge hat seinen Rücktritt eingereicht. Foto: dapd, dapd

Er habe feststellen müssen, dass "in der Bilanz der letzten Monate" Themen im Vordergrund gestanden hätten, "die mit meiner Arbeit hier nicht das Geringste zu tun hatten", sagte Frigge, ohne sie konkreter zu benennen. Zum Nachfolger wurde der CDU-Bundestagsabgeordnete und Finanzexperte Rüdiger Kruse bestimmt, wie Hamburgs Erster Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) am späten Abend mitteilte. "Ich bin überzeugt davon, dass Rüdiger Kruse das Amt gut ausfüllen wird", sagte Ahlhaus.

Gegen Frigge ermittelt die Staatsanwaltschaft Mainz im Zusammenhang mit der unzulässigen Verwendung von Mitteln der CDU-Landtagsfraktion in Rheinland-Pfalz. Er muss zudem im Landtag vor einem Untersuchungsauschuss aussagen. Frigge sagte, er müsse einräumen, dass er diese Themen nicht einfach ignorieren könne. "Ich muss aber doch sagen, dass die Boshaftigkeit und die Unsachlichkeit, mit der sie zum Teil vorgetragen wurden, mich überrascht und - das gebe ich zu - in Teilen auch verletzt haben", sagte Frigge. "Aber ganz unabhängig von meiner persönlichen Empfindung muss ich mir die Frage stellen, ob diese Situation vereinbar ist mit der weiteren Ausübung des Amtes des Finanzsenator der Freien und Hansestadt Hamburg, und ich glaube: Nein", fügte er hinzu.

Ahlhaus sagte, Frigge habe ihm am Vormittag seinen Rücktritt angeboten. Er dankte Frigge für seine Arbeit, mit der er unter anderem den Entwurf des neuen Haushalts wesentlich mitbestimmt habe. "Ich respektiere die Entscheidung von Senator Frigge, bedaure aber zugleich seinen Entschluss", sagte Ahlhaus.

SPD fordert Neuwahlen

Die an Frigges Ankündigung anschließende Bürgerschaftsdebatte, eigentlich zum Thema Haushaltskonsolidierung angesetzt, war von einem harten Tonfall der verschiedenen politischen Lager gekennzeichnet. Bürgerschaftspräsident Lutz Mohaupt (parteilos) musste mit der Glocke zur Ordnung rufen. Ahlhaus kritisierte die "Pöbeleien", mit denen die Opposition Frigge angegriffen habe, und forderte Respekt für den Senator ein. Frigge habe "in respektabler Weise seine Pflicht getan". Frigges strenger Sparkurs sei alternativlos und werde fortgesetzt.

SPD-Fraktionschef Michael Neumann forderte hingegen Neuwahlen. Er glaube, es sei der Zeitpunkt gekommen, dass das Parlament das Wort wieder an die Bürger gebe, sagte er. Er bezweifelte, dass die Kritik der Opposition Grund für Frigges Rücktritt sei. An die CDU gewandt fragte Neumann: "Warum haben Sie die leise tickende Zeitbombe überhaupt in den Senat berufen?" CDU-Fraktionschef Frank Schira kritisierte daraufhin "Hasstiraden der Opposition".

Der grüne Koalitionspartner GAL wurde von Frigges Rücktritt offenbar kalt erwischt. Fraktionschef Jens Kerstan zeigt sich in der Sitzung überrascht von dem Schritt. Der Bürgermeister habe ihn erst kurz vor der Bürgerschaftssitzung darüber informiert. Linke-Franktionschefin Dora Heyenn bezeichnete Frigges Rücktritt als "sauberen Schritt", den sie respektiere. Sie glaube jedoch, er komme zu spät.

Ermittlungen wegen Untreue

Hintergrund des Mainzer Untersuchungsausschusses sind ungeklärte Finanzströme zwischen CDU-Fraktion und Partei: Frigges Berateragentur C4 hatte vor der Landtagswahl 2006 in Rheinland-Pfalz Beratungsleistungen für den damaligen CDU-Partei- und Fraktionschef Christoph Böhr erbracht und dafür 386.000 Euro kassiert. Schriftliche Belege fehlen. Anfang Mai hatte die Staatsanwaltschaft deshalb die Wohnungen von Böhr und Frigge durchsucht.

Frigge gilt als Verfechter eines strengen Sparkurses. Er wollte im Hamburger Haushalt bis 2014 jährlich rund eine halbe Milliarde Euro einsparen. Frigge hatte das Amt als Hamburger Finanzsenator erst offiziell am 1. April dieses Jahres übernommen. Sein Rücktritt wäre der fünfte Wechsel auf einem Senatssessel im Hamburger Rathaus in diesem Jahr. Erst im Sommer hatten Ahlhaus sowie die Senatoren Heino Vahldieck (Inneres, CDU), Reinhardt Stuth (Kultur, CDU) und Ian Karan (Wirtschaft, parteilos) ihre Ämter angetreten.

Quelle: DDP/jre

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
"Wir dürfen die Eltern nicht enttäuschen"

Schröder hält am Krippenausbau fest

"Wir dürfen die Eltern nicht enttäuschen"

Familienministerin Kristina Schröder hält unverdrossen daran fest: Ab August 2013 soll in Deutschland der Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ... mehr 

Neue Plagiatsvorwürfe gegen Schavan

Ministerin will auf Uni-Bewertung warten

Neue Plagiatsvorwürfe gegen Schavan

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) will auch nach neuen Plagiatsvorwürfen die ... mehr 

Mehr Politik
Aus der Region

Schröder hält am Krippenausbau fest

"Wir dürfen die Eltern nicht enttäuschen"

Ministerin will auf Uni-Bewertung warten

Neue Plagiatsvorwürfe gegen Schavan

Innenministerkonferenz

Jäger erwägt Verbot von Salafisten

Streitpunkt Vorratsdaten

EU-Kommission wird Deutschland verklagen

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Video

Italien: Frau lebend aus Trümmern gezogen

Das Beben in Norditalien war am Dienstagabend schon 12 Stunden her, da gab es eines dieser kleinen Wunder, auf die die Menschen in den ... mehr 

Schröder hält am Krippenausbau fest

"Wir dürfen die Eltern nicht enttäuschen"

Familienministerin Schröder hält daran fest: Ab August 2013 soll der Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung gelten. Am Mittwoch legte sie ein Zehn-Punkte-Programm vor. Mit seiner Hilfe sollen doch noch 130.000 Betreuungsplätze entstehen. "Fast ... mehr

 

Ministerin will auf Uni-Bewertung warten

Neue Plagiatsvorwürfe gegen Schavan

 
 

Streitpunkt Vorratsdaten

EU-Kommission wird Deutschland verklagen

 

Merkel nur noch knapp vorn

Kraft stürmt die Beliebtheits-Charts

 

Ramsauers Vorschlag abgeblockt

Merkel erteilt Pkw-Maut klare Absage

Top-Services