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Kundus-Affäre: Handelte Oberst Klein auf Anweisung?

VON MARTIN KESSLER - zuletzt aktualisiert: 19.12.2009 - 10:11

Berlin (RP). Die Opposition will in der Affäre um das Bombardement auf zwei Tanklastzüge in der Nähe von Kundus weiterhin die Bundesregierung unter Druck setzen. Besondere Beachtung findet dabei die Rolle der Afghanistan-Kommandozentrale in Potsdam. Dort arbeitet neben dem Einsatzführungskommando eine Leitstelle des Kommandos Spezialkräfte (KSK), deren Operationen in Afghanistan normalerweise geheim bleiben sollen.

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung wurden dorthin unmittelbar nach dem Luftschlag Dokumente mit dem genauen Ablaufplan der Nacht geschickt. Der SPD-Bundestagsabgeordnete und Mitglied des Verteidigungsausschusses, Michael Groschek, hält deshalb Verbindungen zwischen diesem KSK-Kommando und der Aktion des Einsatzleiters, Oberst Georg Klein, in Kundus nicht für ausgeschlossen. "Für mich ist völlig unvorstellbar, dass ein so pflichtbewusster Soldat wie Oberst Klein eine offensichtliche Regelverletzung wie in diesem Fall begeht, ohne dass er zumindest Rückendeckung oder eine andere Form von Weisung von oben hat", sagte der SPD-Parlamentarier.

Klein hatte vor der Anforderung der US-Bomber zur Zerstörung der Tanklastzüge Feindberührung angegeben. Die hatte es aber mit den Taliban in der Furt des Kundus-Flusses, wo die Lastwagen feststeckten, nach bisherigen Erkenntnissen nicht gegeben. "Womöglich bezog sich die Feindberührung nicht auf den Ort der Tanklastzüge, sondern auf einen anderen Ort. Es besteht also durchaus die Möglichkeit, dass es Geheimgefechte gegeben hat", sagte Groschek.

Weiterer Anlass für die Vermutung Groscheks ist ein zweites Video vom Luftschlag. So hatte nach Informationen der "Bild"-Zeitung eine Kamera vom Lager in Kundus aus zwei Transportfahrzeuge gefilmt, die sich von den Tanklastzügen entfernten, bevor es zur Explosion durch den Bombenabwurf kam. Bislang waren nur Videos bekannt, die von Flugzeugen aus aufgenommen wurden. Laut Groschek stellen sich nun die Fragen, wer wann über diesen neuen Aufklärungsfilm informiert wurde und ob das Video zeitgleich in Kundus und in Potsdam gelaufen sei.

Das Verteidigungsministerium gab gestern die Existenz des Videos zu. Es stammt von einer Überwachungskamera des deutschen Feldlagers in Kundus. Weitere Informationen wollte das Ministerium mit Hinweis auf den Schutz der Soldaten nicht geben. Nach Angaben aus Industriekreisen können die Kameras selbst bei absoluter Dunkelheit Personen oder Fahrzeuge in mehreren Kilometern Entfernung wahrnehmen. Allerdings ließ sich der Angriffsort am Kundus-Fluss wegen der niedrigen Kamera-Masten angeblich nicht direkt erfassen.

Der wegen seiner voreiligen Festlegung über die Notwendigkeit des Einsatzes unter Druck geratene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bleibt indes einer der beliebtesten Politiker Deutschlands. In einer vom "Spiegel" veröffentlichten Umfrage von TNS Forschung lag der CSU-Politiker zusammen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf Platz zwei der populärsten Politiker des Landes.

Quelle: RP

 
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